„Marcus wird wohl etwas schwerer aus dem Bett kommen"

CHIO-Drama: Deutscher Reitstar stürzt mit seinem Pferd unmittelbar vor dem Nationenpreis schwer

18. September 2021 - 12:01 Uhr

Am Ende nur auf Platz sechs

Mit einem Frustbier bekämpfte Marcus Ehning den Schmerz "in der linken Arschbacke und im rechten Knie" und vielleicht auch ein bisschen die Enttäuschung über den sechsten Platz der deutschen Springreiter-Equipe beim Nationenpreis in Aachen: Nach dem schweren Sturz von Ehning auf dem Abreiteplatz sammelten der Weltranglistenerste Daniel Deußer mit Killer Queen, Christian Ahlmann mit Clintrexo und David Will mit C Vier beim Sieg der USA vor Schweden und Frankreich nicht weniger als 24 Strafpunkte.

"... aber es hätte weitaus Schlimmeres passieren können"

Ehning konnte das Krankenhaus nach einem kurzen Kontrollcheck wieder verlassen und verfolgte den zweiten Umlauf in der Soers als Zuschauer. Der 47-Jährige war mit dem Hengst A La Carte auf dem Abreiteplatz an einem Hindernis schwer gestürzt. Ehning rappelte sich zwar wieder auf, wirkte aber benommen und ließ sich sichtlich angeschlagen auf eine Bank fallen.

Eine Ärztin und ein Sanitäter waren sofort an seiner Seite, der Reiter war ansprechbar und verließ wenig später leicht humpelnd das Gelände. "Vorbildlich" nannte Bundestrainer Otto Becker die medizinische Versorgung in der Soers: "Es hat zwar für uns heute nicht gereicht, aber es hätte weitaus Schlimmeres passieren können." Um schwere Verletzungen auszuschließen, wurde Ehning vorsorglich ins Krankenhaus gebracht. Sein Hengst, um den sich die Pferdepflegerin und der Mannschafts-Tierarzt kümmerten, blieb unverletzt. Damit lieferte Ehning das Streichresultat, die Ergebnisse der drei verbliebenen Reiter gingen in die Wertung ein.

Trainer Becker gab später am Abend noch ein Update zum Zustand des Reiters: Becker lieferte später noch ein Update zum Reiter: "Marcus wird ein paar Prellungen haben und wohl etwas schwerer aus dem Bett kommen." Ob Ehning noch bis Sonntag bei einigen Springprüfungen in Aachen startet, konnte Becker noch nicht sagen. "Das muss er selbst entscheiden. Er ist erfahren genug", sagte er.

Reichlich Erfolge für Deutschland

Deußer und Ahlmann blieben im ersten Umlauf fehlerfrei, Will leistete sich einen Abwurf. Das bedeutete hinter den fehlerlosen USA Platz zwei gleichauf mit Frankreich, Schweden und Belgien. Im zweiten Umlauf blieb Deußer ebenfalls ohne Fehler, doch zwei Abwürfe von Ahlmann und drei von Will warfen die Gastgeber aussichtslos zurück. Becker befand: "Wir haben gehofft, dass es auch mit drei Reitern geht. Und am Anfang sah es noch gut aus. Kein Vorwurf an die Jungs. Sie haben alles versucht. Wir müssen es das nächste Mal besser machen."

Zuvor hatte es am Donnerstag vier deutsche Siege gegeben. Tobias Meyer gewann auf der erst achtjährigen Stute Fassida den Youngsters Cup. Philipp Weishaupt, Bereiter im Stall des viermaligen Olympiasiegers Ludger Beerbaum und 2016 Sieger im Großen Preis von Aachen, setzte sich mit Lacasino in einem Zeitspringen durch. Im Viersterne-Grand-Prix der Dressur siegte Fabienne Müller-Lütkemeier mit Valesco, und im Prix St. Georges hatte Mannschafts-Europameisterin Helen Langehanenberg mit Schöne Scarlett die Nase vorn.

Derweil gab Dressur-Olympiasiegerin Jessica von Bredow-Werndl einen Einblick in ihre Planung für die nächsten Jahre - und die gehen zunächst bis Olympia 2024 in Paris. Ihre Spitzenpferde Dalera und Ferdinand seien dann im besten Alter, sagte die dreifache Europameisterin der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung: "Und momentan habe ich auch noch eine achtjährige Stute, die noch gar nicht im Grand-Prix-Sport ist, die ich aber ausbilden darf und der ich ganz viel zutraue. Da liegt es nahe, dass ich weitermache und in Paris dabei sein möchte." (tno/dpa/sid)