Kampf gegen das eigene Ich

Depression in Corona-Zeiten: Fury empfiehlt tägliche Routine

Carl Frampton and Tyson Fury Media Workout
© Getty Images, Bongarts, mjw

08. April 2020 - 18:31 Uhr

Fury: Kleine Ziele sind besser als unrealistische

Der Corona-Lockdown stellt die Menschheit auf eine harte Probe – manche trifft die Krise besonders hart. Die sogenannten 'sozial Schwachen' etwa, die die Quarantäne in kleinen Wohnungen durchstehen müssen. Oder Menschen mit psychischen Krankheiten, die jetzt nicht raus und ihre Probleme mit anderen teilen können. Tyson Fury weiß wie es ist, wenn das eigene Ich zum größten Feind wird. Der Boxweltmeister litt jahrelang an schweren Depressionen, hat auch heute noch Rückfälle. Sein Motivationstipp: Tägliche Routine und kleine Ziele.

"Hatte schon immer Probleme mit der Motivation"

"Es gibt viele Tage, an denen ich mich nicht motiviert fühle. Damit hatte ich schon immer Probleme. Selbst bei großen Kämpfen bin manchmal nicht besonders motiviert. Ich bin also vielleicht nicht der beste Ratgeber, den man hierzu fragen sollte", sagte Fury in einem Interview mit dem Radiosender talkSport.

Allerdings litt Fury selbst jahrelang unter schweren Depressionen, hat zu dem Thema also womöglich mehr zu sagen als manch anderer. Was hält den 31-Jährigen am Laufen?

"Routine. Ich schreibe mir eine Routine vor und setze mir kleine Ziele, die ich dann versuche zu erreichen", beschrieb Fury seinen 'Game Plan' im Kampf gegen dem Mann im Spiegel.

Keine riesigen Ziele vornehmen

Ihm bringe es nichts, sich mit Wahnsinns-Zielen zu motivieren, so Fury. Wichtiger sei tägliche Routine. "Ich trainiere jeden Tag und setze mir wie gesagt keine massiven Ziele, die für den eigenen Kopf unrealistisch sind. Wenn man ganz unten ist und aufschaut, wirkt das sonst wie ein Berg, den man erklimmen muss. Also kleine Ziele: Ein paar Kilo abnehmen, eine bestimmte Distanz laufen", rät der 'Gypsy King'.

Fury war nach seinem sensationellen Triumph über den langjährigen Schwergewichts-König Wladimir Klitschko Ende 2015 in einem Strudel aus Depressionen, Drogen, Alkohol und Junk Food versunken. Der Boxer (gegen Klitschko noch 112 Kilo schwer) ging auf wie ein Hefeteig, wog fast 170 Kilogramm.

Die Metamorphose des Tyson Fury
Ende 2017 vs. Ende 2018: Tyson Fury schaffte eine Metamorphose
© @HitmanHatton, @Tyson_Fury, Twitter

Fury gelang märchenhaftes Comeback

Erst Ende 2017 befreite sich Fury langsam aus der Geiselhaft der Depression. Er trainiert, speckte gut 60 Kilo ab und legte ein märchenhaftes Comeback hin, dessen absolute Krönung Ende 2018 nur ein zweifelhaftes Remis im WM-Kampf gegen Deontay Wilder verhinderte.

Vor gut sechs Wochen klärte Fury die Angelegenheit. In Las Vegas bezwang er Wilder durch Technischen K.o. und krönte sich zum zweiten Mal zum Schwergewichts-Weltmeister.

Erste Hilfe bei Selbstmordgedanken

Wenn Sie Selbstmord-Gedanken haben, wenden Sie sich bitte sofort an die Telefonseelsorge (www.frnd.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erreichen Sie Menschen, die Ihnen die Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.