Bei Experten nachgefragt

Tierarzt-Kosten explodieren! Wie Halter den Teuer-Schock umgehen können

Eine Katze schaut in die Kamera mit Geldscheinen im Mund
Tierärzte ziehen Preise an - wie Sie den Teuer-Schock umgehen
iStockphoto

von Emily Geisler

Tierheime in Deutschland kommen schon länger an ihre Grenzen, Aufnahmestopps sind längst keine Seltenheit mehr. Auffällig ist dabei, dass viele Tierhalter ihre kranken Tiere abgeben, der traurige Grund: Sie können die hohen Summen für die Behandlungen und Medikamente nicht mehr stemmen. Erleichterung ist nicht in Sicht, ab Oktober sollen die Kosten weiter steigen. Wie lässt sich der Teuer-Schock für Haustier-Besitzer vermeiden? RTL fragte bei Experten nach.

Neufassung der Tierärztegebührenordnung lässt Preise steigen

In der Corona-Pandemie haben sich viele Menschen ein Haustier zugelegt – um eine Ablenkung im Lockdown zu haben oder um den Kindern eine Freude zu machen. Klassische Impulskäufe, weiß die Leiterin des Bereichs Tierschutz bei Tasso e.V., Heike Weber. Sie ist mittlerweile nicht allein mit der Befürchtung, dass die Tierheime in Deutschland die zunehmende Abgabe von Haustieren nicht mehr stemmen können. Im Gespräch mit RTL sagt sie: „Wir bekommen mit, dass die Abgabewelle enorm ist. Ich kann gar nicht mehr sagen, dass Tierheime fast zusammenbrechen, sondern – sie brechen zusammen!“

Der Grund für den Anstieg: Inflation und die Energiepreise-Explosion, auch die Tierarztkosten sind betroffen: Entsprechende Leistungen werden in Deutschland ab Oktober teurer, das Bundeskabinett hat bereits am 10. August der Neufassung der Tierärztegebührenordnung zugestimmt. Die Konsequenzen sind schon jetzt absehbar, vor allem Vierbeiner landen auf der Straße. Längst haben sich Begriffe wie „Corona-Hunde“ oder „Corona-Katzen“ etabliert.

Lese-Tipp: Kranker Kater Kurti wegen Tierarztrechnung abgegeben

Ratenzahlung beim Tierarzt? Auch das geht!

Ratenzahlungen in Tierheimen oder beim Tierarzt sind nicht gerne gesehen und werden deswegen oft gar nicht erst angeboten. Unter den Mitarbeitern der medipay GmbH in Siegburg sind viele Tierhalter – Grund dafür, warum die auf Gesundheitsfinanzierung spezialisierte Firma Tierhaltern die Chance gibt, bei der medizinischen Versorgung ihrer Liebsten nicht in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten. Sie bietet auch bei Haustieren eine Ratenzahlung ab einer Mindestfinanzierungssumme von 250 Euro an.

„Warum das nicht mehr Menschen machen? Das verstehe ich auch nicht“, sagt Jörg Heinen, Geschäftsführer von medipay, im Gespräch mit RTL. Für das Unternehmen rentiert sich das Angebot nicht wirklich, dennoch wollen die Mitarbeiter aus eigener Tierhaltersicht die Möglichkeit der Ratenzahlung anbieten. Schließlich profitiere auch der Tierarzt, wenn der Halter eine positive Bonität und keinen negativen Schufa-Eintrag habe. Dadurch sei die reibungslose Finanzierung gesichert. Um die Rechnung in Raten zahlen zu können, sollten folgende Kriterien erfüllt sein, erklärt Heinen: „Grundsätzlich muss immer ein regelmäßiges Einkommen da sein, also eine Berufstätigkeit oder Rente, und wenn das nicht geht, dann muss es wenigstens einen Mitantragssteller geben.“

Das Unternehmen bietet auch einen Schnellservice für den Fall an, dass der jeweilige Tierarzt noch kein Partner des Unternehmens ist. Bei sehr dringenden Angelegenheiten lässt sich so ein Antrag über das Smartphone stellen. Der werde in der Regel vorgezogen und schnellstmöglich bearbeitet, so Heinen. Trotzdem appelliert der Geschäftsführer an die Halter, immer eine Versicherung für das eigene Tier abzuschließen.

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Senioren bezahlen nichts für die Behandlung - Modell für ganz Deutschland?

In Bonn wird ein Modell angeboten, das vor allem Senioren zugutekommt: das Tierarztmobil des Vereins „Europäischer Tier- und Naturschutz e.V.“. Projektleiterin Julia Vasbender erklärt RTL das Prinzip: „Unser Patientenstamm wird immer größer. Wir haben mittlerweile eine Patientenkartei von 900 Tieren.“ Die Tierarztpraxis auf vier Rädern bietet seit Oktober 2020 Senioren mit geringem Einkommen eine kostenlose Versorgung für ihre Haustiere an. In dem umgebauten Krankenwagen führt eine Tierärztin neben Akutbehandlungen auch Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen und kleine Operationen durch.

Wer sein Tier behandeln lassen möchte, muss dafür einen Bedürftigkeitsnachweis vorlegen. So wie Katzenbesitzer Otto Bölke: Sein Kater leide unter einer Allergie, erzählt er gegenüber der Deutschen Presseagentur. „Ich muss ihm immer Spezialfutter kaufen. Dann noch dauernd die Tierarzt-Kosten und die Medikamente - das könnte ich gar nicht alles bezahlen, ich habe nicht viel Geld.“ Darum ist Kater Moritz inzwischen Dauerpatient beim Tierarztmobil.

Finanziert wird das Projekt durch Spenden. „Wir haben an manchen Stellen, an denen wir stehen, schon Wartezeiten von drei Wochen für einen Termin“, erzählt Julia Vasbender. Aufgrund der großen Nachfrage ist ein zweites Tierarztmobil bereits in Planung, für weitere fehle es aktuell an finanziellen Mitteln. Tierhalter im Ruhrgebiet könne sich bald freuen: Am 26. August findet die Eröffnung des neuen ETN-Tierarztmobils in Bottrop statt. (mit Material von dpa)

Lese-Tipp: Hilfe für bedürftige Senioren mit Haustier