Streit um 2G-Regelung für Kinder

Berlin rudert schon wieder zurück, Giffey postet giftig

15. September 2021 - 17:37 Uhr

Streit in Berlin um Kinder

Die 2G-Regel spaltet Deutschland. Für die einen ist es ein absolutes Gebot, um die Grundrechte für die Geimpften und Genesenen wiederherzustellen. Für die anderen eine Impfpflicht durch die Hintertür.

Nachdem nun viele Bundesländer zumindest eine 2G-Option eingeführt haben, entbrennt in Berlin ein Streit über den Umgang mit Kindern, die Stand heute noch nicht geimpft werden können. Mittendrin eine Top-Politikerin und ehemalige Ministerin.

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Deutsches Kinderhilfswerk: 2G-Regelung ist "kinderfeindlich"

Kinder sind bisher mit die am schwersten betroffene Personengruppe der Pandemie. Einerseits natürlich, weil sie bis heute nur in Ausnahmefällen geimpft werden können. Andererseits auch, weil sie dadurch noch mit vielen Einschränkungen, wie z.B. der Maskenpflicht an Schulen leben müssen.

+++ Was jetzt wo gilt – In diesen Bundesländern kommt 2G +++

In den Augen einiger Politiker wird diese Situation mit der aufkommenden 2G-Regel in vielen Bundesländern noch einmal verschärft. Das Deutsche Kinderhilfswerk kritisiert das 2G-Optionsmodell in Berlin sogar als "kinderfeindlich und familienfeindlich".

Trotzdem gießt Kanzleramtsminister Helge Braun noch zusätzlich Öl ins Feuer. Im Frühstart von RTL und ntv sagte er die Eskalationsstufe 2G könne man grundsätzlich nicht ausschließen.

RTL-Politikchef Nikolaus Blome ordnet die 2G-Debatte ein

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Giffey: "2G muss korrigiert werden"

Und auch die ehemalige Bundesfamilienministerin und Spitzenkandidaten der SPD für das Amt des Regierenden Bürgermeisters in Berlin Franziska Giffey schießt scharf gegen die Entscheidung des Senats. Zwar sei es gut, dass der Senat die 2G-Regelung beschlossen habe, dennoch müsse nachgebessert werden.

"Dass in Berlin gestern beschlossen worden ist, ein Optionsmodell zu machen, bei dem Einrichtungen der Kultur, der Bildung, der Freizeitgestaltung entscheiden können, ob sie mit 2G oder mit 3G arbeiten, ist ja ein guter Gedanke", so Giffey im RTL-Interview. Es ginge deshalb nicht darum, dass man das ganze Modell in Frage stelle. "Es geht darum, dass Kinder und Familien nicht von der gesellschaftlichen und kulturellen Teilhabe ausgeschlossen werden."

Zuvor hatte Giffey auf ihrem Twitteraccount gefordert, dass die 2G-Regel im Hinblick auf Kinder unter 12 Jahren korrigiert werden müsse.

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Senat will Kinderregelung bei 2G anpassen

Kritik, die offenbar Wirkung zeigt. Denn prompt reagiert die Grüne Wirtschaftssenatorin Ramona Pop ebenfalls auf Twitter. "Gestern ist auch mir ein Fehler unterlaufen. Ich habe versäumt, auf Ausnahmen für Kinder unter 12 Jahren bei der #2GRegel zu drängen", schreibt Pop auf ihrem Kanal. Noch sei es aber nicht zu spät, diese Entscheidung zu korrigieren und Kinder nicht von der Teilhabe auszuschließen.

Ob auf Initiative der Grünen oder aus eigenen Beweggründen heraus: Nun will sich der Berliner Senat in einer Sitzung noch einmal dem Thema 2G annehmen und im Bereich der Kinder nachbessern.

Bundesfamilienministerin Lambrecht fordert Unterstützung für Kinder

Und auch die Interims-Bundesfamilienministerin Christine Lambrecht sieht offenbar Handlungsbedarf in dem Bereich. Bei der Umsetzung sogenannter 2G-Regeln müsse Rücksicht auf Familien mit Kindern zu genommen werden. Familien dürften hier nicht noch einmal zusätzlich belastet werden, so die Ministerin.

Lambrecht verwies dabei auf die Umsetzung der 2G-Regel in Hamburg. Die Stadt habe vorgemacht, dass Kinder nicht ausgeschlossen würden. Sie verwies auf die Möglichkeit zusätzlicher Tests. Sie könne nachvollziehen, dass es um die Sicherheit der Gäste gehe. "Aber es geht auch darum, dass Familien, gerade da, wo die Eltern geimpft sind und die Kinder sich nicht impfen lassen können, nicht noch einmal eine zusätzliche Belastung erfahren." Lambrecht forderte eine "vernünftige Lösung", die das berücksichtige. (dpa,sst)

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