Kommunen und Wirtschaft warnen

Sozialer Wohnungsbau droht einzubrechen: Kommt jetzt der Mietpreis-Hammer?

ARCHIV - 05.03.2021, Brandenburg, Potsdam: Ein Arbeiter dirigiert auf einer Baustelle einen Kran. (zu dpa: Bauminister für Förderungen nicht nur für sozialen Wohnungsbau) Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Bis zu 70 Prozent der geplanten Bauprojekte könnten nicht umgesetzt werden.
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Inflation und steigende Baukosten: Kommunen und Wohnungswirtschaft warnen davor, dass der soziale Wohnungsbau einzubrechen droht. Bis zu 70 Prozent der geplanten Bauprojekte könnten nicht umgesetzt werden. Die Folge: Mieten könnten noch teurer werden.

„Es ist ein brutaler Stopp, aber mit Ansage“

"Die steigenden Baukosten führen derzeit dazu, dass zahlreiche Neubauprojekte im frei finanzierten sowie im geförderten Wohnungsbau auf Eis gelegt beziehungsweise nicht neu begonnen werden“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg der „Augsburger Allgemeinen“. „Dies führt gerade in Ballungszentren zu einer weiteren Wohnraumverknappung und damit verbunden partiell auch zu einem Anstieg von Mieten“, warnt er.

Auch der Präsident des Spitzenverbands der Wohnungswirtschaft GdW, Axel Gedeschko warnt: „Unsere internen Umfragen lassen darauf schließen, dass etwa 70 Prozent aller geplanten Projekte entweder komplett abgesagt werden oder zumindest für längere Zeit zurückgestellt werden“, sagt Gedaschko. „Es ist ein brutaler Stopp, aber mit Ansage.“ Der Verband vertritt 3.000 Wohnungsbaugenossenschaften, kommunale, kirchliche, privatwirtschaftliche, lands- und bundeseigene Wohnungs- und Immobilienunternehmen.

Es werde fertig gebaut, was „in der Pipeline“ sei und dann werde es immer weniger werden, sagte er der „Augsburger Allgemeinen Zeitung.“ „Wenn sich die Rahmenbedingungen für die soziale Wohnungswirtschaft nicht drastisch verbessern, könnten bis 2024 grob geschätzt schlimmstenfalls rund 60.000 Wohnungen allein von unseren Unternehmen nicht gebaut werden.“ Er kritisiert auch, dass die energetischen Standards Bauen immer teurer machten. „Wir stehen hinter den Klimaschutzzielen. Aber Klimaschutz muss sinnvoll umgesetzt werden und am Ende auch für unsere Mieter bezahlbar sein.“

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Die Bauminister der Länder haben unterdessen vor einer zu starken Fokussierung auf den sozialen Wohnungsbau bei der Förderpolitik gewarnt. Es brauche eine neue Balance zwischen frei finanziertem und sozial gefördertem Wohnungsbau, hieß es in einem gemeinsamen Beschluss nach der Bauministerkonferenz in Berlin am Freitag. Der sozial geförderte Wohnungsbau könne den Bedarf an bezahlbarem Wohnraum für breite Bevölkerungsgruppen nicht decken. Daher brauche es auch ausreichende und planbare Förderungen für den Neubau, der keinen Belegungs- und Mietbindungen unterliegt.

Die Ministerinnen und Minister der Länder berieten gemeinsam mit Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) über den weiteren Umgang mit den Ergebnissen des „Bündnisses bezahlbarer Wohnraum“. Generell sei eine weitere konstruktive Mitarbeit der Länder im Bündnis geplant. Die Länder pochen aber auch auf ihre Zuständigkeiten in der Gesetzgebung.

Die Bundesregierung will ungeachtet der Energiepreiskrise das Ziel von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr erreichen. Gelingen soll dies mit rund 190 Maßnahmen, auf die sich Bauwirtschaft, Gewerkschaften, Länder, Kommunen und weitere Verbände im „Bündnis bezahlbarer Wohnraum“ Mitte Oktober verständigten. (dpa/eku)

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