Fühlen statt Sehen: Im AURA-Hotel zählt nicht der Ausblick

So unbeschwert kann der Urlaub für Sehbehinderte am Timmendorfer Strand sein

05. August 2021 - 17:30 Uhr

Ein Hotel extra für Blinde und Sehbehinderte

Für ihn ist alles verschwommen – das Meer und den Horizont erkennt er nur mit Hilfe eines Fernglases. Bernd Peters ist stark sehbehindert. Seit seiner Geburt besitzt er nur 15 Prozent seiner Sehkraft. Er weiß: Es ist nicht selbstverständlich, dass er mit seiner Frau, die selbst fast blind ist, unbeschwert und leicht Urlaub machen kann. Ein spezielles Hotel am Timmendorfer Strand macht es dennoch möglich.

Wie der 57-Jährige und seine Frau den Urlaub ganz ohne Hindernisse genießen können, sehen Sie im Video.

Ein Hotel für Blinde

Das AURA-Hotel am Timmendorfer Strand
Orientierungshilfen wie dieser 3D-Hotelplan findet man überall im Hotel.
© RTL (Kommunikation)

Das AURA-Hotel am Timmendorfer Strand ist eines von 5 Hotels in Deutschland, das extra auf blinde und sehbehinderte Menschen ausgerichtet ist. Finanziert wird es zu 100 Prozent vom Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg. Die Umsetzung von Orientierungshilfen ist hier zwar selbstverständlich aber dennoch sei dies oft ein schmaler Grad, wie der Hoteldirektor Michael Nehm weiß. Man müsse "eben auch eine Art finden, dass der Gast nicht das Gefühl hat, die Hilfe wird ihm aufgedrängt. Wenn er die Hilfe haben will, kann er sie haben. Er will sich ja auch alleine zurecht finden. Und diese Mischung herauszufinden, ist eben eine interessante Herausforderung."

"Ich bekomme Gänsehaut (...), weil ich mich so freue"

Bernd Peters ist starksehbehindert
Bernd Peters und seine Ehefrau orientieren sich am Strand an den Wellen.
© RTL

Reisen und Urlaube, wo sich sehbehinderte Menschen schnell orientieren können, gebe es kaum, weiß Bernd Peters aus Erfahrung. Umso mehr freut er sich, dass er am Timmendorfer Strand ganz unbeschwert die Zeit genießen kann. "Wir sind schon froh, dass es solche Häuser gibt. Weil man hier entspannt Urlaub machen kann. Sie merken es vielleicht, ich bekomme gleich Gänsehaut an den Armen, weil ich mich so darüber freue", erzählt Bernd Peters der RTL Nord-Reporterin.

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Strandspaziergang an der Wasserkante

Am Meer darf ein Strandspaziergang natürlich nicht fehlen. Für die Peters kommt es hier nicht auf den Meerblick an: "Das Hören, wie die Wellen hier anschlagen an der Wasserkante, das ist eine ganz wunderbare Empfindung. Diese ganz leichte Brise. Der Duft der Luft", schwärmt der 57-Jährige während er entspannt an der Wasserkante schlendert. Auf die Frage, ob er keine Angst habe, nasse Füße zu bekommen antwortet er erstaunt: "Man hört die Kante. Man kann dann mit den Schuhen gefahrlos an der Wasserkante entlanglaufen." (fst/vfr)