Nur Chips als Ausnahme

Frau isst seit fast 30 Jahren nur Käse-Sandwiches

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16. September 2019 - 20:16 Uhr

April hat panische Angst, etwas anderes zu essen

So ein Käsebrot ist etwas Leckeres. Für April Griffiths aus dem englischen Nuneaton ist es jedoch nicht nur das – es ist überlebenswichtig. Denn die 29-jährige Mutter kann sich einfach nicht überwinden, etwas anderes zu essen. Nur Chips sind gelegentlich drin. Ihr ganzes Leben lang versucht sie schon, gegen ihre Angst anzukämpfen. Wie hält ihr Körper das aus?

Brechreiz und Panikattacken

Käse-Sandwiches zum Frühstück, Mittagessen und Abendbrot: So sieht Aprils Speiseplan aus, seit sie als Kleinkind anfing, feste Nahrung zu sich zu nehmen. Daran zu rütteln, ist für sie völlig undenkbar: "Jedes Mal, wenn ich versuche, neue Dinge zu probieren, bekomme ich eine Panikattacke, mein ganzer Körper zittert", erklärt sie der britischen Zeitung "Mirror". "Die Erwartung, würgen zu müssen und Lebensmittel mit einer anderen Textur im Mund zu fühlen, macht mir Angst. Und auch wenn ich versucht habe, erbsengroße Portionen Reis, Pasta oder Gemüse zu essen, konnte ich sie nie runterschlucken, ohne zu brechen."

Hypnosetherapie half April nur kurzfristig

April Griffiths mit Orangensaft, Chips und Käse-Sandwich
Nur Chips und Orangensaft ergänzen Aprils Ernährung.
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April leidet offenbar an einer extremen Form der selektiven Essstörung. Betroffene können nur ganz bestimmte Lebensmittel essen, andere lösen in ihnen teilweise sogar so eine Panik aus, dass sie sie nicht einmal riechen können. Um diese Angst zu überwinden, gab die junge Frau nach eigenen Angaben bereits ein Vermögen für Hypnosetherapie-Sitzungen aus. Für kurze Zeit schaffte sie es dadurch sogar, Reis zu essen, doch die Mutter von zwei Kindern konnte sich die Behandlung, die nicht vom nationalen Gesundheitssystem (NHS) übernommen wird nicht länger leisten.

"Ich würde so gerne mal einen Auflauf essen, aber ich könnte es nicht ertragen: Die Art, wie sich Gemüse, Kartoffeln und Fleisch berühren, würde mir Übelkeit verursachen", klagt April. Auch ihr Freund Leigh, mit dem sie seit neun Jahren zusammen ist, schaffte es nicht, daran etwas zu ändern. Nur Chips mit Käse-Zwiebel- oder Krabbencocktail-Geschmack bieten April etwas Abwechslung.

„Die Ärzte haben mir gesagt, ich sei gesund“

April Griffiths als Kind
Schon als kleines Kind bekam April kaum Essen herunter.
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Obwohl Betroffene mit einer so massiven Essstörung wie April häufig unter Vitamin- und Nährstoffmangeln leiden und schwere gesundheitliche Schäden erleiden, scheint ihre einseitige Ernährung noch keine offensichtlichen Folgen zu haben: "Als ich als Baby anfangen sollte, feste Nahrung zu essen, machten sich meine Eltern große Sorgen, weil ich entweder nicht aß oder sofort brechen musste. Sie verbrachten so viele Nächte damit, sich deshalb zu stressen und zu weinen. Sie brachten mich zum Arzt, aber medizinisch gesehen war alles immer in Ordnung und das ist immer noch so: Die Ärzte haben mir gesagt, ich sei gesund." Ihre Vitamine bekommt April offenbar durch Orangensaft: Davon trinke sie drei große Kartons pro Tag, erzählt sie dem "Mirror".

April sorgt sich um Vorbildfunktion für ihre Kinder

April Griffiths und ihre Familie
April und ihre Familie
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Sorgen macht sich April jetzt allerdings um ihre eigenen Kinder Charlie (zwei Jahre) und Daisy (acht Monate). Denn Charlie bemerkt langsam, dass sie nicht das Gleiche isst wie er, und würde auch lieber Chips zum Abendessen haben. Deshalb isst sie jetzt immer erst nach ihrem Sohn und in einem anderen Raum, damit er nicht die gleiche Störung wie sie entwickelt. Leigh hofft, dass seine Freundin irgendwann ihre Lebensmittelphobie überwindet: "Es mag ihr jetzt nichts ausmachen, aber in ein paar Jahren könnte sie deshalb ernste gesundheitliche Probleme bekommen. Trotzdem liebt er April, wie sie ist.

Im Video: Orthorexie - wenn gesundes Essen zum Zwang wird

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