„Team Wallraff – Reporter undercover“

102 Euro für einen Monat Arbeit: So mies verhält sich Ryanair bei der Bezahlung der Mitarbeiter

10. Oktober 2019 - 8:32 Uhr

Nach ihrer Kündigung bekam „Team Wallraff"-Reporterin nur 102 Euro Gehalt

Schichtdienst, Stress, kein Schlafrythmus und kaum Pausen, um zu essen oder auf Toilette zu gehen: Während ihres Einsatzes als Ryanair-Flugbegleiterin für "Team Wallraff" kam Reporterin Alicia an ihre körperlichen Grenzen. Der Lohn, den sie dafür bekam? Schlappe 102 Euro - und das, obwohl ihr eigentlich im Schnitt 1.500 Euro netto zugestanden hätten. Bloß ein Versehen? Offenbar nicht, denn hinter den niedrigen Gehältern scheint eine gängige Praxis zu stecken.

Was steckt hinter den geringen Gehältern bei Ryanair?

Alle für Ryanair fliegenden Flugbegleiter sind bei der Leiharbeitsfirma Crewlink angestellt. Weil Crewlink eine irische Firma ist, müssen die Angestellten ihre Steuern auch in Irland bezahlen.

Das Problem: Crewlink scheint bereits mehrfach versäumt zu haben, seine Mitarbeiter anzumelden. Das Ergebnis: Statt ihres versprochenen Gehalts erhielten Mitarbeiter mit ihrer Lohnabrechnung eine böse Überraschung.

So auch unsere Reporterin: 2.431 Euro Strafsteuern wurden ihr vom Brutto-Gehalt abgezogen. Für Miete, Lebensmittel und Fixkosten blieben ihr dann noch 102 Euro - im Monat.

Tatsächlich ist das geringe Gehalt aber keine Reaktion auf die Kündigung unserer Reporterin, sondern scheint gar nicht mal so selten vorzukommen. Wie Reporterin Alicia erklärt, war das sogar bei vielen Teilnehmern ihres Ausbildungskurses. Fragt sich, was Ryanair und Crewlink damit bezwecken.

Was steckt hinter den Strafsteuern?

Hintergrund der bei unserer Reporterin angemerkten Strafsteuern sind die sogenannten "Emergency Taxes" in Irland. Beginnt man einen neuen Job bei einem irischen Arbeitgeber oder wechselt man auf eine neue Stelle, kann es passieren, dass man diese Steuern zahlen muss.

Ein Grund dafür kann sein, dass die PPS-Nummer (Personal Public Service Number) fehlt. Diese ist vergleichbar mit der deutschen Sozialversicherungsnummer und ist in Irland nötig für alle Sozialleistungen, Gesundheitsdienste und die Steuer.

Im Fall unserer Reporterin und ihres gesamten Ausbildungskurses hat Crewlink versäumt, die PPS-Nummern rechtzeitlich für alle zu Mitarbeiter beantragen.

Das Ergebnis: Weil Jobanfänger dann keinen Steuerfreibetrag erhalten, werden sie sofort mit dem höheren Steuersatz besteuert. Zwar kann man sich das Geld im Folgejahr über die Steuererklärung zurückholen, zunächst muss man aber - ja nach Gehalt - mit rund 100 Euro im Monat zurechtkommen. Bei ihren Ausbildungskollegen ging das so weit, dass einige einen Kredit aufnehmen mussten, um über die Runden zu kommen, erinnert sich unsere Reporterin.

Hilfe von Ryanair oder Crewlink gab es hier nicht. Auch warum die beiden Firmen so nachlässig mit dem Gehalt ihrer Mitarbeiter umgehen, ist unklar.

„Team Wallraff" bei TVNOW

Die ganze "Team Wallraff"-Reportage "Undercover bei Ryanair und Eurowings" steht bei TVNOW und in der TVNOW App zum Abruf bereit.