Team Wallraff: Undercover als Reinigungskraft an einer Grundschule - drüberwischen statt reinigen

'Team Wallraff'-Reporterin undercover als Reinigungskraft
'Team Wallraff'-Reporterin undercover als Reinigungskraft Zeitdruck und Hygienemängel beim Reinigen von Schulen 00:05:24
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Zu welchen Bedingungen müssen Reinigungskräfte im Jahr 2017 arbeiten?

Als Türke 'Ali' ist der Journalist Günter Wallraff in den 80er Jahren unter anderem "putzen" gegangen. Die Tätigkeit galt nicht wirklich als Arbeit und wurde entsprechend schlecht entlohnt. "Man war Mensch zweiter Klasse", erinnert sich Günter Wallraff. Aber zu welchen Bedingungen wird der Dreck im Jahr 2017 entfernt? 'Team Wallraff'-Reporterin Mira Ivan hat sich als Reinigungskraft einstellen lassen, um die tatsächlichen Arbeitsbedingungen aufzudecken.

Hygienemängel beim Reinigen von Schulen

Ein großes Berliner Reinigungsunternehmen sucht dringend Personal. Die Undercover-Reporterin wird zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Die Rahmenbedingungen scheinen in Ordnung zu sein: Der Verdienst liegt bei zehn Euro die Stunde, das ist Tariflohn. Überstunden sollen ebenfalls bezahlt werden. 

Der Probetag findet an einer Berliner Grundschule statt. Ein Mitarbeiter des Unternehmens, der hier bereits länger putzt, arbeitet die Undercover-Reporterin ein. Direkt zu Beginn ist die Reporterin überrascht: Ihr Kollege holt einen Lappen aus dem Eimer, der bereits ganz schwarz und dreckig ist. Und nicht nur das. Auf Nachfrage soll sie nur mit Wasser putzen, ohne Reinigungsmittel. Und sie macht es dann genau so, wie es ihr Kollege vormacht: Sie reinigt das Waschbecken und die Toiletten im Jungen-WC mit ein und demselben Lappen. Alles nur mit Wasser, ohne Desinfektionsmittel.

Auch das Mädchen-WC soll sie mit dem bereits benutzten Lappen reinigen. Das dreckige Putzwasser wird noch weiter benutzt. Die beiden Reinigungskräfte putzen auch die Klassenräume mit dem Wasser, mit dem sie noch die Toiletten gereinigt habe. Wenn hier einer Darmgrippe hat, können sich so alle anstecken.

Das 'Team Wallraff' hat das Reinigungsunternehmen um Stellungnahme gebeten. In der Antwort heißt es: "Unsere Mitarbeiter werden in das (...) 4-Farbsystem eingewiesen und darin geschult...In Sanitäranlagen werden separates Wasser, separate Reinigungstücher sowie ein geeigneter Sanitärreiniger benutzt."

In 4 Stunden 28 Räume inklusive Sanitäranlagen reinigen
In 4 Stunden 28 Räume inklusive Sanitäranlagen reinigen Drüberwischen statt reinigen 00:05:29
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Zeitdruck: In rund vier Stunden soll ein Schulgebäude gereinigt werden

Aber nicht nur die Art der Reinigung lässt Fragen offen. Auch der Umfang der Tätigkeit scheint sportlich kalkuliert zu sein: Reporterin Mira soll die gesamte Grundschule in vier Stunden putzen: 18 Klassenräume, zwei Lehrerzimmer, drei große Flure, auf jeder Etage gibt es eine eigene Sanitäranlage, insgesamt sind das 18 Toiletten, 14 Urinale plus 14 Waschbecken. Außerdem zwei Treppenhäuser über drei Etagen und der Eingangsbereich. Fast man alles zusammen, sind das großzügig gerechnet 28 Räume. Pro Raum hätte die Reporterin  8,5 Minuten Zeit.

Sehen Sie im Video, wie das Reinigungsunternehmen reagiert, als die Undercover-Reporterin die Art der Reinigung direkt anspricht und wie hoch der tatsächliche Stundenlohn ausfällt. Außerdem hat sie Eltern und Schulleitung die Ergebnisse der Recherche präsentiert.

Faire Mobilität - Hilfe für Arbeitnehmer aus EU-Staaten

Ausländische Arbeitnehmer sind in der Reinigungsbranche deutlich überrepräsentiert. Das Projekt Faire Mobilität hilft, gerechte Löhne und faire Arbeitsbedingungen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus den mittel- und osteuropäischen EU-Staaten auf dem deutschen Arbeitsmarkt durchzusetzen. Die Beratungsstellen von Faire Mobilität beraten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus EU-Staaten kostenlos in ihrer Muttersprache, wenn sie Hilfe benötigen.

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