Truppenversuch ab April

Schweizer Armee testet Unterwäsche für Frauen - bislang gab's nur Männerschlüpfer

Die Schweizerarmee will Soldatinnen jetzt auch mit Damenunterwäsche ausstatten.
Die Schweizerarmee will Soldatinnen jetzt auch mit Damenunterwäsche ausstatten.
© picture alliance/KEYSTONE | JEAN-CHRISTOPHE BOTT

01. April 2021 - 17:15 Uhr

Gleichberechtigung auch in der Schweizer Armee

Nur rund 1% aller Soldaten in der Schweizer Armee sind nach Angaben der BBC Frauen – und das zeigt sich auch in Sachen Uniformen. Denn bislang mussten Soldatinnen Männerschlüpfer tragen. Das soll sich nun ändern.

Passgenaue Uniformen sind "eine Frage der Wertschätzung"

Bundesraetin Viola Amherd, stellt Michaela Schaerer, designierte Direktorin des Bundesamtes fuer Bevoelkerungsschutz, BABS, vor, am Donnerstag, 26. November 2020, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)
Bundesrätin Viola Amherd will die Schweizer Armee umrüsten und frauenfreundlicher machen.
© picture alliance, picture alliance/KEYSTONE | PETER SCHNEIDER, PETER SCHNEIDER

Die "Aargauer Zeitung" berichtet, dass zur Standarduniform bisher nur eine Männerunterhose gehört. Wen wundert es da, dass so wenig Frauen bei einem derart maskulinen Arbeitgeber anheuern mögen? Das hat auch Verteidigungsministerin Viola Amherd erkannt und will die Schweizer Armee umrüsten - das erste Mal seit den 80ern. Damals sei die letzte Uniformbeschaffung erfolgt, wie der Ausrüster "Armasuisse" der Zeitung mitteilte. "Vor diesem Hintergrund kommt in der Beschaffung der aktuellen Ausrüstung für die Frauen eine gleichgroße Bedeutung zu wie den Männern."

Nun also, nach vier Jahrzehnten Herrenschlüpfern, endlich auch ein Modell für Soldatinnen. "Die alte Uniformgeneration war zu wenig auf die spezifischen Bedürfnisse der Frauen ausgerichtet", so ein Sprecher. Ab April finde ein Truppenversuch statt, in dem eine lange und eine kurze Unterhose erprobt würden.

Soldatinnen mussten den ganzen Tag Männerunterwäsche tragen

Nationalrätin Marianne Binder entlockt es ein Schmunzeln, dass den Verantwortlichen diese Idee nicht schon früher in den Sinn gekommen sei. "Die Ausrüstung ist auf Männer konzipiert, aber wenn die Armee wirklich weiblicher werden soll, braucht es entsprechende Massnahmen." Unterwäsche für Frauen, die seit 2004 denselben Dienst wie Männer verrichten – nur unter erschwerten Bedingungen –, sei daher das Mindeste.

Ob es denn nicht wichtigere Probleme gebe, wird Binder gefragt. "Selbstverständlich", entgegnet sie, "aber angesichts der vielen positiven Zuschriften auf diesen Vorstoß ist mir klar geworden, wie viele Leute von morgens bis abends Uniformen tragen, nicht nur in der Armee. Und alle sagen, es sei eben schon eine Frage der Wertschätzung."

Major Tamara Moser, die erste Frau im Vorstand der Schweizerischen Offiziersgesellschaft und Projektleiterin "Armee und Fraueninklusion", übt ebenfalls Kritik am mangelnden Änderungswillen: "Seit 2004 unternimmt die Armee nicht die notwendigen Schritte, um Frauen strukturell und kulturell in die Armee zu inkludieren", wird sie in der "Aargauer Zeitung" zitiert.

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Hierzulande ist man schon einen Stück weiter – auch Dank der ehemaligen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die es sich auf die Fahnen geschrieben hatte, dem Arbeitgeber Bundeswehr ein frauenfreundliches und modernes Image zu verpassen. So gibt es seit 2018 soagr Umstandsuniformen für Schwangere und auch Damen-Handtaschen, Pumps und Sport-BHs wurden 2016 auf Anweisung der obersten Dienstherrin geordert, das Bekleidungskonzept überarbeitet und in puncto Schnitte und Materialien zeitgemäßer gestaltet.

Zudem rückt die Vereinbarkeit von Beruf und Kindern stärker in den Fokus. Gegen Bezahlung reserviert die Bundeswehr immer mehr Kita-Plätze für den Nachwuchs der Soldaten. Die Zahl hat sich in den vergangenen sechs Jahren von 277 im Jahr 2014 auf 632 Plätze bundesweit mehr als verdoppelt. Über weitere rund 200 Plätze werden derzeit Gespräche geführt.