Eine Trauerberaterin gibt Tipps

Tod von Prinz Philip: Wie verarbeitet man den Verlust des langjährigen Ehepartners?

09. April 2021 - 22:18 Uhr

Nach 73 Ehejahren: Prinz Philip stirbt im Alter von 99

Große Trauer im britischen Königshaus: Prinz Philip, der Ehemann von Queen Elizabeth II. (94), ist tot. Der Duke of Edinburgh starb im Alter von 99 Jahren, nachdem er nach einem Herz-Eingriff nach mehreren Wochen im Krankenhaus endlich wieder zu Hause war. Im November 2020 feierten Prinz Philip und Queen Elizabeth II., die sich am 20. November 1947 in London das Ja-Wort gaben, noch ihren 73. Hochzeitstag. Den Ehepartner nach vielen gemeinsamen Jahrzehnten zu verlieren – das muss unvorstellbar schwierig sein. Wie man mit der Trauer um den langjährigen Lebenspartner umgeht, darüber haben wir mit der Lebens- und Trauer-Coachin Christine Kempkes gesprochen.

Was macht das mit Menschen, wenn sie – so wie jetzt Queen Elizabeth II - einen Ehepartner nach vielen gemeinsamen Jahren verlieren?

Christine Kempkes, Trauer-Coachin:

"Eine Klientin sagte nach 40 Jahren Ehe einmal, sie fühle sich wie amputiert; da fehle der Arm, der sie hält, der sie umarmen und an dem sie sich abstützen konnte. Es entsteht also eine Leere, mit der Angehörige nach so vielen Jahren oft große Schwierigkeiten haben. Gerade dann, wenn die Partnerschaft sehr innig war und das gemeinsame Leben voll und ganz aufeinander abgestimmt war. Und ganz praktisch: da ist die Wohnung still und leer, niemand freut sich beim Nachhausekommen, das Erlebte kann nicht mehr beim gemütlichen Abendessen geteilt werden, jede Entscheidung muss ab sofort allein abgewogen und getroffen werden und vieles mehr."

Im Video: 73. und letzter gemeinsamer Hochzeitstag von Queen und Prinz Philip

Was hilft bei der Trauerbewältigung? Was hilft dabei, positiv in die Zukunft zu blicken?

Christine Kempkes, Autorin von "Mit der Trauer Leben lernen":

"In der allerersten Zeit unmittelbar nach dem Tod hilft es, den Abschied möglichst bewusst und intensiv mit zu gestalten. Dabei ist es nach meiner Erfahrung als Bestatterin und auch als Trauerbegleiterin heilsam, sich für die Beerdigung nicht alles abnehmen zu lassen, sondern selbst ins Tun zu kommen: nochmal am offenen Sarg zu sitzen, persönliche Gegenstände hineinzulegen und den Sarg selbst zu schließen. Für die Traueranzeige persönliche Worte auszusuchen, die Musik für die Trauerfeier sehr individuell auszuwählen, ein intensives Vorgespräch mit dem Geistlichen oder freien Redner:in zu führen, damit persönliche Erinnerungen in die Abschiedsfeier einfließen können.

Für die weitere Verarbeitung des Verlusts ist es entscheidend, die Trauer wirklich zuzulassen. Sie ist das Gefühl, das wir brauchen, um einen Verlust zu verarbeiten. Sie können sich die Trauer wie einen Handwerker vorstellen, der seinen Job erledigt: bei einem Wasserrohrbruch holen wir den Installateur, für den Hausbau den Maurer und nach einem Verlust kommt die Trauer. Trauer an sich ist keine Krankheit, aber nicht gelebte Trauer kann durchaus krank machen. Dabei ist die Trauer so individuell, wie wir Menschen alle unterschiedlich sind. Der eine braucht sehr viel Ruhe und zieht sich eher zurück, die andere sucht das Gespräch und den Kontakt zu Menschen, und der dritte verarbeitet mit Ritualen, wie beispielsweise die regelmäßige Grabpflege. Allen gemein ist, dass Trauer nichts anderes ist, als die Kehrseite der Liebe – und so geht es darum, dem geliebten Menschen einen neuen Platz im Leben einzuräumen und eine neue Form der Verbundenheit zu spüren."

Wie hilft man als Angehöriger oder Nahestehender am besten?

Christine Kempkes, Trauer-Coachin:

"Das Wichtigste: zuhören und da sein. Und zwar nicht nur in den ersten Wochen, sondern über Monate und manchmal Jahre. Es gibt keine Zeitmessung, bis wann jemand im Leben zurück sein sollte; leider meint das Umfeld jedoch sehr oft, diesen Zeitpunkt ermessen zu können. Hilfreich ist auch ganz konkrete Unterstützung: ein gekochtes Essen vorbeibringen oder gemeinsam kochen, Einkäufe mitbringen, bei Behördengängen begleiten und so weiter.

Zudem: den verstorbenen Menschen nicht in Vergessenheit geraten lassen. Angehörige freuen sich, wenn sie auch zum dritten Todestag noch angerufen werden, wenn der Geburtstag auch weiterhin ein Anlass für ein Zusammenkommen ist und in Gesprächen das Thema nicht gewechselt wird, sobald der Name des Verstorbenen fällt. Auch im Freundeskreis soll und darf der Verstorbene weiterhin einen Platz haben!"

Die Liebesgeschichte von Prinz Philip und Queen Elizabeth auf TVNOW

Prinz Philip und Queen Elizabeth II. machten ihre Liebe im Juli 1947 öffentlich, nachdem lange über eine Liaison zwischen dem damaligen Marineoffizier und der Prinzessin spekuliert wurde. Wenn Sie mehr über die Anfänge ihrer besonderen Liebesgeschichte erfahren wollen, schauen Sie in die TVNOW-Dokumentationsreihe "Flashback – Royal Romance", bei der sich in Folge 20 alles um das Monarchen-Paar dreht. Die Traumhochzeit im November 1947 gibt es in Folge 18 zu sehen.

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