Schwere Mangelernährung

Teenager isst fast nur Pommes und Chips – jetzt ist er so gut wie blind

Kein Obst oder Gemüse, fast nur Pommes oder Chips: Diese einseitige Ernährung verursachte bei dem Teenager schwere gesundheitliche Schäden.
Kein Obst oder Gemüse, fast nur Pommes oder Chips: Diese einseitige Ernährung verursachte bei dem Teenager schwere gesundheitliche Schäden.
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04. September 2019 - 10:56 Uhr

Jahrelanger Vitaminmangel forderte Tribut

Pommes frites, Chips, Weißbrot, ab und zu ein Stück Schinken oder Wurst: Das ist alles, was ein 17-Jähriger über Jahre gegessen hat. Mit dramatischen Folgen: Heute ist der Teenager beinahe komplett erblindet. Im Fachmagazin "Annals of Internal Medicine" warnen Ärzte nun vor den schlimmen Schäden, die eine dermaßen einseitige Ernährung - nichts anderes als eine ausgeprägte Essstörung - verursachen kann.

Weil er immer dünn war, schöpften die Eltern keinen Verdacht

Die Leidensgeschichte des betroffenen Jungen nahm seinen Anfang offensichtlich bereits im Alter von etwa sieben Jahren. Der britischen Zeitung "Independent" erklärte seine Mutter, die anonym bleiben will: "Er kam von der Schule nach Hause, ohne sein Lunch-Paket angerührt zu haben. Ich machte ihm leckere Sandwiches, packte einen Apfel oder andere Früchte ein, aber er wollte nichts davon essen." Obwohl ihr Sohn fast nur Fast Food aß, machten sich die Eltern keine größeren Sorgen: "Er war damals genauso fit und gesund wie seine Geschwister. Man hört immer von Junk Food und Übergewicht, aber er war dünn wie ein Stock."

Arzt verschrieb Vitamine, doch der Junge verweigerte sie

Doch offenbar entwickelte der Junge über Jahre eine sogenannte selektive Essstörung. Dabei werden oft nur ganz bestimmte Lebensmittel akzeptiert, während alle anderen einen so großen Ekel auslösen, dass Betroffene sich nicht überwinden können, sie zu probieren – geschweige denn zu essen. Als der Brite mit 14 Jahren zum Hausarzt ging, weil er sich kraftlos und müde fühlte, stellte dieser einen Mangel an Vitamin B12 fest und verschrieb ihm entsprechende Präparate. Da der Teenager diese allerdings nicht nahm, verschlechterte sich sein Zustand immer weiter: Seine Hörfähigkeit nahm ab und nach und nach verlor er seine Sehkraft.

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Schädigung des Sehnervs kann nicht rückgängig gemacht werden

Dr. Denize Atan, Co-Autorin der Fallstudie, erklärt: "Er hat blinde Flecken in der Mitte des Sichtfelds. Das heißt, er kann nicht Auto fahren, hat Schwierigkeiten zu lesen, Fernsehen zu schauen oder Gesichter auseinanderzuhalten. Er kann sich aber eigenständig bewegen, da das seitliche Sehen noch funktioniert." Auch für den Rest des Körpers war der jahrelange Nährstoff- und Vitaminmangel offenbar gravierend: "Er hatte Mineralien in den Knochen verloren, was für einen Jungen in seinem Alter wirklich ziemlich schockierend war."

Der Teenager wird jetzt von Ernährungsspezialisten und Psychologen behandelt, doch der geschädigte Sehnerv kann offenbar nicht wiederhergestellt werden. Dr. Atan weist darauf hin, dass solche extremen Fälle sehr selten sind. Dennoch rät sie Eltern, die Hilfe von Experten in Anspruch zu nehmen, wenn das Kind über längere Zeit starke Abneigungen gegen Lebensmittel zeigt und nur wenige Dinge essen möchte.

Im Video: Auch für den kleinen Paul ist Essen ein einziger Kampf

Auch der fünfjährige Paul aus Deutschland leidet an einer hochselektiven Essstörung: Er akzeptiert insgesamt nur rund 15 Lebensmittel, etwa knuspriges Brot oder Bananen. Seine Mutter Peggy Lux verzweifelte immer mehr, alle Versuche, ihm ein normales Verhältnis zu Essen zu vermitteln, scheiterten. Über einen Spendenaufruf sammelte sie Geld, um ihren Kleinen in einer Spezialklinik in Graz behandeln zu lassen. Mit Erfolg: Inzwischen hat Paul seine Therapie begonnen, und die Familie schöpft endlich wieder neue Hoffnung.