Frühe Unterstützung ist wichtig

Teenagerschwangerschaft: Hier finden junge Mütter Hilfe

30. August 2019 - 14:37 Uhr

Fast noch ein Kind - und schon Mutter

Teenagerschwangerschaften sind für alle Beteiligten häufig ein Schock. Selbst fast noch ein Kind, sollen junge Mädchen plötzlich Mama werden und Verantwortung für ein Kind übernehmen. Wie soll das gehen? Und was können sie in einer solchen Situation tun? Wie können Angehörige helfen und unterstützen? Wo gibt es passende Beratungsstellen? Und welche gesetzlichen Rahmenbedingungen gibt es?

Teenagerschwangerschaften in Deutschland

Die Zahl der Teenie-Mütter in Deutschland geht stetig zurück. 2006 hatten rund 18.400 Neugeborene eine Mutter, die jünger als 20 Jahre war. 2014 traf das nur noch auf rund 12.100 Neugeborene zu. Im Vergleich zu Ländern wie den Niederlanden, Schweden oder Dänemark ist die Zahl der Teenagerschwangerschaften in Deutschland prozentual höher.

Die Gründe für Teenie-Schwangerschaften sind vielschichtig

Aber woran liegt es eigentlich, dass Teenager so früh schwanger werden? Auch wenn es nur wenige aussagekräftige Studien gibt, gehen Experten gehen derzeit von drei Hypothesen aus:

  • Mädchen, die eine Schwangerschaft als eine Perspektive und einen Sinn für ihr späteres Leben ansehen. Indem sie früh eine Familie gründen, wollen diese Mädchen ihrem Leben oft einen Sinn und sich selbst eine Rolle geben. Dabei blenden die jungen Frauen jedoch völlig aus, dass mit einem Kind weitere Probleme, wie finanzielle Sorgen, auf sie zukommen können.
  • Mädchen, die aus problembelasteten Familien stammen und sich nach der Liebe und Geborgenheit sehnen. Sie entscheiden sich für eine Schwangerschaft und projizieren ihre unerfüllten Sehnsüchte nach einer liebevollen Familie auf das Baby.
  • Und drittens gibt es eine kleine Gruppe Jugendlicher, die früh sexuelle Erfahrungen macht und gleichzeitig mangelhaft verhütet.

Unterstützung und Hilfsangebote für Teenie-Mütter

Schwangere Frau bekommt eine helfende Hand gereicht
Wenn ein junges Mädchen schwanger wird, braucht es keine Vorwürfe sondern Hilfe in Form von Gesprächen, Ratschlägen und Informationen.
© iStockphoto

Für junge Mädchen ist es fast immer ein Schock, wenn der Schwangerschaftstest positiv ist. Umso wichtiger ist es deshalb, dass sie Unterstützung erhalten. Zunächst einmal bei der Frage, ob sie ihr Baby behalten wollen oder nicht. Und im Anschluss daran, wie sie mit der herausfordernden Situation umgehen: Kann ich die Schule oder meine Ausbildung abschließen? Wer kümmert sich dann um mein Kind? Wo bekomme ich finanzielle Unterstützung? 

Eltern dürfen schwangere Teenager nicht vor die Tür setzen
Gerade in einer Ausnahmesituation wie einer frühen Schwangerschaft brauchen die jungen Mütter vor allem eins: Unterstützung, Zuwendung und – Liebe. Im Idealfall von ihren Eltern. Denn Partnerbeziehungen in jungen Jahren überstehen eine ungewollte Schwangerschaft häufig nicht. Umso wichtiger ist, dass die jungen Frauen Hilfe in Form von Gesprächen, Ratschlägen und Informationen innerhalb der Familie erhalten. Leider ist das häufig nicht so. Oft sind die Eltern (verständlicherweise) entsetzt. Gerade ist das eigene Kind den Kinderschuhen entwachsen, da steht man mit der Verantwortung für ein Enkelkind da. Schließlich sind Eltern von Teenie-Müttern gesetzlich dazu verpflichtet, ihr Kind zu unterstützen, wo immer es möglich ist. Sorge, Verzweiflung, Wut sind da nachvollziehbare Reaktion, helfen aber nicht weiter. Im Gegenteil. Ein "Rauswerfen" kann für Eltern sogar strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Was also tun? Zum Glück gibt es Stellen, die beraten, aber nicht werten und die junge Mütter (im besten Fall gemeinsam mit ihre Eltern) aufsuchen können, um sich in dieser herausfordernden Zeit Unterstützung zu holen. 

Wo gibt es Beratung und Unterstützung?
Die Internetseite  "Schwanger unter 20"  der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung widmet sich speziell diesem Thema und verschafft einen guten ersten Überblick über Fragestellungen, Hilfsangebote und Möglichkeiten. Zudem finden Betroffene hier die Kontaktdaten zahlreicher Beratungsstellen in Wohnortnähe.

Auch ans Jugendamt können sich Betroffene wenden. Die Mitarbeiter sind an eine Schweigepflicht gebunden und bieten unter Umständen finanzielle und wirtschaftliche Hilfen an. Weitere Hilfsangebote bieten Einrichtungen wie Pro Familia, Caritas, Deutsches Rotes Kreuz oder die Diakonie.

