Der Feind im eigenen Stall

Von Ayrton Senna bis Sebastian Vettel: Die spektakulärsten Teamduelle der Formel 1

25. November 2019 - 9:24 Uhr

Stallduelle haben lange Formel-1-Tradition

Der Feind im eigenen Stall: Nach dem Unfall zwischen Sebastian Vettel und Charles Leclerc in Brasilien herrscht bei Ferrari Alarmstufe Rot. Der teaminterne Konflikt hat in der Formel 1 eine lange Tradition. Eine Auflistung aus gegebenem Anlass.

Alain Prost und Ayrton Senna (McLaren)

Die Mutter aller Teamduelle: Auf der einen Seite der berechnende 'Professor' Prost, auf der anderen der impulsive Senna. Beide reden schon lange kein Wort mehr miteinander, als ihr Streit 1989 beim Großen Preis von Suzuka eskaliert.

Es geht um nicht weniger als die Vorentscheidung im Kampf um die WM-Krone: Senna muss gewinnen, um seine Chancen zu wahren, und attackiert seinen in Führung liegenden McLaren-Rivalen. Doch der macht die Tür zu, es kommt zur Kollision. Prost steigt aus, Senna lässt sich von Streckenposten anschieben, fährt weiter, gewinnt und wird disqualifiziert. Prost holt seinen dritten WM-Titel und flüchtet zu Ferrari. 

Ayrton Senna -BRA- und Teamkollege Alain Prost -FRA- McLaren MP4/5 F1 GP Japan 1989
Crash in Japan 89: Prost (hinten) und Senna fuhren sich in Suzuka in die Karre
© picture-alliance / ASA, World Racing Images

Nelson Piquet und Nigel Mansell (Williams)

Auf der Strecke gehen sich der Brasilianer und der Brite meistens aus dem Weg, aber in der Öffentlichkeit kultivieren sie ihre gegenseitige Abneigung und versuchen gar nicht erst, ihre private Fehde zu verheimlichen.

Besonders Schlitzohr Piquet geht in die Vollen und bezeichnet Mansells Frau als "hässlich". Außerdem klaut er einmal sämtliches Klopapier von der Teamtoilette, als Mansell Durchfall hat. Mittlerweile reden die beiden einstigen Streithähne längst wieder miteinander. 

Bildnummer: 04011059  Datum: 01.03.1986  Copyright: imago/LAT PhotographicTeamchef Frank Williams mit seinen Fahrern Nigel Mansell (beide England, li.) und Nelson Piquet (Brasilien / alle Williams Honda) - PUBLICATIONxINxGERxONLY (LAT200005120235); V
Nigel Mansell (l.) und Nelson Piquet konnten sich in ihrer Zeit bei Williams nicht riechen
© imago sportfotodienst

Gilles Villeneuve und Didier Pironi (Ferrari)

Sie liefern sich 1982 in Imola ein legendäres Rennen mit zahlreichen Überholmanövern, die die Teamleitung arg ins Schwitzen bringen und dazu veranlassen, ein Schild mit der Aufschrift "SLOW" an die Boxenmauer zu hängen. Pironi ist es egal, er bricht den Nichtangriffspakt und zieht kurz vor Schluss an dem Kanadier vorbei.

Villeneuve spricht von einem gebrochenen Versprechen. Pironi hält dagegen, er sei Rennfahrer und habe nichts zu verschenken. Villeneuve schwört: "Mit dem rede ich kein Wort mehr." Zwei Wochen später kommt der legendäre Kanadier im Abschlusstraining in Zolder ums Leben. 

Fernando Alonso und Lewis Hamilton (McLaren)

Lewis Hamilton (England, li.) und Fernando Alonso (Spanien / beide McLaren Mercedes) auf den Plätzen 1 und 2 nach dem Qualifying des GP Japan 2007 - PUBLICATIONxNOTxINxUK
So harmonisch ging es zwischen Lewis Hamilton und Fernando Alonso in den seltensten Fällen zu
© imago/Crash Media Group, imago sportfotodienst

2007 kommt Alonso als amtierender Weltmeister zu den Engländern in dem Glauben, die Nummer 1 zu sein. Doch Neuling Hamilton steckt zur Überraschung aller nicht zurück und treibt den Spanier zur Weißglut. Am Ende bereitet der Streit den Boden für Kimi Räikkönens Titelgewinn im Ferrari.

