15. Mai 2019 - 16:07 Uhr

Die meisten Kunstschätze wurden gerettet

Einen Monat ist es her, seit die über 850 Jahre alte Kathedrale Notre-Dame in Paris in Flammen stand. Neue Aufnahmen zeigen, wie es aktuell in der schwer beschädigten Kirche aussieht.

Nationalversammlung für schnellen Wiederaufbau

ARCHIV - 17.04.2019, Frankreich, Paris: Eine Luftaufnahme der Pariser Kathedrale Notre-Dame zeigt die Brandschäden. Die zügige Restaurierung der Pariser Kathedrale Notre-Dame hat eine wichtige politische Hürde genommen: Knapp vier Wochen nach dem ver
Eine Luftaufnahme zeigt die Brandschäden an der Kathedrale.
© dpa, Gigarama.Ru, jga lof pil

Der Dachstuhl wurde in weiten Teilen zerstört, der Vierungsturm war bei dem Feuer eingestürzt. Eine Plane wurde über der weltberühmten Kathedrale angebracht, um das Bauwerk vor Regen zu schützen. Es ist nur eine kurzfristige Lösung.

Langfristig soll eine Art Regenschirm installiert werden. Dabei handelt es sich um eine stabile Konstruktion, die es auch den Handwerkern ermöglichen soll, unter ihr zu arbeiten. Zu diesem Zweck wurden auch Sicherheitsnetze an den riesigen Rosenfenstern montiert. Die hunderte Jahre alten Fenster waren bei dem Feuer nicht zerstört worden. Auch die meisten religiösen Kunstschätze konnten gerettet werden.

Kathedrale soll in fünf Jahren restauriert sein

Unterdessen treibt die französische Regierung den Wiederaufbau voran: Die Nationalversammlung hat für die Pläne einer raschen Restaurierung des frühgotischen Prachtbaus gestimmt. Der Gesetzentwurf sieht Ausnahmen unter anderem beim Denkmal- und Umweltschutz und bei öffentlichen Ausschreibungen vor. Ausnahmen, die das Verfahren deutlich beschleunigen könnten. Experten sehen das jedoch kritisch und verlangen, sich Zeit zu nehmen und Verantwortungsbewusstsein zu zeigen.

Präsident Emmanuel Macron hatte versprochen, die Kathedrale schnellstmöglich instandzusetzen. Er will, dass der Wiederaufbau des Wahrzeichens zu den Olympischen Spielen im Jahr 2024 fertig wird. Wie die weltberühmte Kirche am Ende aussieht, darüber scheiden sich die Geister. Eine repräsentativen Umfrage des französischen Meinungsforschungsinstituts YouGov ergab:

  • 54 Prozent der Franzosen befürwortet einen originalgetreuen Wiederaufbau der Kathedrale.
  • 25 Prozent sprachen sich für weniger strenge Vorgaben bei der Restaurierung aus - Architekten sollten sich ruhig die Freiheit nehmen, von den alten Plänen abzuweichen.
  • Gut ein Viertel (21 Prozent) hat sich zu dieser Frage keine Meinung gebildet.

Architekten mit spektakulären Ideen für den Wiederaufbau

Die Regierung hatte einen internationalen Architekturwettbewerb für den Wiederaufbau ausgeschrieben. Schon jetzt gibt es Vorschläge von Architektenbüros aus aller Welt. Unter anderem die Idee, Notre-Dame mit einem durchsichtigen Glasdach zu bestücken. Die Entwürfe zeigt unsere Bilderstrecke.

Gefahr durch Bleirückstände

15.04.2019, Frankreich, Paris: Rauch steigt von der brennenden Kathedrale Notre-Dame auf. Ein verheerendes Feuer hat die weltberühmte Pariser Kathedrale Notre-Dame verwüstet. Foto: Diana Ayanna/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Die Bleirückstände sind auf das Schmelzen von Blei in der Turmabdeckung und auf dem Dach während des Brandes zurückzuführen.
© dpa, Diana Ayanna, TH pat

Mehrere Umweltorganisationen forderten die Regierung unterdessen auf, etwas gegen die hohe Bleikonzentration zu unternehmen und deren Auswirkungen auf die Gesundheit der Anwohner zu prüfen. Bei dem Brand sollen große Mengen hochgiftiges Blei geschmolzen sein. 

Die Bewohner des betroffenen Gebiets könnten nach Einschätzung der Umweltorganisation "Robin des Bois" mehrere Monate oder gar Jahre beim Atmen Bleistaub ausgesetzt sein. Anwohner wurden von der Polizei dazu aufgerufen, Staub mit feuchten Tüchern in Wohnungen oder Betriebsräumen zu entfernen.

Für den Wiederaufbau wurde bislang fast eine Milliarde Euro gespendet. Über die Kosten der Instandsetzung ist noch nichts bekannt. Fachleute schätzen, dass die Restaurierung zwischen 600 und 700 Millionen Euro kosten wird. Die Brandursache ist noch nicht geklärt. Arbeiter hatten auf dem Baugerüst der Notre-Dame geraucht - trotz Verbots. Dies soll aller Wahrscheinlichkeit jedoch nicht zu dem Großbrand geführt haben.