Wahrheit oder Irrtum?

Die 10 häufigsten Steuer-Mythen

Ohne Rechnerei geht's bei der Steuererklärung nicht. Damit es aber keine bösen Überraschungen gibt, sollte man sich über ein paar Regeln schlau machen.
Ohne Rechnerei geht's bei der Steuererklärung nicht. Damit es aber keine bösen Überraschungen gibt, sollte man sich über ein paar Regeln schlau machen.
© iStockphoto

10. März 2021 - 8:57 Uhr

Finanztest klärt auf

Eine Steuererklärung erinnert viele Menschen an lästige Hausaufgaben in der Schule. Doch die Mühe lohnt sich: Im Durchschnitt gibt es 1.000 Euro zurück. Beim Thema Steuern gibt es jedoch viele Irrtümer, die in manchen Fällen sogar zu Strafen führen können. Das Verbrauchermagazin Finanztest klärt auf, welche die häufigsten sind.

Steuererklärung: Wer oder was hilft mir dabei?

Bis zum 31. Juli muss die Steuererklärung des Vorjahrs beim Finanzamt eingereicht werden. Einfache Steuererklärungen können mit dem Gratisangebot der Finanzverwaltung gemacht werden, kompliziertere brauchen dagegen ein Steuerprogramm. Wie hoch die Abzüge der eigenen Steuerklasse sind, kann man mit dem Lohn- und Einkommensrechner ermitteln. Wer beim Ausfüllen der Unterlagen Hilfe benötigt, kann sich dabei an den Lohnsteuerverein oder an einen Steuerberater wenden.

Steuer-Mythos Nr. 1: Die Steuererklärung kann problemlos nach der Frist abgegeben werden

Das war früher einmal so. Seit längerer Zeit wird jedoch ein Verspätungszuschlag fällig, wenn die Steuerklärung nicht bis zum 31. Juli des darauffolgenden Jahres abgegeben wurde. Hier werden ab März 2020 mindestens 25 Euro pro Monat fällig, denn der Verspätungszuschlag beträgt pro begonnenem Monat 0,25 Prozent der festgelegten Steuer.

Wird die Steuererklärung bis Ende Februar 2020 eingereicht, kann der Finanzbeamte selbst über den Verspätungszuschlag entscheiden. Wer sich bei der Steuerklärung von einem Steuerberater oder vom Lohnsteuerhilfeverein helfen lässt, hat bis zum Februar des Folgejahres Zeit zum Abgeben. Ist man sich sicher, dass man die Abgabefrist nicht einhalten kann, sollte man beim Finanzamt um eine Verlängerung bitten. Bei triftigen Gründen wird diese im Regelfall auch gewährt.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Steuer-Mythos Nr. 2: Freunde dürfen kostenlos bei der Steuererklärung helfen

Das ist falsch. Laut Steuergesetz dürfen lediglich Angehörige beim Ausfüllen der Steuererklärung behilflich sein. Im Paragraf 15 der Abgabgeverordnung sind beispielsweise Eltern, Geschwister oder Ehepartner als Berechtigte genannt. Wer Bekannte oder Freunde um Hilfe bei der Steuererklärung bittet, muss mit einem Bußgeld von bis zu 5.000 Euro rechnen.

Mythos Nr. 3: Versicherungen können immer abgesetzt werden

Das stimmt so nicht. Es können nur die gesetzlichen Sozialversicherungsbeiträge und Versicherungen, die der Vorsorge dienen, geltend gemacht werden. Bei Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherungen liegt der Höchstbetrag bei 1.900 Euro pro Person. Berücksichtigt werden auch Vorsorgeversicherungen wie die KfZ-Haftpflicht-, Krankenzusatz-, Haftpflicht- oder Unfallversicherung.

Berufliche Anteile der Rechtsschutzversicherung, zertifizierte Basisrentenverträge und private Unfallversicherungen können ebenso abgesetzt werden. Kapitallebensversicherungen, die nach dem 1. Januar 2005 abgeschlossen wurden, bekommen keinen Steuerbonus. Dasselbe gilt für alle weiteren Verträge wie Handy- oder Hausratversicherungen.

