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Suizid des eigenen Kindes: So können Eltern lernen, mit der Tragödie zu leben

Eine Mutter erzählt

Suizid des eigenen Kindes: So können Eltern lernen, mit der Tragödie zu leben

Freya von Stülpnagel hilft heute als Trauerbegleiterin anderen Betroffenen.
Freya von Stülpnagel hat ihren Sohn an die Depression verloren. Heute hilft sie anderen Betroffenen als Trauerbegleitung.
deutsche presse agentur

von Sabrina Andorfer

Wie sollen Eltern weiterleben, wenn sich ihr eigenes Kind das Leben nimmt? Freya von Stülpnagel ist genau das vor 22 Jahren passiert. Wie Freya heute Betroffene unterstützt und was ihr persönlich hilft, wenn die Trauer sie überrennt, hören Sie in Folge 16 und 17 von „Die Dritten – damit nichts verloren geht!“

Folge 16: Freya von Stülpnagel: Die Tragödie vor 22 Jahren

"Es ist der absolute Abgrund"

Freya von Stülpnagel strahlt eine bemerkenswerte Stärke aus, während sie mit mir über das Unfassbare spricht. Wir sitzen uns mit Abstand gegenüber in ihrem kleinen Gartenhäuschen am Rande von München.

„Es ist der absolute Abgrund. Der krasse Aufprall in eine Dimension, in die man sich nie Hineindenken kann und trotzdem habe ich die Erfahrung gemacht: Man kann das überleben“, sagt sie während der Aufnahme für den Podcast „Die Dritten – damit nichts verloren geht!“.

Freya hat vor 22 Jahren ihren Sohn Benni verloren, da war Benni gerade 18 Jahre alt.

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Benni litt an einer akuten Depression

„Er war das Dritte von vier Kindern und er war derjenige, der am coolsten war. Derjenige, der die Schule sehr lässig machte, er war ein großer Sportler, hat Basketball und Tennis gespielt. War ein toller Skifahrer“, erzählt sie mir, während ihr Blick über den mit Laub bedeckten Rasen wandert.

Bis sich im April 1998 alles ändert. Es ist der Monat, der ihr Leben in zwei Teile teilen wird. Monate vorher hatten alle Familienmitglieder eine Grippe, sagt Freya und atmet einmal tief durch. „Uns ging es allen schlecht, aber er hat sich nicht davon erholt.“ Benni war ständig müde, konnte aber schlecht schlafen. Seine Mutter ratlos, die Ärzte auch. Depression? Daran hatte niemand gedacht.

Nach dem Suizid ihres Sohnes kämpfte Freya, die heute 70 Jahre alt ist, mit heftigen Schuldgedanken. Sie fand Hilfe bei den Verwaisten Eltern in München. Engagiert sich dort heute noch als Trauerbegleiterin, hat Bücher geschrieben und mit ihrem Mann eine eigene Stiftung gegründet.

Was in einer haltlosen Situation hilft

„Anrufen ist doof. Einfach hingehen, einen kleinen Blumenstrauß mitnehmen“, erinnert sich Freya von Stülpnagel. „Und den Angehörigen in den Arm nehmen, nichts sagen. Gar nichts, einfach da sein und aushalten.“

Sie würde alles tun, um das Geschehene rückgängig zu machen. Aber Freya hat gelernt, mit der Tragödie vor 22 Jahren zu leben, sie in ihr Leben zu integrieren und wieder glücklich zu sein, erzählt sie mir für meinen Podcast „Die Dritten – Damit nichts verloren geht!“.

Hier finden Sie und Angehörige Hilfe:

Wenn Sie schnell Hilfe brauchen, dann finden Sie unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 Menschen, die Ihnen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.

Hilfe finden Sie auch bei der Nummer gegen Kummer (116 111). Die Hilfe von Freya von Stülpnagel als Trauerbegleiterin finden Sie hier.

"Die Dritten - Damit nichts verloren geht!" - darum geht's!

Was sind die Dinge, die wirklich im Leben zählen? Die größten Glücksmomente? Wie geht man mit heftigen Schicksalsschlägen um? Welche Erfahrungen helfen der jüngeren Generation? Im Podcast "Die Dritten - Damit nichts verloren geht!" suche ich Antworten im Gespräch mit Menschen über 70 Jahren. Ein Podcast, der außergewöhnliche Lebensgeschichten für die Zukunft bewahrt, damit davon nichts verloren geht.

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