RTL News>News>

Über Stacheldrahtzaun am Flughafen Kabul gereicht: Das ist die Geschichte von Baby Liya

Dieses Video aus Afghanistan ging um die Welt

Baby über Flughafenmauer in Kabul gereicht: Die wahre Geschichte von Baby Liya

Baby über Flughafenmauer in Kabul gereicht: Das ist die Geschichte der kleinen Liya
Baby über Flughafenmauer in Kabul gereicht: Das ist die Geschichte der kleinen Liya
/FW1F/Philippa Fletcher, via REUTERS, Social Media

Das steckt hinter der Rettung des "Babys aus Kabul"

Als die Taliban Mitte August Kabul erobert und die Macht übernommen haben , bangten Tausende Afghanen um ihr Leben. Vor allem diejenigen, die für das ausländische Militär gearbeitet hatten und nun Vergeltung fürchteten. Am Flughafen in Kabul brach Chaos aus. Dutzende Menschen wurden getötet . Doch vor allem eine Szene war es, die Schlagzeilen machte: Ein Mann reichte einem US-Soldaten ein nur wenige Tage altes Baby über den Stacheldrahtzaun . Nun erzählen die Eltern des Mädchens, wie es dazu kam und wie es der Familie heute geht.

Flucht aus Afghanistan als letzter Ausweg

Wer steht mit seinem Neugeborenen dicht gedrängt inmitten einer aufgebrachten Menschenmenge? Und wer übergibt sein Kind dann einem völlig Fremden? Wie groß die Verzweiflung dahinter sein muss, kann sich wohl jeder vorstellen und genau deshalb wurde das nur wenige Sekunden lange Video des „Babys aus Kabul“ zum Sinnbild für das Leid der Menschen, nachdem die radikalen Islamisten die Macht in Afghanistans Hauptstadt übernommen hatten.

„Wir bekamen Informationen, dass Menschen getötet oder vermisst wurden (...). Es war nicht die Frage, ob wir fliehen, sondern nur wann“, sagt Vater Hameed im Interview mit dem US-Sender CBS. Amerikanische Medien haben mit der Familie gesprochen, die inzwischen in den USA lebt. Ihre vollen Namen wollen sie aus Sicherheitsgründen nicht nennen. Hameed hatte rund fünf Jahre als Übersetzer für das US-Militär gearbeitet. Ihm war sofort klar, dass die Taliban sich rächen werden. Seine Frau packte deshalb alles Notwendige zusammen und machte sich mit Liya auf zum Flughafen.

Baby verzweifelt über Stacheldraht gehoben

Am Flughafen von Kabul kam es zu chaotischen Szenen: Dutzende Menschen, die es auf das Gelände geschafft hatten, klammerten sich verzweifelt an Flugzeuge.
Am Flughafen von Kabul kam es zu chaotischen Szenen: Dutzende Menschen, die es auf das Gelände geschafft hatten, klammerten sich verzweifelt an Flugzeuge.
Twitter/Sudhir Chaudhary

Das Mädchen war da gerade 17 Tage alt. Weil Hameed während der Evakuierungsflüge selbst am Flughafen eingesetzt war, hatte er nicht nur die Geburt seiner Tochter verpasst, sondern sie bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht ein Mal gesehen, berichtet CBS. Am Flughafen gelang es ihm tatsächlich, seine Frau inmitten all der aufgebrachten Menschen ausfindig zu machen. Doch zu diesem Zeitpunkt, so schildert es der Vater im Interview, schien eine Flucht für die Familie unmöglich.

Hameed und seine Frau Sadia hatten große Sorge, dass Liya in der Menge zerdrückt werden könne. Zudem wurde bereits vor Anschlägen gewarnt, die sich wenig später auch ereigneten . Verzweifelt wollten die jungen Eltern wenigstens das Leben ihres Babys retten. Sadia streckte es einem US-Soldaten entgegen – ein Mann half ihr, das Kind in seine Hände zu geben. So entstand das Bild, das um die Welt ging.

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

"Stacheldraht-Baby" aus Kabul hat jetzt eine Zukunft

„Das Einzige, worauf ich vertraut habe, war, dass er ein Marine war und dass es meiner Tochter gut gehen würde“, sagt Hameed zu CBS. Was die Bilder allerdings nicht zeigten: Hameed wartete da bereits auf der anderen Seite der Flughafenmauer und nahm Liya wenig später in Empfang. Schließlich gelang es auch seiner Frau auf das Flughafengelände zu kommen. Am Ende konnte die Familie Afghanistan gemeinsam mit einem der Evakuierungsflüge verlassen und lebt jetzt im US-Bundesstaat Arizona.

Den Soldaten, der Liya über den Zaun gehoben hat, hat die Familie Medienberichten zufolge noch nicht ausfindig machen können. Bei ihm würden sich Hameed und Sadia gerne bedanken. Ihr Mädchen wollen sie mit zweitem Vornamen „Marine“ nennen, in Gedenken an seinen Lebensretter.

(CBS, sbl)