Familienhebammen kümmern sich um minderjährige Mütter

Die Schwangerschaft und Geburt eines Kindes ist eine neue Lebensphase. Zahlreiche Fragen tauchen auf, aber auch Ängste und Unsicherheiten. Die körperlichen Veränderungen in der Schwangerschaft, die Unsicherheit, ob man alles richtig macht, und ob man der großen Aufgabe gewachsen ist, beschäftigen nicht nur sehr junge Mütter. Aber für diese sind die Fragen noch drängender, die Unsicherheiten und Ängste oft um vieles größer. Ein gutes Angebot gerade für minderjährige Mütter ist deshalb die Betreuung durch eine sogenannte Familienhebamme. Sie unterstützt die jungen Mütter schon während der Schwangerschaft, macht Hausbesuche, klärt Fragen, berät und unterstützt. Und auch nach der Geburt ist die Familienhebamme länger für die junge Familie da als andere Hebammen. Bis zum ersten Geburtstag des Kindes kann sie die junge Familie betreuen, auch und gerade beim Umgang mit dem Neugeborenen.

Die Kosten für die Familienhebamme werden vom Jugendamt, der Gemeinde oder auch dem Sozialamt übernommen. Für die jungen Mütter ist das Angebot in der Regel kostenfrei. Informationen über Adressen von Familienhebammen gibt es u.a. beim Deutschen Hebammen Verband.

Die rechtliche und finanzielle Lage

Zuhause wohen?
Nicht immer ist ein Wohnen in der eigenen Familie möglich oder sinnvoll. Mutter-Kind-Einrichtung speziell für minderjährige Mütter bieten den jungen Frauen einen geborgenen Rahmen, in dem sie mit Hilfe von professioneller Unterstützung in ihre Rolle als Mutter hineinwachsen können. Dort können sie mit anderen jungen Müttern oder in Einzelappartements leben und werden entsprechend unterstützt und betreut. Die Kosten trägt in der Regel das Jugendamt. Ab 16 Jahren können minderjährige Eltern mit Zustimmung ihrer Eltern oder des Jugendamtes auch eine eigene Wohnung beziehen. Im Wohnungsamt kann ein Wohnberechtigungsschein beantragt werden. Beim Amt für Wohnungswesen kann zusätzlich Wohngeld beantragt werden.Dabei muss jedoch besonders darauf geachtet werden, dass die jungen Frauen dann begleitende Unterstützungsangebote anderer Art erhalten (z.B. durch eine Familienhebamme, Familien-Paten oder Eltern-Kurse). Denn die Schwangerschaft und die Verantwortung für das eigene Leben und das eines Kindes ist eine große Herausforderung, die die meisten minderjährigen Mütter nur schwer alleine bewältigen können. 

Sorgerecht
Auf das alleinige Sorgerecht hat eine minderjährige Mutter zunächst keinen Anspruch. Bis zu ihrem 18. Geburtstag wird vom Jugendamt ein Vormund für das Kind bestellt, häufig sind das die Eltern der jungen Mutter. Ist der Vater des Kindes schon volljährig, kann er zunächst das alleinige Sorgerecht erhalten, dazu ist allerdings die Zustimmung der minderjährigen Mutter und deren Vormund nötig.

Unterhalt
Der Vater muss für Mutter und Kind Unterhalt bezahlen, wenn er nicht mit ihnen zusammen lebt und das ist bei vielen jungen Eltern der Fall. Kann oder will der Vater diese finanziellen Mittel nicht aufbringen, kann die minderjährige Mutter beim Jugendamt einen Unterhaltsvorschuss beantragen.

Mutterschutz
Minderjährige Schwangere haben Anspruch auf Mutterschutz, genauso wie Schwangere über 18 Jahren. Der Mutterschutz beginnt für Schülerinnen und Auszubildende sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin und endet acht Wochen nach der Entbindung. In dieser Zeit darf ein Arbeitsverhältnis nicht gekündigt werden, Schülerinnen sind in dieser Zeit von der Schulpflicht befreit.

(Groß)-Elternzeit
Die Elternzeit beträgt bis zu drei Jahre ab Geburt. In dieser Zeit besteht Kündigungsschutz. Mindestens sieben Wochen vor Beginn der Elternzeit muss der Arbeitgeber schriftlich informiert werden.

Schüler haben zunächst keinen Anspruch auf Elternzeit, können aber einen Antrag auf Schulpflichtbefreiung stellen. Dabei muss nachgewiesen werden, dass das Kind nicht auf andere Weise (z.B. durch Familienangehörige) betreut werden kann.

Seit 2009 gibt es noch eine weitere Möglichkeit: auch die Großeltern können bei ihrem Arbeitgeber eine "Großelternzeit" beantragen, wenn ihre Kinder minderjährig oder während der Schulzeit beziehungsweise Ausbildung ein Kind bekommen haben.

Die Probleme der Teenie-Mamas sind auch Thema in der Serie "Der Lehrer". Die Folgen gibt es bei TVNOW zum nachträglichen Abruf.