Robert B. ist Leiter des „Orden der Transformanten“

Missbrauchte der "Prophet" von Goch Sektenmitglied Emma jahrelang?

Der Angeklagte, Robert B., muss sich ab Freitag vor dem Landgericht Kleve verantworten.
Der Angeklagte, Robert B., muss sich ab Freitag vor dem Landgericht Kleve verantworten.
© RTL

18. Juni 2021 - 12:52 Uhr

Dem "Propheten" drohen bis zu 15 Jahre Haft bei einer Verurteilung

Von außen sieht es hier sehr idyllisch aus: Das ehemalige Kloster Graefenthal am Rande von Goch (NRW) liegt zwischen Feldern, Wäldern und drei Seen. Doch für Emma (25) soll es hier wie im Gefängnis gewesen sein. Jahrelang soll sie dort von dem selbsternannten "Prophet" der Glaubensgemeinschaft "Orden der Transformanten" missbraucht und gegen ihren Willen festgehalten worden sein. Am Freitag startete vor dem Landgericht Kleve der Prozess gegen Robert B. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft.

Anklage: Sexueller Missbrauch in über 130 Fällen

Mit einem Großaufgebot der Polizei wurde Emma aus der Sekte in Goch befreit.
Mit einem Großaufgebot der Polizei wurde Emma aus der Sekte in Goch befreit.
© dpa, Guido Schulmann, ve cul tba

2004 soll Emma mit ihrer Familie der Glaubensgemeinschaft beigetreten und in das ehemalige Kloster gezogen sein. Dann soll das Martyrium begonnen haben. Im Prozess tritt die heute 25-Jährige als Nebenklägerin und Zeugin auf.

Die Anklage gegen den "Propheten" wiegt schwer: "Er muss sich heute hier wegen sexuellen Missbrauchs einer Schutzbefohlenen in über 130 Fällen in Tateinheit mit sexuellen Missbrauch eines Kindes in über 60 Fällen sowie wegen Freiheitsberaubung verantworten", erklärte der Sprecher des Landgerichts, Kleve Alexander Lembke, gegenüber RTL. "Ihm drohen bis zu 15 Jahre Haft." Das bedeutet: Der 58-jährigen Niederländer Robert B. soll Emma (25) jahrelang missbraucht haben. Zu einem großen Teil der Fälle war die junge Frau dabei unter 14 Jahre alt.

Emma soll in dem Kloster festgehalten worden sein

Stellte Emmas Liebhaber diesen Teddy am Seeufer auf, um ihr Mut zu machen?
Emmas neuer Freund soll diesen Teddy am Seeufer gegenüber des Klosters aufgestellt haben, um ihr Mut zu machen.
© AD/privat

Das Kloster soll somit nicht nur die persönliche Hölle, sondern auch wie ein Gefängnis für Emma gewesen sein. "Darüber hinaus soll B. die Geschädigte in den letzten Wochen vor dem polizeilichen Zugriff im Oktober letzten Jahres eingesperrt haben und ihr jegliche Kommunikation zur Außenwelt untersagt habe", so Lembke im RTL-Interview am Freitag. Grund dafür soll gewesen sein, dass Emma einen neuen Freund kennengelernt habe – außerhalb des Klosters. Das habe sie dem 58-jährigen erzählt.

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Verteidigern des "Propheten" weist Vorwürfe zurück

Die Verteidigerin des Angeklagten, Pantea Farazhadi, wies nach dem Auftakt des Prozesses alle Vorwürfe zurück: "Die Hauptverhandlung wird ergeben, dass keine Vorwürfe gegen meinen Mandanten gestützt werden können." Emma habe bereits vor vielen Jahren zu den Vorwürfen gesagt, dass diese frei erfunden seien. Außerdem habe sie sich selbst als "vielleicht schizophren" bezeichnet, so Farazhadi gegenüber RTL.

Der Rechtsanwalt des Angeklagten Rüdiger Deckers sieht als Motiv für die vermeintliche Falschaussage die Beziehung von Emma: "Die lag im Konflikt mit den Dingen, die sich im Kloster abgespielt haben. Das heißt auch, dass es da irgendwann mal zum Knall gekommen ist, einfach deshalb, weil der Lover erfahren hat, da gibt es ja noch was anderes", führt Deckers gegenüber RTL aus. Er habe Emma vor die Wahl gestellt: er oder das Kloster. "Dann gab es einen relativ tragischen Konflikt um Beziehungen."

Mit der Aussage von Emma wird am 30. Juni gerechn

Der Angeklagte selbst hatte sich zuvor im Gericht nur zu seinen Personalien geäußert. Beim Betreten des Gerichtssaals verbarg er sein Gesicht hinter einer mit einem Sehschlitz vorbereiteten Aktenmappe. Auf RTL-Reporter Valerio Magno wirkte der Angeklagte leicht angespannt. Jedoch habe er mit einem leichten kaum erkennbaren Lächeln vor Prozessauftakt noch ins Publikum gezwinkert – unser Reporter vermutete dort Mitglieder der Glaubensgemeinschaft.

Auf Antrag der Verteidigung wurde noch vor der Verlesung der Anklage die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Was sich tatsächlich hinter den Mauern des Klosters abgespielt hat, soll nun im weiteren Verlauf des Prozesses geklärt werden. Zehn Prozesstage sind anberaumt. Mit der Aussage von Emma wird am 30. Juni gerechnet. (nfi)