Stalking-Drama im Sauerland: 73 Jahre alte Frau belästigt katholischen Pfarrer

21. Juli 2016 - 15:24 Uhr

Stalker akzeptieren kein 'Nein'

Jeder Mensch ist im Leben schon einmal zurückgewiesen worden. Die normale Reaktion auf eine Abfuhr ist, vom Objekt der Begierde abzulassen. Doch Stalker nehmen die Wirklichkeit oft verzerrt wahr und weigern sich, die Realität anzuerkennen. So auch im Fall einer liebestollen 73-Jährigen aus dem Sauerland: Seit nunmehr 15 Jahren hinterlässt sie bei dem katholischen Pfarrer Michael H. jeden Tag anrüchige Geschenke und taucht in sündig roten Dessous vor seiner Haustüre auf. Mittlerweile sind die Nerven des Geistlichen stark strapaziert, denn höfliches Ignorieren ist kaum mehr möglich: Die Stalkerin dreht Musik schallend laut auf, wenn sie mit einem Hauch von Nichts bekleidet in seiner Einfahrt herumtänzelt.

Stalking-Drama im Sauerland
Christel G. stalkt den katholischen Pfarrer bereits seit 15 Jahren.
© dpa, Jörg Taron

"Ich ekele mich davor jedes Mal. Danach wasche ich mir dreimal vor Ekel die Hände", klagt Michael H., als er ein Geschenk von Christel G. aufhebt. Nahezu jeden Tag findet er Blumen mit Phallus-Symbolen wie Möhren vor seinem Haus. Für ihr Stalking verurteilte ein Gericht die Rentnerin im Jahre 2013 sogar zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten. Doch zum Leidwesen von Michael H. befindet sich Christel G. nicht hinter Gittern.

Der katholische Pfarrer versteht das nicht und verspürt nur noch Wut, wenn er an Christel G. denkt. Schließlich belästigt sie ihn weiterhin ungestört: Sie lauert ihn nach den Gottesdiensten auf, schreit ihm ihre sexuellen Fantasien hinterher. "Ich versuche, sie immer abzuhängen. Das gelingt mir nicht immer, weil dieses Geschrei ertrage ich nicht mehr. Die perversen Fantasien einer 73-jährigen Frau interessieren mich nicht. Die Frau sollte sich auch mal überlegen, wie alt sie ist und sich schämen", regt sich der Pfarrer auf.

Das Gericht befand Christel G. für nicht schuldfähig

Das Gericht kann Michael H. wohl nicht helfen. Erst wurde die Rentnerin zu vier Monaten Gefängnis verknackt, dagegen protestierte ihr Anwalt aber scharf. Er argumentierte, dass Christel G. wegen ihrer psychischen Probleme nicht schuldfähig sei. Das Gericht gab dem Anwalt Recht, deshalb kann Christel G. nun wieder in Unterwäsche bekleidet vor seiner Einfahrt strippen.

"Die Frau ist sicherlich nicht psychisch gesund, aber das gibt ihr nicht das Recht, ständig in mein Leben einzugreifen", sagt Michael H. Er will das Urteil nicht akzeptieren und hofft, dass Christel G. wenigstens für ein paar Monate in Haft muss. Dann hätte er wenigstens einmal kurze Zeit seine Ruhe vor ihr.