Rund 8,6 Mio. Menschen verdienen derzeit unter 12 Euro Mindestlohn

Studie: Vom höheren Mindestlohn profitieren vor allem Frauen

Fast 9 Millionen Menschen verdienen derzeit weniger als 12 Euro in der Stunde. Zwei Drittel davon sind Frauen.  Sie würden enorm vom 12-Euro-Mindestlohn profitieren (Motivbild)
Fast 9 Millionen Menschen verdienen derzeit weniger als 12 Euro in der Stunde. Zwei Drittel davon sind Frauen. Sie würden enorm vom 12-Euro-Mindestlohn profitieren (Motivbild)
© dpa, Jan Woitas, woi wst

28. Oktober 2021 - 14:33 Uhr

Studie der Hans-Böckler-Stiftung

Es ist eines der zentralen Wahl-Versprechen der SPD und hat Einzug in das Sondierungspapier der Ampel-Verhandler gefunden: Der 12-Euro-Mindestlohn. Rund 8,6 Millionen Menschen würden einer aktuellen Studie zufolge davon profitieren – die meisten sind Frauen.

"Für viele Beschäftigte spürbare Lohnsteigerungen"

Fast 9 Millionen Menschen verdienen derzeit weniger als 12 Euro in der Stunde. Zwei Drittel davon Frauen. Das hat nun eine Studie des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung gezeigt.

Durch die Anhebung des Mindestlohns würde vor allem die Entlohnung von Beschäftigten ohne Tarifvertrag verbessert, da diese rund dreimal so häufig von Löhnen unter zwölf Euro brutto pro Stunde betroffen seien wie Beschäftigte, die nach Tarif bezahlt werden.

"Ein Mindestlohn von zwölf Euro findet nicht nur breite Zustimmung, er würde auch für viele Beschäftigte spürbare Lohnsteigerungen bedeuten", sagte der WSI-Arbeitsmarktexperte Toralf Pusch.

  • Für die große Mehrheit ist es der Hauptjob, wo der höhere Mindestlohn direkt zu einer Lohnanhebung führen müsste. Das gilt im laufenden Jahr für 7,3 Millionen Erwerbstätige.
  • Weitere etwa 1,3 Millionen seien Nebentätigkeiten.
  • Von den Hauptjobs wiederum seien rund drei Millionen Vollzeit- und knapp 4,3 Millionen Teilzeitstellen.

Eine Anhebung des Mindestlohns auf zwölf Euro würde in der Gesamtgruppe der nach Tarifvertrag bezahlten Beschäftigten eine durchschnittliche Lohnerhöhung von 1,0 Prozent bewirken. Unter den Beschäftigten ohne Tarif fiele das Plus hingegen mit 4,1 Prozent deutlich größer aus. Dies zeige, dass der höhere Mindestlohn "keinen tiefen Eingriff in die Tarifautonomie" darstelle, sagte Pusch. Er wäre "vor allem eine wirksame Stütze zur Stabilisierung der Löhne von Beschäftigten ohne Tarifvertrag".

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Einzelhandel, Gesundheitswesen, Gastro betroffen

Löhne unter zwölf Euro kamen bislang am häufigsten im Einzelhandel, dem Gesundheitswesen, der Gebäudebetreuung, der Gastronomie und dem Sozialwesen vor. Nach Berufen waren unter anderem Fachkräfte in Gastronomie und Hauswirtschaft, Verkäuferinnen und Verkäufer, medizinische Fachangestellte, Köche oder Berufskraftfahrende stark betroffen. Hinzukommen Hilfskräfte in Reinigung, Hauswirtschaft, Küchen und Logistik.

Eine vom gewerkschaftsnahen Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) geförderte Studie ergab kürzlich, dass eine Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro gesamtwirtschaftlich sinnvoll wäre. Langfristig würde die Wirtschaftsleistung um etwa 50 Milliarden Euro im Jahr steigen. Die Staatseinnahmen erhöhen sich demnach um rund 20 Milliarden Euro jährlich. (reuters/eku)