Triage in Psychiatrien für Kinder & Jugendliche

"Wer nicht suizidgefährdet ist und 'nur' eine Depression hat, wird gar nicht mehr aufgenommen“

Immer mehr Jugendliche und Kinder leiden unter der Pandemie
Immer mehr Jugendliche und Kinder leiden unter der Pandemie
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18. Mai 2021 - 16:15 Uhr

Langzeitfolgen durch Corona: Mehr psychische Erkrankungen

Die Corona-Pandemie hat für viele Kinder und Jugendliche schlimme Folgen: "Es gibt psychiatrische Erkrankungen in einem Ausmaß, wie wir es noch nie erlebt haben. Die Kinder- und Jugendpsychiatrien sind voll, dort findet eine Triage statt. Wer nicht suizidgefährdet ist und 'nur' eine Depression hat, wird gar nicht mehr aufgenommen", so Jakob Maske, Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in der "Rheinischen Post". Daher werden Forderungen nach Öffnungen laut.

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Für eine normale Entwicklung der Kinder: Schulen und Kitas öffnen!

Bei einer Triage gibt es viel mehr Patienten, als behandelndes Personal da ist. Das heißt, einige Hilfsbedürftige müssen abgewiesen werden. Genau das wird bald in Psychiatrien passieren. Die Kinder- und Jugendärzte wollen den Zulauf zu den psychiatrischen Einrichtungen durch Öffnungen stoppen: "Schulen öffnen, Kitas öffnen - natürlich gemäß den geltenden Leitlinien und mit angemessenen Testungen. Jetzt ist es an der Zeit, das Ruder herumzureißen", sagt Jörg Dötsch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). Denn Schulen seien nicht nur ein Ort zum Lernen, sondern auch wichtig für den Austausch mit anderen Gleichaltrigen.

Neben den Schul- und Kitaschließungen, die soziale Einschneidenden mit sich bringen, sind auch die gesundheitlichen Folgen verheerend: "Wir sehen jetzt schon viele Kinder, die enorm an Gewicht zugenommen haben, wir sehen bei Jugendlichen viele psychiatrische Erkrankungen, Angststörungen, Zwangsstörungen und Essstörungen. Wir sehen Spielsucht, wir sehen, dass die Kinder deutlich mehr vor den Bildschirmen sitzen und es nicht für die Schule ist. Das sind beängstigende Entwicklungen, die nicht einfach wieder wegzubekommen sind", so Jakob Maske, Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

Aber nicht allen kann Hilfe angeboten werden. Die Triage ist so weit fortgeschritten, dass nur Kinder und Jugendliche behandelt werden, die gefährdet sind. Daher fordert Maske, dass die Schulen geöffnet werden müssen, um den Heranwachsenden ein normales soziales Leben zu ermöglichen und sie sich normal entwickeln können.

Kinder und Jugendliche in der Pandemie vernachlässigt

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) kritisierte die politische Vernachlässigung von Kindern und Jugendlichen während der Pandemie scharf: "Kinder und Jugendliche wurden in der Pandemie von Anfang an massiv vernachlässigt. In der ersten Phase waren die pauschalen Einschränkungen wie Schul- und Kitaschließungen noch nachvollziehbar. Aber inzwischen haben wir gelernt, dass Kinder die Infektion deutlich weniger weitertragen und selbst deutlich seltener erkranken als Erwachsene", sagte BVKJ-Sprecher Jakob Maske der "Rheinischen Post".

Auch Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) forderte von Bund und Ländern mehr Anstrengungen zugunsten der Schüler. "Die Lage der jungen Generation steht aus meiner Sicht gegenwärtig immer noch viel zu wenig im Mittelpunkt der Diskussion", sagte sie der "Bild". Das werde den Sorgen, die "wir uns machen sollten, nicht gerecht". Der Ausfall an Präsenzunterricht habe zu erheblichen Lernrückständen geführt.

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Präsenzunterricht ab Inzidenz von 50

Der Deutsche Lehrerverband hält eine Rückkehr zum vollständigen Präsenzunterricht ab einer Inzidenz von 50 für empfehlenswert. "Wir haben ja bereits jetzt nur noch wenige Landkreise oberhalb der 165er Inzidenz, die für reinen Distanzunterricht ausschlaggebend ist", sagte ihr Präsident Heinz-Peter Meidinger der Zeitung. Unterhalb der 100er Inzidenz könnten Länder vollständigen Präsenzunterricht anordnen.

"Unsere Auffassung ist allerdings, dass man sich bei vollständigem Präsenzunterricht ohne Abstandsregelung an der Empfehlung des RKI (Inzidenz 50) orientieren sollte, solange viele Lehrkräfte und fast alle Kinder noch nicht geimpft sind". Für das nächste Schuljahr zeigte sich Meidinger "recht optimistisch, dass da deutlich mehr Normalität in den Schulbetrieb zurückkehrt und bei fortschreitenden Impfungen die Inzidenzen niedrig gehalten werden können". (dpa/pdr)

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