Fleisch-Verarbeiter verdeutlicht Kosten-Explosion

Brandbrief von Tönnies: Schon Ostern könnte Fleisch knapp werden!

HANDOUT - 17.07.2020, Nordrhein-Westfalen, Rheda-Wiedenbrück: Das von der Firma Tönnies zur Verfügung gestellte Foto zeigt Mitarbeiter, die an ihren Arbeitsplätzen von Plexiglasscheiben voneinander getrennt von Tönnies geschlachtete Schweine im Stamm
Fleisch-Verarbeiter Tönnies warnt vor einer massiven Verknappung von Fleischwaren.
mg abl, dpa, Tönnies

Die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine werden immer greifbarer. In einem Brandbrief wendet sich der Tönnies-Geschäftsführer laut RTL-Informationen an die Lebensmittel-Einzelhändler. Grund dafür: Die Kosten seien so extrem gestiegen, dass eine Versorgung des deutschen Marktes mit Fleisch schon an Ostern nicht mehr möglich sein könnte.

Ostern ohne Rinderbraten? Laut Tönnies sei das wahrscheinlich

In einem Brandbrief, der RTL vorliegt, richtet sich Fleisch-Verarbeiter Tönnies an die Lebensmittelbranche. Durch den Krieg in der Ukraine breche einer der größten Tierfuttermittel-Lieferanten weg, schreiben die Tönnies-Geschäftsführer Peter Strunz und Jörg Engel. Auf den drei Seiten beschreiben sie eindringlich, welche dramatischen Folgen der Krieg in der Ukraine auf die deutsche Fleisch-Industrie habe.

„Im Rindfleisch werden uns beispielsweise bis Ostern die Schlachttiere ausgehen, die nur mit
enormen finanziellen Mehraufwand an uns gebunden werden können“, so Strunz und Engel. Heißt konkret: Die Lieferketten seien unterbrochen. Dadurch kämen Rohstoffe entweder nicht an, oder die Kosten für die Aufzucht und Schlachtung der Tiere seien so gestiegen, dass die Fleisch-Produktion für die betroffenen Betriebe nicht mehr rentabel sei – so auch für Tönnies. Strunz schreibt unter anderem von einer „Explosion der Futtermittelkosten“ und einer „massive[n] Störung sämtlicher bestehender Geschäftsgrundlagen“.

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Laut Tönnies ist jetzt Schluss mit Billig-Fleisch

Konkret betroffen sind diese Fleisch-Produkte:

  • Geflügelfleisch: Laut Tönnies bricht mit der Ukraine ein großer Hähnchenbrustfilets-Lieferant weg. Außerdem falle durch den Krieg einer der größten Tierfutterlieferanten weg.
  • Rindfleisch: Allein in dieser Woche sei der Rindfleischpreis pro Kilogramm um 0,10 Euro auf ein Allzeithoch von 4,50 Euro gestiegen, berichtet Tönnies. Eine Versorgung sei in den kommenden Wochen nicht mehr sicherzustellen, da es schlicht kein Schlachtvieh gebe
  • Schweinefleisch: Binnen nur vier Wochen sei der Preis pro Kilogramm von 1,20 Euro auf 1,75 Euro gestiegen – Tendenz steigend. Der gestiegene Grundpreis wirke sich auf zahlreiche Wurstwaren aus.
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Werden Fleisch und Wurst für Verbraucher jetzt teurer?

„Wir bitten aus diesem Grund in aller Dringlichkeit darum jetzt einen partnerschaftlichen Abschluss über Preisänderungen für alle Rohstoffarten (Schwein, Rind, Geflügel, konventionell wie Bio) zu
erreichen“, schreibt Tönnies-Geschäftsführer Peter Strunz. Das sei wichtig, „um die Zukunft des Unternehmens zu schützen.“

Sollten die Lebensmittel-Händler dem Wunsch nach kommen, würden die Kosten für Fleisch- und Wurstwaren schon ab kommender Woche deutlich steigen. (lra)