Hilfe für betroffene Mütter

Trauma nach Kaiserschnitt: Wenn der Eingriff bei Mama Spuren hinterlässt

Ein Kaiserschnitt kann bei der Mutter auch im Nachhinein noch Spuren hinterlassen.
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04. Juni 2020 - 19:06 Uhr

Der Eingriff hinterlässt bei vielen Müttern Spuren

Sabrina "Mocki" Mockenhaupt und ihr Freund Kay könnten nicht glücklicher über die Geburt ihres Töchterchens Ruby sein. Doch der Tag, an dem die Kleine das Licht der Welt erblickte, lief nicht so reibungslos, wie die einstige "Let's Dance"-Teilnehmerin es sich erhofft hatte. Hier berichtet sie, wie sie bis zur letzten Sekunde verzweifelt dagegen ankämpfte, dass ihr Baby per Kaiserschnitt geholt werden musste. Und mit dieser Gefühlslage ist sie nicht allein. Bei vielen Müttern hinterlässt die Operation Spuren - sei es, weil sie während der Operation extreme Angst um ihr Kind hatten, weil sie ursprünglich natürlich gebären wollten oder weil sie ihr Neugeborenes nicht unmittelbar nach dem Kaiserschnitt im Arm halten dürfen. Wie Frauen ihr Trauma überwinden können und ob das Phänomen auch bei natürlichen Geburten vorkommen kann, hat uns Katharina Desery von "Mother Hood" erklärt.

Wodurch entsteht ein Trauma nach dem Kaiserschnitt?

Ungeplanter Kaiserschnitt

Die Ursachen für ein Trauma sind vielfältig: "Oft ist es so, dass die Frauen ursprünglich gar keinen Kaiserschnitt haben wollten. Sie kamen in den Kreißsaal mit dem Wunsch, ihr Kind auf natürlichem Weg zu gebären. Im Geburtsverlauf wurden sie dann aber zum Beispiel nicht gut betreut, weil gerade viele Geburten gleichzeitig stattgefunden haben und die Hebamme deshalb zu wenig Zeit für die einzelne Frau hatte. Ihnen wird zu wenig Zeit gegeben", so Desery. Druck, fehlende Erklärungen und die Nichterfüllung des Wunschs einer natürlichen Geburt führen zu negativen Assoziationen mit dem Geburtserlebnis.

Angst um das Kind

Auch die existenzielle Angst um das Kind könne ein Trauma hervorrufen - ein Absacken der Herztöne und Hektik im Kreißsaal kombiniert mit fehlender Kommunikation könne beispielsweise zur Folge haben, dass sich die werdende Mutter nicht beachtet fühle und nur wenig über die Situation erklärt bekomme.

Fehlendes Bonding nach der Geburt

"Begünstigt wird dieses Gefühl auch dadurch, dass die Frauen ihr Neugeborenes nur ganz kurz oder sogar gar nicht sehen können. Deshalb ist das sogenannte Bonding so unglaublich wichtig, auch nach einer Kaiserschnittgeburt", sagt Desery. Bonding bedeutet, dass das Neugeborene der Mutter nach der Geburt auf die Brust gelegt wird. Dabei schüttet der Körper der Mutter besonders viel Oxytocin aus. Das Hormon sorgt dafür, dass Mutter und Baby sich entspannen und sich einander zuwenden. Gleichzeitig fördert es das Stillen, indem es die Milchproduktion anregt.

Stigmatisierung

"Ein Kaiserschnitt ist keine richtige Geburt!" "Der schreit jetzt so, weil der den Geburtsschock nicht überwunden hat. Kein Wunder, wo er doch so in die Welt gerissen wurde!" Aussagen wie diese müssen sich Mütter nach geplanten oder ungeplanten Kaiserschnitten immer wieder anhören. RTL-Redakteurin Britta Dorn berichtet hier von der Kaiserschnitt-Geburt ihres Sohns, die sie mehr genossen hat, als sie es sich hätte vorstellen können - wenn da nicht die verächtlichen und bissigen Kommentare der anderen Frauen gewesen wären. Sie sagt: "Ich bin traumatisiert, durch ein Stigma, das mir auferlegt wurde. Von anderen Müttern."

Betrifft das Phänomen auch natürliche Geburten?

Desery betont, dass Traumata nach einer Geburt nicht nur Kaiserschnitte betreffen: "Gebärende empfinden zum Beispiel das sogenannte Kristellern, also das gewaltsame Herausdrücken des Babys durch Hebamme oder Arzt/Ärztin, als sehr schmerzhaft und traumatisierend. Auch unangekündigte Dammschnitte ohne Einverständnis der Frau sowie eine wenig sensible Kommunikation mit der Gebärenden - was alles eine Form von Gewalt darstellt - begünstigen ein Geburtstrauma."

Auch Hebamme Anja Lehnertz und Geburtsmediziner Prof. Dr. Michael Abou-Dakn kritisieren die Zustände, unter denen Frauen in deutschen Krankenhäusern ihre Kinder zur Welt bringen müssen. Hier erklären Sie, was unbedingt verbessert werden muss!

Wie kann traumatisierten Müttern geholfen werden?

Manchen Betroffenen hilft Zeit. Sobald der erste Schock überstanden ist, werden die negativen Erinnerungen an die Geburt von den mütterlichen Glücksgefühlen überschattet. Hält das Trauma an, kann der Austausch mit Gleichgesinnten, Familienmitgliedern oder einer Fachperson, wie eine vertraute Hebamme, helfen. Eine erste Orientierung können auch Selbsthilfegruppen bzw. Gesprächskreise oder die Angebote von Familienberatungsstellen bieten.

Ist die Krisensituation für Mutter und Kind, oder sogar für die ganze Familie, sehr ernst, rät Desery zu therapeutischer, psychotherapeutischer oder sogar psychiatrischer Hilfe. Dabei bieten folgende Netzwerke Unterstützung: