Über 20 Containerschiffe warten auf EinfahrtStreik der Hafenarbeiter verschärft Schiffsstau auf der Nordsee

Seit Wochen hängen riesige Containerschiffe vor deutschen Häfen fest, die Ladung kann erst mit Verspätung gelöscht werden. Laut Experten wird die Anzahl der Schiffe, die in der Nordsee warten, immer größer. Vor allem die Warnstreiks der Hafenarbeiter haben die Situation noch einmal deutlich verschärft. Was das für den Handel bedeutet und welche Produkte in den Containern transportiert werden.
Lieferverzögerungen wegen Containerschiffstaus
Der 48-stündige Hafenarbeiterstreik in der vorigen Woche hat den Stau von Containerschiffen auf der Nordsee nochmals wachsen lassen. Laut dem Ökonomen Vincent Stamer vom Kiel Institut für Wirtschaftsforschung (IfW) warteten dort erstmals seit Beginn der IfW-Datenerhebung 2016 mehr als 20 Containerschiffe auf die Einfahrt in einen deutschen Hafen.
Weiterhin binden demnach allein die Containerschiffstaus in der Nordsee mehr als zwei Prozent der globalen Frachtkapazität. Der Großteil davon befinde sich mittlerweile in der Deutschen Bucht, von der aus zum Beispiel die wichtigsten Containerhäfen Hamburg und Bremerhaven angesteuert werden.
„Zwar ist die Situation nicht ausschließlich auf die Streiks der Hafenbelegschaft zurückzuführen“, sagte Stamer weiter. „Sowohl Streiks als auch Kapazitätsengpässe an den Häfen haben die Situation aber verschärft.“ Für die deutsche Wirtschaft bedeute das kurzfristig weitere Lieferverzögerungen und mittelfristig höhere Importpreise gerade bei Produkten aus Ländern außerhalb Europas.
Diese Waren stecken in den Schiffscontainern fest
Aber welche Waren stecken eigentlich in den Containern vor Hamburg und Bremerhaven fest? „Deutschland importiert über das Containerschiff-Netzwerk, vor allem aus Asien, sehr viele verschiedene Güter, insbesondere aus China“, erklärt IfW-Handelsexperte Vincent Stamer im Gespräch mit RTL. Der Handel mit China sei überproportional geprägt von Unterhaltungselektronik. „Das können Fernseher sein, aber auch Möbel, Haushaltsgeräte, Sportgeräte. All diese Dinge werden über das Containerschiff von Asien nach Hamburg beispielsweise transportiert. All diese Dinge könnten eben in diesem Stau stecken“, so Stamer.
Der Schiffsstau erinnert an die Situation vor etwas über einem Jahr: Der querliegender Riesen-Frachter „Ever Given“ blockierte sechs Tage lang den Suezkanal in Ägypten, die wichtigste Transportverbindung zwischen Asien und Europa. Auf der Route kam es zu einem Mega-Schiffsstau, der wochenlang anhielt. Die Folgen spürten Kundinnen und Kunden sogar bei den Discountern: Angekündigte Aktionsangebote waren kaum oder gar nicht erhältlich. Bei Lidl etwas gab es so manch eine Verärgerung, weil ein im Wochenprospekt angekündigtes Stand-up-Paddle-Bord doch nicht in den Filialen erhältlich war.
Für Kundinnen und Kunden bedeutet der aktuelle Schiffsstau: Bei Playstation, Xbox, iPhone & Co könnte es erneut zu Lieferverzögerungen kommen. Die Ware ist zwar da, hängt aber auf dem Meer fest und kann nicht verschickt werden. Bleibt nur zu hoffen, dass sich der Schiffsverkehr wieder normalisiert. Sonst muss man wohl bereits im Sommer die Weihnachtsgeschenk bestellen.
Über 90 Prozent des weltweiten Warenhandels per Schiff abgewickelt
Seit Beginn der Coronapandemie vor mehr als zwei Jahren haben Lockdowns vor allem in chinesischen und amerikanischen Häfen die Fahrpläne im globalen Verkehr von Container- und Frachtschiffen durcheinandergewirbelt. Damit sind auch die sonst präzisen Abläufe an den Kaikanten zusehends aus dem Tritt geraten. Beispielsweise gibt es in den Häfen kaum Container-Stellplätze, weil Boxen, die sonst binnen kurzer Zeit weitertransportiert werden, zwischengelagert werden müssen. Mehr als 90 Prozent des weltweiten Warenhandels wird per Schiff abgewickelt.
In dieser Situation traf der jüngste Warnstreik der Hafenarbeiter die Hafenlogistiker und damit auch die Reedereien als deren Kunden. Die Gewerkschaft Verdi und der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) streiten darum, in welchem Ausmaß die Entgelte der Hafenarbeiter steigen sollen. In mittlerweile sieben Verhandlungsrunden, begleitet von mittlerweile drei Warnstreiks, konnten sie sich nicht einigen.
Weitere Arbeitskämpfe sind bis Ende August ausgeschlossen. Ein in der vorigen Woche vor dem Hamburger Arbeitsgericht geschlossener Vergleich sieht vor, dass die Tarifparteien bis Ende kommender Woche drei weitere Verhandlungstermine bis zum 26. August vereinbaren müssen. Verdi darf demnach in diesem Zeitraum zu keinen weiteren Warnstreiks aufrufen. (mit dpa/aze)
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