"Hohe Viruslast im Rachen"

Weltärztebund warnt vor schneller Ausbreitung der Delta-Variante in Deutschland

Die Delta-Variante breitet sich auch in Deutschland aus.
Die Delta-Variante breitet sich auch in Deutschland aus.
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18. Juni 2021 - 10:19 Uhr

Weltärztebund mahnt Überprüfung aktueller Lockerungen an

Noch ist sie in Deutschland wenig verbreitet, doch Ärzte sehen die als besonders infektiös geltende Delta-Variante des Coronavirus mit Sorge. Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, erwartet eine rasche Verbreitung in Deutschland und mahnt eine Überprüfung der aktuellen Corona-Lockerungen an.

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"Infizierte haben sehr schnell eine hohe Viruslast im Rachen"

Montgomery, erwartet, dass sich die Delta-Variante in Deutschland noch schneller ausbreiten wird als die bisherigen Modifikationen. "Das Tückische bei dieser Variante ist, dass Infizierte sehr schnell eine sehr hohe Viruslast im Rachen haben und damit andere anstecken können, bevor sie überhaupt merken, dass sie sich infiziert haben", sagte Montgomery den Zeitungen der Funke Mediengruppe am Freitag.

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Er mahnte, im öffentlichen Nahverkehr, in Geschäften und anderen Innenräumen sollten unbedingt weiterhin FFP2-Masken getragen werden. Die Länder sollten prüfen, ob die angekündigten Lockerungen nicht zu weit gingen. "Sie sollten außerdem die politische Größe haben, angekündigte Lockerungen wieder zurückzunehmen, wenn die Infektionszahlen durch die Delta-Variante wieder steigen sollten. So, wie es die britische Regierung jetzt getan hat", betonte der Mediziner.

Mögliche Gefahr durch Reiserückkehrer nicht unterschätzen

Der Vorsitzende des Weltärztebundes mahnte zudem, nicht den Fehler des vergangenen Sommers zu wiederholen. 2020 habe man den Wiedereintrag des Virus durch Reiserückkehrer unterschätzt, im Herbst folgte eine neue Welle. "Diese Gefahr besteht jetzt wieder, wenn viele noch ungeimpfte Touristen von Partyurlauben in ganz Europa nach Deutschland zurückkehren."

Der bayerische Gesundheitsminister Holetschek mahnte ebenfalls, die Delta-Virusvariante dürfe nicht unterschätzt werden. "Ihr Auftreten und ihr hoher Ansteckungsgrad zeigen uns, dass wir Corona trotz spürbar sinkender Inzidenzwerte noch nicht besiegt haben", sagte Holetschek der «Rheinischen Post» (Freitag). "Wir brauchen weiterhin allerhöchste Wachsamkeit. Vorsicht und Umsicht müssen weiter das Handeln bestimmen", betonte der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz.

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Lauterbach besorgt um Kinder

Der Gesundheitsexperte Lauterbach geht davon aus, dass die Delta-Variante in Deutschland im Herbst die dominierende Rolle spielen wird, weil sie so viel ansteckender sei. Er hoffe, dass dies nicht zu einem großen Problem ausgerechnet für die Kinder werde, die nicht geimpft seien, sagte Lauterbach in den ARD-"Tagesthemen".

Für vollständig Geimpfte besteht seiner Meinung nach hingegen keine Gefahr: "Die Geimpften werden mit der Delta-Variante keine Probleme haben", betonte der SPD-Politiker. Gegen die eingesetzten Impfstoffe komme diese Virusvariante nicht an. (dpa/nri)

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