Unfall bei Formel-2-Rennen

Tödlicher Crash von Anthoine Hubert: FIA legt Abschlussbericht vor

Formel 2 - Unfall beim Großen Preis von Belgien
© dpa, Remko De Waal, jelle wal tba

8. Februar 2020 - 15:11 Uhr

FIA veröffentlicht detaillierte Unfallanalyse

Der internationale Automobilverband FIA hat seinen Abschlussbericht zum tödlichen Unfall von Formel-2-Fahrer Anthoine Hubert vorgestellt. Der Franzose war am 31. August 2019 beim Rennen der Nachwuchserie in Spa (Belgien) nach einem schweren Crash mit Juan Manuel Correa gestorben. Die Unfalluntersuchung der FIA klärt die Details des Unglücks. Für ihren Bericht führten die Ermittler Interviews mit allen Beteiligten, werteten die Kräfte aus, die bei dem Unfall wirkten, analysierten das vorhandene Videomaterial und interpretierten unzählige Daten.

Das Protokoll der Tragödie

In den Unfall waren vier Fahrer entscheidend verwickelt: Anthoine Hubert, Juan Manuel Correa, Giuliano Alesi und Ralph Boschung. Der FIA-Bericht zeichnet den Unfallhergang minutiös nach. Die Tragödie lässt sich grob in zwei Phasen unterteilen.

Phase 1: Hubert kommt von der Strecke ab

In der zweiten Runde des Rennes in Spa verlor der Franzose Giuliano Alesi in der weltbekannten Eau Rouge (Kurve 3) aufgrund eines starken Druckabfalls im rechten Hinterreifen die Kontrolle über seinen Boliden. Er krachte in die in die linke Bande, wodurch diverse Trümmerteile auf die Strecke flogen. Um nicht in die Trümmer oder in Alesi zu fahren, musste Boschung, der hinter Alesi und direkt vor Hubert fuhr, stark abbremsen. Hubert blieb dadurch nur ein Ausweichmanöver nach rechts übrig.

Dabei touchierte der 22-Jährige das Heck von Boschung, sein Frontflügel ging dabei kaputt. Bei einer Geschwindigkeit von 262 km/h wurde sein Formel-2-Rennwagen unbeherrschbar. Mit 213 km/h knallte Hubert in die Reifenstapel von Kurve 4 – schon dabei wirkten G-Kräfte von lebensbedrohlichen 33,7 g.

Der Einschlag katapultierte ihn auf eine schmale Auslaufzone zwischen Strecke und Reifenstapel – Hubert stand dadurch quer zur Fahrtrichtung mitten in der Auslaufzone.

Phase 2: Correa prallt in Hubert

In der Zwischenzeit näherte sich der zweite Unfallfahrer Juan Manuel Correa dem Unfallort. Der Amerikaner raste in die herumliegenden Trümmer des Alesi-Autos. Sein Frontflügel wurde dabei zerstört, wodurch sein Auto nach rechts zog, genau in Richtung der Auslaufzone von Kurve 4, in der Hubert befand – die Kollision unausweichlich.

Correa traf Hubert mit weit über 200 km/h genau in der Mitte des Fahrzeugs - ein sogenannter T-Bone-Crash. Während der Kollision wirkten bis zu 81,8 g auf die Fahrer ein. Bei einer 75 Kilogramm schweren Person wären das rund 6.135 Kilo. Huberts Auto, wurde durch den Aufprall auf über 100 km/h beschleunigt und schlug erneut in eine Seitenbande ein.

Kein Fahrer trägt Schuld

Die FIA kommt in ihrer Untersuchung im Wesentlichen zu folgenden Schlüssen:

  • Eine Kette unglücklicher Ereignisse führte zu einer komplexen Crash-Serie.
  • Die Energie des Aufpralls zwischen Correa und Hubert war so immens, dass Hubert keine Überlebenschance hatte und Correa nur mit sehr viel Glück überlebte.
  • Es gibt keine Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten einer der Fahrer.
  • Die Reaktion der Streckenposten war rechtzeitig, angemessen und gut.

So kämpft sich Juan Manuel Correa ins Leben zurück