Trotz Milliarden-Gewinn im ersten Halbjahr 2021

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing kündigt Preisanpassungen für die Kunden an

28. Juli 2021 - 12:04 Uhr

Im Video: Interview mit Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing

Gute Stimmung bei der Deutschen Bank: Seit 2015 war 2021 das erfolgreichste Halbjahr. Im Gespräch mit RTL/ntv erklärt Vorstands-Chef Christian Sewing, warum das Unternehmen wieder in der Erfolgsspur ist, wie die Deutsche Bank auf das BGH-Urteil zu den Bankgebühren reagiert und welche Alternative die Deutsche Bank zu Negativzinsen empfiehlt. Das Interview führt RTL-Bankenexpertin Sabrina Markgraf.

"Alle Banken werden mit ihren Kunden über zukünftige Preismodelle sprechen"

"Alle Geschäftsbereiche liegen im Plan oder über dem Plan. In allen vier Geschäftsbereichen stehen wir nahe bei dem Kunden", erklärt Sewing gegenüber RTL/ntv den Erfolg seines Unternehmens. Nach Steuern verdiente die Deutsche Bank im Zeitraum April bis Juni 828 Millionen Euro. Davon müssen noch Minderheitsanteile sowie Zinszahlungen für bestimmte Anleihen abgezogen werden, so dass auf die Deutsche-Bank-Aktionäre unter dem Strich ein Gewinn von 692 Millionen Euro entfiel. Ein Jahr stand unter dem Strich ein Minus von 77 Millionen Euro in der Zwischenbilanz. Im ersten Halbjahr 2021 stand damit ein Nettogewinn von 1,6 Milliarden Euro in den Büchern.

Im Privatkundengeschäft konnte die Deutsche Bank ihre Erträge um drei Prozent steigern, obwohl hier das Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) zu Bankgebühren negativ zu Buche schlug. Der BGH hatte Ende April entschieden, dass Banken bei Änderungen von Allgemeinen Geschäftsbedingungen die Zustimmung ihrer Kunden einholen müssen. Viele Gebührenerhöhungen sind deshalb vorerst ausgesetzt, Bankkunden können zudem einen Teil zu viel gezahlter Gebühren zurückfordern. Dafür legen etliche Banken Geld zurück.

"Wir werden das BGH-Urteil respektieren. Wir sind im Dialog mit den Kunden hinsichtlich der Ansprüche", so Sewing im RTL-Interview. Er erläutert auch gleich, wie die Deutsche Bank das BGH-Urteil umsetzt: Der Dialog bezieht sich nicht nur auf die Ansprüche, sondern auch auf die Preismodelle. Die Gebühren für "die Bankdienstleistungen in Deutschland sind sehr niedrig", ergänzt der Deutsche-Bank-Chef. "Alle Banken werden mit ihren Kunden über zukünftige Preismodelle sprechen." Für die Kunden wird das bedeuten: Höhere Bankgebühren akzeptieren oder Kreditinstitut wechseln.

Umbau bei der Deutschen Bank geht weiter

Unterdessen kommt Deutschlands größtes Geldhaus bei seinem Umbau inklusive des Abbaus Tausender Stellen weiter voran. 90 Prozent der mit 8,1 Milliarden Euro veranschlagten Umbaukosten sind nach Angaben des Instituts inzwischen verarbeitet. Die bereinigten Kosten ohne Umbaukosten sanken im Jahresvergleich um sechs Prozent auf 4,6 Milliarden Euro. Im gleichen Zeitraum baute der Dax-Konzern unter dem Strich gut 3000 Vollzeitstellen ab, so dass Ende Juni rechnerisch noch knapp 84.000 Vollzeitbeschäftigte bei der Bank arbeiteten.

"Nun kommt es darauf an, dass wir unseren Umbau diszipliniert fortsetzen", schrieb Sewing an die Mitarbeiter. "Wir müssen bei all den Kostenfaktoren am Ball bleiben, die wir selbst beeinflussen können." Jedoch will sich der Vorstand ab jetzt nicht mehr an einem festen Kostenziel orientieren, sondern am Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag. So sollen die Kosten des Konzerns bis zum Jahr 2022 auf 70 Prozent der Erträge sinken. Bisher hatte Sewing ein Kostenziel von 16,7 Milliarden Euro ausgegeben. Wenn der Bank nun zusätzliche Erträge winken, sollen auch die Kosten höher ausfallen dürfen. (dpa/aze)

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