Versehen nur Stunden nach der Geburt im Krankenhaus

Als Baby vertauscht! 19-jährige fordert drei Millionen Euro Schadensersatz

Symbolbild: Ein Frühgeborenes im Inkubator.
Symbolbild: Ein Frühgeborenes im Inkubator.
© dpa, Britta Pedersen, ped;cse;rho

08. September 2021 - 13:11 Uhr

Durch diesen Fehler wurde ihr Leben viel schwerer

Das Schicksal einer 19-Jährigen bewegt derzeit ihr Heimatland Spanien: 2002 kam das Mädchen 2.290 Gramm schwer als Frühchen im Krankenhaus San Millán in der Stadt Logroño zur Welt – und musste für die erste Zeit getrennt von ihrer Mama in einen Inkubator. Fünf Stunden zuvor wurde ein anderes Mädchen im gleichen Krankenhaus geboren, auch die Kleine kam mit ihren 2.270 Gramm in einen Brutkasten. Und lebte schließlich jenes Leben, das für die 19-Jährige bestimmt war, denn: Die beiden Babys wurden damals vertauscht. Die junge Frau verklagt spanischen Medien zufolge nun die Gesundheitsbehörde von La Rioja. Ihre Forderung: drei Millionen Euro Schadensersatz.

DNA-Test im Rahmen einer Unterhaltsklage deckte Fehler auf

Die Frau sei durch den Fehler im Krankenhaus 2002 in eine Familie mit vielen Problemen gekommen, im Alter von gerade einmal einem Jahr ging deshalb auch die Vormundschaft für das Kind auf die vermeintliche Oma über. Das meldet die Nachrichtenagentur "Europa Press" unter Berufung auf den Anwalt der Klägerin, José Saez-Morga.

Als die Großmutter dann 2017 den vermeintlichen Vater des Kindes auf Unterhalt verklagen wollte und ein DNA-Test gemacht wurde, flog der Fehler auf. Und ließ für das Mädchen eine Welt zusammenbrechen.

Klägerin lernte leibliche Mutter nie kennen

2018 soll dann bei einer internen Ermittlung herausgefunden worden sein, dass der Fehler im Inkubator-Raum des Krankenhauses passiert sein muss. Doch für die junge Frau kam diese Information zu spät: Sie lernte ihre leibliche Mutter nie kennen, sie verstarb kurz zuvor.

Die andere Frau, die ebenfalls bei einer falschen Familie aufwuchs, sei darüber inzwischen informiert worden, habe aber bisher keine Klage eingereicht, berichteten der staatliche TV-Sender RTVE und die Zeitung "El País" übereinstimmend. Die Gesundheitsbehörde habe die durch "menschlichen Irrtum" erfolgte Verwechslung eingeräumt – wolle aber nur 215.000 Euro Entschädigung zahlen.

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Verfahren aktuell unterbrochen

Bis geklärt wird, wie hoch die Entschädigung für die Klägerin ausfällt, ist das Verfahren aktuell unterbrochen. Es wird auf das Ergebnis eines neuen DNA-Tests gewartet – ein Abgleich mit dem mutmaßlichen wahren Vater, um die biologischen Eltern der 19-Jährigen eindeutig zu identifizieren.

Spaniens Gesundheitsministerin Sara Alba soll den Fall bestätigt haben und betonte den Berichten zufolge, die heutigen Sicherheitsmaßnahmen in den Kreißsälen machten eine Verwechslung wie 2002 praktisch unmöglich. (ana/dpa)