Neuester Fall von "Team Wallraff"

Team Wallraff: SO sind die Reaktionen auf die Amazon-Enthüllungen

Günther Wallraff und sein Team haben schockierende Enthüllungen über den Versandriesen Amazon ans Tageslicht gebracht.
Günther Wallraff und sein Team haben schockierende Enthüllungen über den Versandriesen Amazon ans Tageslicht gebracht.
© TVNOW

25. Oktober 2021 - 12:16 Uhr

"Team Wallraff" deckt unfassbare Missstände bei Amazon auf

In ihrem neuesten Fall hat sich das "Team Wallraff" den Versandriesen Amazon genauer angeschaut und das Ergebnis ist schockierend. Egal, ob der Arbeitsalltag der LKW-Fahrer, enorm hoher Leistungsdruck bei allen Mitarbeitern oder eine ungeheuerliche Angst vorm Kranksein, die "Wallraff"-Reporter haben unfassbare Missstände aufgedeckt. Auch die User im Netz sind schockiert und lassen ihrem Unmut in den sozialen Medien freien lauf. Ob die Zuschauer Amazon jetzt mit anderen Augen sehen, was der Versandriese am Abend der Reportage sogar selbst ins Netz gestellt hat und was SPD-Politikerin Saskia Esken zur TV-Reportage sagt, das zeigen wir Ihnen hier.

Die Netzwelt ist über die Enthüllungen schockiert

Schon kurz nachdem die Sendung "Team Wallraff – Reporter undercover" am Donnerstagabend angefangen hat, zeigen sich die Leute auch in den sozial Netzwerken zutiefst schockiert über die aufgedeckten Missstände. So lautet ein Kommentar bei Facebook etwa: "Da müsste sich endlich mal die Politik einschalten!! Das ist Sklaverei!!!" Eine Frau macht ihrem Unmut bei Facebook ebenfalls Luft und strebt an wieder mehr Ware in den Städten, statt Online zu kaufen. "Ich bin echt schockiert und die Sendung hat gerade erst angefangen. Die Strafen sind wirklich….unglaublich! Da wird man belohnt, dass man seine Paketanzahl geschafft hat indem man NOCH MEHR Pakete wegschaffen muss?? Deren Ernst?? Vielleicht sollte man doch die Städte wiederbeleben anstatt alles über Amazon kommen zu lassen. Menschenunwürdig", so die Userin.

"Ab morgen schmiere ich Brote!"

Auch auf Twitter schlägt die Reportage hohe Wellen und viele Leute denken sogar darüber nach ihrem Paket-Fahrer selbst ein Brot zu schmieren, als von den desaströsen Arbeitsbedingungen der Zusteller berichtet wird.

Und nicht nur das: Bei vielen Menschen macht sich ein schlechtes Gewissen breit, wenn sie daran denken, ein Paket beim Unternehmen Amazon zu bestellen.

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Amazon holt zum Gegenschlag aus

Noch während die Sendung von "Team Wallraff" im TV läuft, möchte wohl auch Amazon ein Zeichen setzen und reagiert. Auf ihrer Twitter-Seite veröffentlicht der Versandriese ein Video, wo verschiedene Mitarbeiterstimmen über die guten Arbeitsbedingungen berichten.

Ob sich der Konzern damit einen großen Gefallen getan hat? Schon nach kürzester Zeit finden sich zahlreiche Stimmen unter dem Posting wieder, die Amazon den Kampf ansagen wollen. So kommentiert ein Twitter-User mit: "Haha – und ihr denkt wir glauben das? Lächerlich!" Bisher hat Amazon auf diesen Gegenwind im Netz noch nicht reagiert.

Politikerin Saskia Esken war schon selbst als Paketzustellerin aktiv

Direkt im Anschluss an "Team Wallraff – Reporter undercover" zeigte RTL eine neue Ausgabe von "RTL Direkt". Auch dort sollte es um das Amazon-Thema aus der TV-Reportage gehen. Zu Gast: SPD-Chefin Saskia Esken. Und sie verbindet wohl eine spezielle Geschichte mit dem Versandunternehmen, denn sie hat vor ihrer Politik-Karriere selbst mal als Paketzustellerin gearbeitet. Hat sie also eine besondere Idee, wie man den Mitarbeitern in der Versandbranche helfen und sie sogar besser schützen kann? "Es ist sehr, sehr erschreckend, was da für Zustände herrschen und wie dieses Unternehmen, das ja auch nicht bereit ist trotz hoher Gewinne mit deutschen Kunden und Kundinnen in Deutschland auch ordentlich Steuern zu bezahlen, eben offensichtlich auch nicht bereit ist, sich an die Arbeitnehmerschutzgesetze zu halten und Arbeitnehmer in diesem Maße auszubeuten. Mit Subunternehmerregelungen und ähnlichen Auswegmöglichkeiten. Das ist entsetzlich und muss angegangen werden", so Esken.