Die Fehde eskaliert während des Qualifyings in Ungarn, als Alonso Hamilton blockiert, obwohl er längst weiterfahren könnte. Die "spanische Blockade" bringt das Fass zum Überlaufen, Alonso geht zurück zu Renault. 

Alain Prost und Nigel Mansell (Ferrari)

Gestählt vom Duell mit Senna sucht Prost auch bei Ferrari seine Vorteile. Konkurrent Mansell hat ihn 1990 in Portugal nach einem missglückten Manöver fast in die Boxenmauer gerammt, danach betreibt der schlaue Franzose geschickt Politik gegen den Briten. Mansell behauptet, Prost habe das Team gegen ihn aufgebracht. Resultat: Absolute Funkstille zwischen den Rivalen. 

Sebastian Vettel und Mark Webber (Red Bull)

German Sebastian Vettel (R) and Australian Mark Webber (L) both of Red Bull after their cars collided during the Turkish Grand Prix at Istanbul Park circuit in Istanbul, Turkey on 30 May 2010. Webber came in third, Vettel was forced to retire. EPA/ST
Sebastian Vettel schied 2010 nach einem Crash mit Red-Bull-Kollege Mark Webber beim Türkei-GP aus
© dpa, Stringer

Die "Bullen" geraten immer wieder aneinander: In der Türkei 2010 muss Vettel seinen Wagen nach einem Angriff auf den führenden Webber und dem anschließenden Crash abstellen. Damals zeigt Vettel Webber den Vogel. Beim Saisonfinale 2012 kracht es in Sao Paulo, als, wie es später heißt, "alle für Vettel gefahren sind außer Webber".

In Malaysia 2013 zeigt Webber Vettel den Mittelfinger, um seinem Ärger nach dessen Missachtung einer Stallregie Luft zu verschaffen. Wenig später kündigt der Australier seinen Abschied aus der Formel 1 an. 

Nico Rosberg und Lewis Hamilton (Mercedes)

Formel 1, GP von Spanien, Unfall der beiden Mercedes in der ersten Runde  Circuit de Catalunya, Barcelona, Spain. Sunday 15 May 2016.Nico Rosberg, Mercedes F1 W07 Hybrid and Lewis Hamilton, Mercedes F1 W07 Hybrid make contact. World _L0U9895 PUBLICAT
Nico Rosberg und Lewis Hamilton fuhren sich nicht nur beim Spanien-GP 2016 über den Haufen
© imago/LAT Photographic, imago sportfotodienst

Die beiden kennen sich seit Teenager-Tagen im Kart und wurden in der Vergangenheit gerne als Freunde bezeichnet. Damit ist es schnell vorbei, als Hamilton 2013 zu Mercedes kommt und Rosberg sich bereits im zweiten Rennen in Malaysia per Stallorder hinter dem Ex-Weltmeister einreihen muss.

Es entwickelt sich ein knallhartes Duell, Rosberg will nicht immer nur zurückstecken. 2014 in Belgien und 2016 in Spanien eskaliert der Krieg der Sterne, es kommt zu zwei spektakulären Unfällen. 

Sebastian Vettel und Charles Leclerc (Ferrari)

 13th October 2019 Suzuka Circuit, Suzuka City, Japan Formula One Japanese Grand Prix, Race Day Sebastian Vettel and Charles Leclerc after qualifying first and second - Editorial Use PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxSWExNORxDENxFINxONLY ActionPlus12176
Zwischen Charles Leclerc und Sebastian Vettel knirscht es momentan gewaltig
© imago images/Action Plus, Stephen Blackberry via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Vettel, der Ex-Weltmeister und die eigentliche Nummer eins der Scuderia, sowie Leclerc, aufmüpfiger Jungspund, schenken sich seit Beginn dieser Saison nichts. Zunächst beschränkt sich die Rivalität auf kleinere Sticheleien und Seitenhiebe, immer wieder hat das Team zudem Mühe, das Duell der beiden auf der Strecke in geregelten Bahnen zu halten.

In Brasilien funktioniert das nicht mehr. Weder Vettel noch Leclerc geben nach, der Zweikampf endet im Fiasko. Der Unfall dürfte noch lange nachwirken.

SID

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