Exklusives Interview nach Corona-Chaos in seinen Betrieben

Wenig Einsicht: Clemens Tönnies sieht sich als "Sündenbock"

30. Dezember 2020 - 18:54 Uhr

Millardenschwerer Unternehmer und Europas mächtigster Schlachter

Infektionen ohne Ende, Arbeiter in schlimmen Behausungen, ein Landkreis im Lockdown. Und immer wieder ein Name: Clemens Tönnies, Europas größter Fleischmogul!

Der Metzger-Sohn aus Rheda-Wiedenbrück ist milliardenschwerer Unternehmer, Europas mächtigster Schlachter, war bis Juni 2020 Schalke-Boss und ist spätestens mit der zeitweiligen Schließung seines Unternehmens zum Buhmann der Nation geworden. Jetzt greift Clemens Tönnies an! RTL-Reporter Ulrich Klose hat ihn zum Interview getroffen. Ausschnitte des Interviews sehen Sie im Video.

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"Das hat mir sehr weh getan, weil wir uns immer als ehrbare Handwerker sehen"

Nachdem rund 1.400 Corona-Infizierte in der Tönnies-Belegschaft nachgewiesen worden waren, stoppten die Behörden Mitte Juni die Produktion in dem Werk im nordrhein-westfälischen Kreis Gütersloh. Und nicht nur das: Auch den Kreis Gütersloh versetzte der Corona-Ausbruch im Schlachthof in einen zeitweiligen erneuten Lockdown. Und hat damit so kurz vor den Sommerferien manchem Gütersloher unter anderem den Urlaub verhagelt. Clemens Tönnies spricht von einem "Unfall". "Dieser Unfall hat mich in die Öffentlichkeit gezerrt und das Unternehmen und mich viel stärker als Sie sagen zum Sündenbock gemacht. Das hat mir sehr weh getan, weil wir uns immer als ehrbare Kaufleute, als ehrbare Handwerker sehen," sagt Tönnies im RTL-Interview. Die Folge sind auch Morddrohungen gegen ihn und seine Familie. "Das ist nicht witzig, wenn man vermummte, völlig aus dem Häuschen befindliche Menschen vor der Tür sieht, die dann schreien: 'Aufhängen, Kopf runter, enteignen' – da wurde es mir bange."

Kritik an seiner Person, an seinem Führungsstil, an der ihm nachgesagten Profitgier wiegelt Tönnies im Interview als "nichtbelegte Verbalattacken" ab. Auf die Wohnverhältnisse seiner Arbeiter angesprochen, verweist der Fleisch-Boss auf eine Fach-Abteilung, die für Besserung sorgen soll. "Ich sage nicht, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Wohnungen leben, in denen nicht, sagen wir mal, Mängel sind. Wir sind bemüht oder wir waren bemüht, diese Mängel abzustellen".

Video: Team Wallraff deckt unglaubliche Zustände bei Tönnies auf

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Werksarbeiter ab 1. Januar im Tönnies-Konzern angestellt

Zieht der ostwestfälische Manager aus diesem Krisenjahr Lehren für die Zukunft? "Dass wir 'Hab acht' geben müssen miteinander, die ganze Gesellschaft, aber auch wir in der Verantwortung für unsere Leute, dass uns das nicht wieder passiert."

Die Werks-Arbeiter werden übrigens ab dem 1. Januar im Tönnies-Konzern angestellt sein, die Bundesregierung hat ein entsprechendes Gesetz verabschiedet. Schlachten und Zerlegen darf dann nur noch das eigene Stammpersonal.

Das komplette Interview ist im RTL Nachtjournal Spezial: "Coronakrise – Fleischfabrikant Clemens Tönnies bezieht Stellung" in der Nacht auf den 31.12. ab 00.45 Uhr zu sehen.

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