Psychologin klärt auf

Schwanger mit 14: Was macht das mit der Psyche?

Teenager brauchen viel Unterstützung
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01. Juli 2020 - 14:42 Uhr

14-jährige Schwangere will mit 10-jährigem Freund Kind aufziehen

Darya Sudnishnikova ist erst 13 Jahre alt, als sie schwanger wird. Die heute 14-jährige Russin hat Angst vor der Geburt, beteuert aber, das Kind mit ihrem erst 10-jährigen Freund großziehen zu wollen. Angeblich stammt das Kind aus einer Vergewaltigung, der 10-Jährige sei also nicht der Vater. Was in den beiden Teenagern gerade vorgehen muss und ob sie in dem Alter überhaupt in der Lage sind, ein Baby großzuziehen, erklärt Psychologin Cordula Leddin.

"Belastung kann gar nicht abgeschätzt werden"

In einem Punkt ist sich Cordula Leddin sicher: Ohne Unterstützung aus dem Elternhaus oder von anderen Verwandten ist es fast unmöglich ein Baby großzuziehen. "Die beiden können die Belastung überhaupt noch gar nicht abschätzen. Gerade der 10-Jährige hat sicherlich ganz große Schwierigkeiten damit, die Verantwortung einzuschätzen. Aus dem kindlichen Denken heraus meint er, alles schaffen zu können. Und auch die 14-Jährige kann nur als Mutter agieren, wenn sie ganz viel Unterstützung bekommt.", so Cordula Leddin.

"Es gibt ja 14-Jährige, die sehr reif sind. Aber das Mädchen aus Russland scheint mir doch noch sehr kindlich zu sein. Für beide wird es eine extreme Aufgabe, die sie sicher sehr schnell reifen lassen wird.", so Leddin.

"Vermutlich fehlt der Halt im Leben"

Die Psychologin glaubt, dass sich beide nur deswegen für diese Aufgabe entschieden haben, weil sie sonst keinen Halt im Leben haben. "Mit Sicherheit ist das Mädchen hilflos und alleingelassen. Sie greift nach jedem Strohhalm, der sie jetzt unterstützt. Deswegen lässt sie sich auch auf den 10-Jährigen ein. Ich denke, da steckt viel Verzweiflung dahinter. Beide suchen nach einem Halt und das Kind soll jetzt die Lösung sein.", meint die Leddin. "Das Mädchen lebt vielleicht einen Traum, aber das ist etwas, was es in der Realität gar nicht leisten kann."

Psychologin rät, sich Hilfe zu suchen

Cordula Leddin rät dem russischen Mädchen und allen anderen, die so jung schwanger werden, die Situation immer genau zu überdenken. "Welche Unterstützungsmöglichkeiten habe ich? Schaffe ich das wirklich? Möchte ich das Kind überhaupt bekommen oder kann ich das gar nicht?" Die Psychologin empfiehlt, die Beratung bei einem Therapeuten in Anspruch zu nehmen und die Schwangerschaft wirklich aus allen Blickwinkeln zu betrachten.

Hier finden junge Mütter und Angehörige im Fall einer Teenagerschwangerschaft Hilfe.