Dreister Vorschlag: Kinder sollen von den Lippen ablesen

Lehrer unterrichten gehörlose Kinder - ohne Gebärdensprache!

15. Januar 2020 - 18:06 Uhr

Gehörlose Kinder können dem Unterricht nicht folgen

In der Dresdner Johann-Friedrich-Jencke-Schule werden unter anderem hörgeschädigte Kinder unterrichtet. Allerdings beherrscht kein Lehrer die Gebärdensprache. Schüler und Lehrer können sich daher nicht unterhalten. Vor allem die hörgeschädigten Kinder leiden darunter, denn sie können dem Unterricht nicht richtig folgen. Und die Schule in Dresden ist kein Einzelfall.

Im Video erzählt die Familie der gehörlosen Mariella, wie es ihrer Tochter mit der schwierigen Situation geht und wir konfrontieren die Schulleitung mit den skandalösen Zuständen.

Inklusion kann so nicht funktionieren

Einige Lehrer verlangen sogar, dass die Kinder von ihren Lippen ablesen, obwohl das nur schwer möglich ist. Insbesondere die Schulbildung und die Integration gehörloser Kinder schon im Grundschulalter ist wichtig, damit sie sich genauso gut entwickeln können wie nicht eingeschränkte Mitschüler. Und vor allem an einer Schule, die Unterricht für hörgeschädigte Kinder anbietet, sollte das eine Selbstverständlichkeit sein.

Video: So schön sehen Gebärden aus

Dramatischer Fachkräftemangel bei Lehrern

Der Mangel an qualifizierten Lehrern ist für die sächsische Landesregierung ein echtes Problem. Elf Familien mit gehörlosen Kindern klagen jetzt gegen die Sozialämter. Ihr Antrag auf Beschäftigung eines Dolmetschers im Unterricht wurde von diesen abgelehnt. In fünf Fällen gab es schon einen Vergleich und ein Dolmetscher wurde für dieses Schuljahr genehmigt.

Doch im nächsten Jahr könnte es wieder Klagen geben, denn dann müssen Dolmetscher für das nächste Schuljahr beantragt werden. Eine zufriedenstellende Lösung ist das – vor allem für die betroffenen Kinder – nicht.