Mythos Nr. 4: Wer einmal eine Steuererklärung abgegeben hat, muss es immer tun

Keineswegs. Ob jemand seine Steuererklärung freiwillig abgeben darf oder dazu verpflichtet ist, hängt vom Einzelfall ab. Hier kommt es unter anderem auf die Steuerklasse, Lohnersatzleistungen und Nebeneinkünfte an. Wer eine freiwillige Einkommenserklärung beim Finanzamt eingereicht hat, muss das im nächsten Jahr nicht zwingend wieder tun. Freiwillige Steuererklärungen können sogar bis zu vier Jahre rückwirkend eingereicht werden.

Mythos Nr. 5: Die Steuerklassen III und V sind für Ehepaare die beste Wahl

Nicht immer. Die meisten Ehepartner entscheiden sich für diese Kombination, weil die Nettobeträge über das Jahr gerechnet am höchsten ausfallen. Hier sind jedoch hohe Nachforderungen des Finanzamts keine Seltenheit. Diese Kombination lohnt sich nur dann, wenn ein Ehepartner der Steuerklasse III 60 Prozent und der andere Ehepartner der Steuerklasse V 40 Prozent des gemeinsamen Einkommens erzielt. Eine gute Lösung bei ähnlich hohen Einkommen ist daher die Kombination IV und IV.

Mythos Nr. 6: Handwerkerkosten können komplett abgesetzt werden

Nein. Das Finanzamt berücksichtigt keine Materialkosten, weshalb diese auf der Rechnung extra angegeben werden sollten. Es können daher lediglich die Kosten für Verbrauchsmittel (zum Beispiel Reinigungsmittel), Maschinen, Lohn, Anfahrt und Mehrwertsteuer geltend gemacht werden. Hier gibt es einen Steuerbonus von 20 Prozent.

Mythos Nr. 7: Rentner sind von der Steuer befreit

Das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Tatsächlich müssen von 18 Millionen Rentnern in Deutschland fünf Millionen Steuern zahlen. Rentenzahlungen sind grundsätzlich steuerpflichtig - da das Jahr über jedoch keine Steuern einbehalten werden, können Nachforderungen vom Finanzamt entstehen.

Wie hoch die zu zahlenden Steuern sind, hängt davon ab, ob die Einnahmen über dem Grundfreibetrag von 9.168 Euro liegen. Wenn ja, werden Nachzahlungen fällig. Diese können jedoch entfallen, wenn bestimmte Ausgaben wie Versicherungen oder Krankheitskosten steuerlich geltend gemacht werden.

Mythos Nr. 8: Ein neuer Anzug mit Krawatte erhält Steuerbonus

Das ist eindeutig falsch. Nur eindeutige Berufskleidung (zum Beispiel Helme oder Schutzanzüge) darf von der Steuer abgesetzt werden. Für "bürgerliche" Kleidung wie Anzüge oder Blusen gilt das nicht, da diese auch privat häufig getragen wird.

Mythos Nr. 9: Elterngeld ist steuerfrei

Auch wenn Elterngeld selbst nicht versteuert wird, muss es in der Steuererklärung angegeben werden. Das gilt auch für das Mutterschafts-, Arbeitslosen- und Krankengeld, denn diese Gelder gehören zu den Lohnersatzleistungen. Bei der Ermittlung des Steuersatzes werden sie vom Finanzamt mit einberechnet. Sie führen dazu, dass steuerliche Einnahmen stärker belastet werden.

Mythos Nr. 10: Ab dem 18. Lebensjahr ist Schluss mit Kindergeld

Hier handelt es sich glücklicherweise um einen Irrtum. Eltern erhalten auch noch bis zum 25. Geburtstag auf Antrag Kindergeld, wenn das Kind bestimmte Voraussetzungen erfüllt. Dazu zählt beispielsweise Arbeitslosigkeit, eine Übergangsphase zwischen zwei Ausbildungen oder wenn das Kind sich in der ersten Ausbildung oder im ersten Studium befindet. Das Kindergeld wird auch dann in voller Höhe gewährt, wenn das Kind nebenher noch arbeitet. Wird eine geistige, körperliche oder seelische Behinderung vor dem 25. Lebensjahr festgestellt, bekommen die Eltern ein Leben lang Kindergeld. Dazu muss der Schwerbehindertenausweis vorgezeigt werden.

Den ausführlichen Bericht zu den zehn häufigsten Steuermythen finden Sie im Finanztest-Heft 9/2019.