Kangal-Welpe war infiziert

Tollwut-Verdacht bei Hund in Bremen bestätigt: Was passiert jetzt?

Ein Kangal-Welpe soll möglicherweise illegal aus der Türkei nach Bremen gebracht worden sein. Hier starb er in einer Tierklinik. (Symbolbild)
Ein Kangal-Welpe soll möglicherweise illegal aus der Türkei nach Bremen gebracht worden sein. Hier starb er in einer Tierklinik. (Symbolbild)
© Pixabay

16. September 2021 - 15:07 Uhr

Junger Hund ist in Tierklinik gestorben

Seit 13 Jahren gilt Deutschland als Tollwut-frei, doch nun hat ein Welpe das Virus mit nach Bremen gebracht. Der junge Hund soll Anfang September aus der Türkei möglicherweise illegal von seinen Besitzern eingeführt worden sein und war vergangene Woche Freitag in einer niedersächsischen Tierklinik gestorben. Ein Schnelltest hat bereits am gleichen Tag eine Infektion mit Tollwut erkannt, ein zweiter Labortest bestätigt den Verdacht nun. Damit ist der Tollwutfall amtlich festgestellt, wie die Gesundheitsbehörde am Donnerstag mitteilt.

Hat es eine Übertragung gegeben?

Andere Tiere soll der Welpe laut Bremer Gesundheitsbehörde nicht angesteckt haben können. Jedoch ist unklar, ob sich möglicherweise seine Besitzer oder Mitarbeiter von Tierarztpraxen infiziert haben könnten. Tollwut ist eine Zoonose, kann also vom Tier auf den Menschen übertragen werden. Der Mensch kann sich mit Tollwut anstecken, wenn er beispielsweise von einem infizierten Hund gebissen wird, dabei ist der Speichel der Überträger. Auch "Küsse" des Hundes können Tollwut übertragen. "Bislang liegen keine positiven Tollwut-Befunde bei Kontaktpersonen vor. Wir können nicht ausschließen, dass es auch Ansteckungen im engen Umfeld des Welpen gab", so Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke). Das Gesundheitsamt hat elf enge Kontaktpersonen in Bremen ermittelt. Hinzu kommen Mitarbeiter der Tierklinik Posthausen, in der der Welpe zuletzt behandelt wurde.

Bremen bereitet sich vor

Die Gesundheitsbehörde nimmt den Fall ernst und richtet Krisenteams ein, auch die Kliniken wurden über die mögliche Infektion informiert. "Außerdem wird ein Kompetenzteam mit Expertinnen und Experten in Bremen einberufen, um das weitere Vorgehen innerhalb Bremens abzustimmen", heißt es seitens der Gesundheitsbehörde. Man wolle mögliche Erkrankungen früh erkennen und behandeln. "Wichtig ist aber, dass das Tollwutvirus zwar ansteckend ist, aber nur schwer von Mensch zu Mensch übertragen wird. Eine Gefährdung außerhalb des engen Umfelds des Welpen besteht dementsprechend nicht", so Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard.

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Tierklinik: "Gefährdung von Menschen- und Tierleben billigend in Kauf genommen"

Die Tierklinik in Posthausen, in der laut eigener Aussage die Tollwut-Infektion aufgetreten ist, klärt auf Facebook über den Fall auf. In dem langen Post äußert sich die Klinikleitung verärgert über die Besitzer: "Uns wurde diese Woche ein kranker Kangal-Welpe vorgestellt, der zwar aus gut gemeinten Gründen, aber völlig gedankenlos aus der Türkei nach Deutschland gebracht wurde." Durch diesen "gedankenlosen Import" sei die "Gefährdung von Menschen- und Tierleben billigend in Kauf genommen" worden.

Rund 30 Mitarbeiter seien noch in der Nacht nach der Entdeckung der Infektion notgeimpft worden, es würden noch Nachimpfungen folgen und auch Mitarbeiter in Krankenhäusern behandelt werden. "Wir können aber hoffen, dass niemand mehr von uns in Lebensgefahr schwebt", heißt es weiter. Mit dem Post will die Tierklinik für das Thema sensibilisieren.

Diese Maßnahmen müssen bei Tollwutverdacht ergriffen werden

Es gibt eine Impfung gegen Tollwut, die aber laut Robert Koch-Institut (RKI) nur für Menschen empfohlen wird, die mit Fledermäusen arbeiten. Eine Tollwutimpfung beim Hund ist nicht vorgeschrieben, wird aber empfohlen. Bei Reisen innerhalb der EU muss sie allerdings beim Vierbeiner nachgewiesen werden können.

Wird ein Mensch von einem Tier mit Tollwutverdacht gebissen, soll laut RKI die Wunde sofort ausgewaschen werden. Auch sollte eine nachträgliche Impfung erfolgen. Im Idealfall könne so eine Schutzwirkung von 100 Prozent erreicht werden. (mba)