Und wie sieht das beim Beispiel Amazon konkret aus? Hat Saskia Esken schon einen genauen Plan, wie die Hilfe für die Mitarbeiter dort aussehen könnte? "Ich habe ja schon ganz klar gesagt, wir müssen diese Nachunternehmerhaftung auf die gesamte Logistikbranche ausweiten. Vor allem müssen wir aber die Einhaltung von Arbeitszeitschutzgesetzen und insgesamt von Arbeitsbedingungen, die auch vom Gesetz verlangt sind, deren Einhaltung auch überprüfen helfen. Ich denke, da müssen wir ganz klar auch deutlich machen, dass Betriebsräte in solchen Unternehmen segensreich sind, die den Unternehmen auch auf die Finger schauen. Deswegen haben wir auch üblicherweise in deutschen Unternehmen nicht solche Missstände. Im einzelnen ja, aber wir müssen eben auch die Gewerkschaften und Betriebsräte stärken und dafür sorgen, dass Recht und Gesetz eingehalten wird und auch Betriebsvereinbarungen geschlossen werden, die die Überwachung der Mitarbeiter ausschließt, wie sie ja bei Amazon Gang und Gebe ist", erklärt Esken auf Nachfrage von "RTL Direkt"-Moderator Jan Hofer.

Saskia Esken stellte sich - im Gegensatz zu ihrem SPD-Kollegen, Arbeitsminister Hubertus Heil, den Fragen von Moderator Jan Hofer. Eine RTL-Anfrage zu den Methoden Amazons an Heil blieb bis jetzt unbeantwortet.

Nachgefragt bei Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Sven Jürgens

Wie sieht das eigentlich vor dem Gesetz aus? Sind da die aktuellen Arbeitsbedingungen bei Amazon eigentlich zulässig? Wir haben Dr. Sven Jürgens, Fachanwalt für Arbeitsrecht gefragt, wie er das Prinzip eines Subunternehmertums bewertet. "Amazon möchte eine weiße Weste bewahren…und delegiert das dann unter…wenn das bei Subunternehmen schiefläuft, sagt Amazon: not my business…man kann den Preisdruck entsprechend an die Subs weiter geben…als der oberste in der Pyramide ist Amazon aus dem Arbeitsschutz raus…das ist ne Sauerei." Auch zu der Kamera-Überwachung hat Jürgens eine klar Meinung: "Ich bin der Meinung, dass man hier die Grundsätze für verdeckte Überwachung. Da ist die Rechtssprechung relativ hart. Ich brauche einen konkreten Verdacht eine Pflichtverletzung. Das dürfte nicht zulässig sein."

Ein weiterer Punkt, den das "Team Wallraff" in seiner Reportage aufgegriffen hat, ist die Kranmeldung bei Amazon. Scheinbar gibt es dort nämlich Kollegen, die sich sogar krank zur Arbeit schleppen, damit ihnen keine Konsequenzen drohen. Diese Sachlage schätzt Dr. Sven Jürgens wie folgt ein: "Es ist wirklich ein ganz perverses System geschaffen worden, wo es nur darum geht, Angst zu schüren, Angst zu schüren, das man nicht übernommen wird, Angst zu schüren, dass man, wenn man seine Arbeitnehmerrechte in Anspruch nimmt, dafür sanktioniert wird. Angst davor, z.B. bei einer Krankheit sich Erholungsphasen zu nehmen, um sich wieder und wieder auf die Beine zu kommen."

„Team Wallraff – Der Podcast“ auf AUDIO NOW hören

Noch mehr spannende Infos rund um die Enthüllungen gibt's auch im "Team Wallraff – Der Podcast" auf AUDIO NOW zu hören. Einfach kurz runterscrollen!

Diese Fälle des „Team Wallraff“ haben Aufsehen erregt

In den letzten Jahren hat Günter Wallraff mit seinem Team schon den einen oder anderen Fall aufdecken und sogar gegen Missstände vorgehen können. Was genau sie schon alles erreichen konnten, das lesen Sie hier.

„Team Wallraff - Reporter undercover“ auf TVNOW anschauen

"Team Wallraff - Reporter undercover" gibt es parallel zur Sendung auch im Livestream zu sehen. Ganze Folgen stehen nach der Ausstrahlung auch zum Abruf auf TVNOW bereit. (rgä)