Das sagen Experten

Südamerika-Hype: Wirkt "Ivermectin" gegen Covid-19?

Das Medikament Ivermectin soll gegen Corona helfen.
Das Medikament Ivermectin soll gegen Corona helfen.
© Imago Entertainment

18. Februar 2021 - 14:48 Uhr

Medikament wirkt gegen Parasiten

Ivermectin ist sowohl für Menschen als auch für Tiere zur Behandlung verschiedener parasitärer Erkrankungen zugelassen und in zahlreichen Präparaten auf dem Markt. Indiziert ist es unter anderem bei Krätze und verschiedenen Wurmerkrankungen. In Südamerika gibt es eine regelrechte Hysterie um das Arzneimittel: Kann das Medikament gegen Corona helfen und breit eingesetzt werden?

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Mehr als 50 Studien mit Ivermectin

Bei der Suche nach Medikamenten gegen Corona die zudem schnell für die Behandlung verfügbar gemacht werden könnten, rückte im April 2020 das Antiparasitikum Ivermectin verstärkt in den Fokus. Australische Wissenschaftler hatten beobachtet, dass es SARS-CoV-2 in einem Zellmodell innerhalb von 48 Stunden so gut wie vollständig eliminierte. Allerdings müsse für einen potenziellen Einsatz bei Patienten mit Covid-19 die geeignete Dosis gefunden werden, so das Team um die korrespondierende Autorin Kylie M. Wagstaff vom Biomedicine Discovery Institute der Monash-University in Clayton.

Nach der Publikation der Studie zur Wirksamkeit von Ivermectin gegen SARS-CoV-2 hat die klinische Forschung erheblich an Fahrt aufgenommen: Insgesamt gibt es derzeit 52 Studien, so die Deutsche Apothekerzeitung. Trotzdem stand das Medikament weder in den USA noch in Europa in den letzten Monaten im Mittelpunkt des Interesses. Das könnte sich bald ändern.

Neues Corona-Wundermittel?

Nach der Veröffentlichung der australischen Studie war es in vielen, überwiegend südamerikanischen Ländern mit hohen Infektionszahlen zu einem regelrechten Hype um Ivermectin gekommen. Bereits im Mai 2020 hatten verschiedene regionale Gesundheitsministerien und Regierungsbehörden in Peru, Brasilien und Paraguay "Ivermectin-Verteilungskampagnen" an ihre Bevölkerung gestartet. Danach sollen sich regelmäßig starke Rückgänge bei den Corona-Fallzahlen im Vergleich mit Regionen ohne solche Kampagnen eingestellt haben.

Im Dezember gaben Ärzte der Front Line COVID-19 Critical Care Alliance (FLCCC) mit Sitz in Madison im US-Bundesstaat Wisconsin nach einer Studie bekannt, das Ivermectin die Viruslast signifikant verringern kann. Außerdem soll es die Übertragung des Virus und die Entwicklung von COVID-19 bei Infizierten eindämmen, bei Patienten mit einer leichten bis mittelschweren Ausprägung der Krankheit die Genesung beschleunigen und eine Verschlechterung verhindern, wenn es früh nach Symptomeintritt verabreicht wird. Bei schwer Erkrankten soll es die Sterblichkeit vermindern.

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Weitere Studien erforderlich

Die Daten klingen vielversprechend, dennoch empfehlen aktuell weder die WHO noch europäische Behörden oder Fachgremien explizit den Einsatz von Ivermectin zur Therapie von COVID-19. Für belastbare Äußerungen zur therapeutischen Wirksamkeit und Verträglichkeit einer Anwendung und konkrete Anwendungsempfehlungen sind noch weitere Studien – insbesondere aber klinische Studien am Menschen – erforderlich.

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