„Wäre am liebsten über den Tisch gesprungen“Bestatter verwehrt Nicole (35) Abschied von ihrer toten Mutter – ist das erlaubt?

von Verena Jendges, Jörg Schreyer und Fabian Klein

„Für mich ist es sehr, sehr schlimm!“
Völlig unerwartet verliert Nicole Kleinleins Mutter von einem Tag auf den nächsten ihr Leben. Ihr letzter Besuch bei der 60-Jährigen ist bereits einige Zeit her – umso wichtig ist es Nicole, ihre geliebte Mama noch einmal vor der Beerdigung zu sehen. Doch genau das soll der Bestatter verhindert haben!

Nicole kann sich nicht mehr von ihrer Mutter verabschieden

Voller Schmerz und Trauer sucht Nicole Kleinlein ein lokales Bestattungsunternehmen auf, hofft auf mitfühlende Beratung in der so schwierigen Zeit. Sofort stellt sie klar: Ich möchte mich am offenen Sarg von meiner Mutter Elvira verabschieden. „Es wurde uns regelrecht verboten”, erinnert sie sich im RTL-Interview an das Gespräch mit dem Bestatter. Dieser habe das „nicht mehr verantworten” können. Der Zustand der Toten lasse das nicht zu.

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Nicole Kleinlein konnte sich nicht mehr von ihrer Mutter verabschieden.
Nicole Kleinlein konnte sich nicht mehr von ihrer Mutter verabschieden.
RTL

So schmerzhaft diese Erkenntnis auch ist, die 35-Jährige akzeptiert die Entscheidung – bittet aber um einen anderen Weg, ihrer Mutter gebührend zu gedenken. Sie möchte zum Zeitpunkt ihrer Einäscherung eine Kerze anzünden. Doch auch dieser Wunsch wird ihr nicht erfüllt, Elvira wird ohne Nachricht an ihre Tochter verbrannt.

„In dem Moment wäre ich am liebsten über den Tisch gesprungen. Ich habe gedacht, das kann nicht wahr sein. Ich war so unter Schock!” Erneut habe der Bestatter keine wirkliche Erklärung vorweisen können, lässt Nicole wütend und trauernd zurück.

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Experte teilt Tipps für Trauernde

Normalerweise liege das Recht, die Toten vor der Beerdigung zu sehen, bei den Angehörigen, bestätigt Alexander Helbach vom Bestattungs-Förderverein Aeternitas bei RTL. „Aber es ist bekannt, dass manche Bestatter dazu neigen, sehr vorschnell zu sagen: ‚Gucken sie besser nicht mehr‘ und dann die Möglichkeit gar nicht mehr einräumen.” Häufig würden Bestatter die zusätzliche Zeit oder den Aufwand, den Leichnam vor dem letzten Besuch zurechtzumachen, scheuen.

Alexander Helbach erklärt, worauf Trauernde beim Gespräch mit dem Bestatter achten sollen.
Alexander Helbach erklärt, worauf Trauernde beim Gespräch mit dem Bestatter achten sollen.
RTL

Doch wie können solche Situationen verhindert werden? Es sei „hilfreich” bei dem Gespräch mit dem Bestatter und bei der Planung der Beerdigung jemanden dabei zu haben, „der von der Trauer nicht ganz so betroffen ist”, erklärt Helbach. Man solle immer die Frage im Kopf behalten: „Was ist uns als Familie wichtig, was war dem Verstorbenen wichtig?“

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Auf RTL-Anfrage reagiert der Bestatter nicht. Nicole wundert das nicht, auch wenn sie weiterhin auf eine Entschuldigung hofft. Auch weil ihr der für sie so wichtige Abschied verwehrt bleibt, appelliert sie an Trauernde, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, sich Zeit bei der Vorbereitung zu lassen. „Es kann von einer Sekunde auf die andere vorbei sein“, erklärt sie. „Und dann steht man da und denkt, man muss alles schnell schnell machen, was eigentlich gar nicht der Fall ist.“

Verwendete Quelle: eigene RTL-Recherche