Weil ihre Tochter ihn offenbar zurückwies

Schüsse auf Mutter und Sohn: Mehr als 11 Jahre Haft für Mustafa D.

Mustafa D. bei der Urteilsverkündung am Hamburger Landgericht
Mustafa D. bei der Urteilsverkündung am Hamburger Landgericht
© RTL (Kommunikation)

20. Januar 2022 - 16:25 Uhr

von Vanessa Fritz und Selina Römer

Im März 2021 kämpft eine damals 52-Jährige in Hamburg-Wilhelmsburg auf einer Trage um ihr Leben, wird kurze Zeit später auf die Intensivstation gebracht. Wenige Minuten vorher soll Mustafa D. viermal auf sie und ihren 13-jährigen Sohn geschossen haben – ein Schuss trifft die Frau in den Kopf. Ihr Sohn kann sich in letzter Minute retten und bleibt unverletzt. Mustafa D. musste sich unter anderem wegen versuchten Mordes vor dem Hamburger Landgericht verantworten – und wurde am Donnerstag zu 11 Jahren und 6 Monaten Haft verurteilt.

Zurückweisung als Motiv

Was steckt hinter der Tat? Im September 2020 soll Mustafa D. einer damals 17-Jährigen, der Tochter des Opfers, auf den Hinterkopf geschlagen und sie als "Schlampe" beleidigt haben, weil sie seine Annäherungsversuche nicht erwidert hatte. Im Januar 2021 will er ihr dann wohl Fotos seines Geschlechtsteils zusammen mit Beleidigungen und massive Drohungen über Instagram schicken, verwechselt dabei offenbar aber die Empfängerin und schickt die Nachrichten an eine andere Person. Auch ein Bild einer Schusswaffe empfängt die fremde Frau von dem Angeklagten. Insgesamt ein Jahr lang soll der Angeklagte die Tochter des Opfers gestalkt haben. Im März 2021 soll er dann auf die Mutter und den Bruder der damals 17-Jährigen gezielt und aus nur wenigen Metern entfernt geschossen haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Grund die Zurückweisung der Tochter sind. Der Angeklagte sagt an diesem Verhandlungstag aus, dass die junge Frau für ihn "Liebe auf den ersten Blick gewesen" sei, doch sie habe kein Interesse an ihm gehabt.

"Meine Mandanten haben schon lebenslänglich bekommen"

Das Opfer und ihre Kinder leiden noch heute unter den Folgen des Kopfschusses. Der Kiefer der 53-Jährige sei immer noch beeinträchtigt und sie habe Schwierigkeiten beim Essen, heißt es am Donnerstag. Die gesamte Familie habe psychische Beeinträchtigungen. Im speziellen leide die Tochter unter Schlafstörungen sowie Angstzuständen und befinde sich in Therapie, so die Richterin. Im RTL-Interview sagt Claudia Krüger, die Anwältin des Opfers: "Meine Mandanten haben schon lebenslänglich bekommen." Denn: Die Familie müsse umziehen, da die Tat unmittelbar vor dem Wohnhaus passierte. Zudem gebe es eine erhebliche finanzielle Belastung durch die Krankenbehandlungen der Mutter.

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Richter hält Angeklagten für "hochgefährlich"

Das Gericht sieht den Vorsatz der Heimtücke erfüllt. "Ich halte sie für hochgefährlich, wenn sie sich nicht therapieren lassen", sagt die Richterin zum Angeklagten. Laut der Strafkammer habe Mustafa D. eine Persönlichkeitsstörung mit einer dissozialen und narzisstischen Neigung. Anfang der Woche hatte die Staatsanwaltschaft eine lebenslange Haft für die Tat gefordert. Laut Dr. Haydar Güller, dem Anwalt des Angeklagten, sei das Urteil "hart". Er werde sich nun mit Mustafa D. beraten und dann entscheiden, ob Revision eingelegt werde. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.