Vorwurf: Zu wenig Distanz von Putin

Russische Opernsängerin Anna Netrebko: Geplanter Auftritt in Wiesbaden spaltet Politik und Kultur

Netrebko-Auftritt spaltet Hessen Streit um russischen Opernstar
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Streit um russischen Opernstar
Netrebko-Auftritt spaltet Hessen

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Stadt und Land sind gegen ihren Auftritt, das Staatstheater hält an der Künstlerin fest: Es ist ein Streit entbrannt rund um das Gastspiel der russischen Opernsängerin Anna Netrebko bei den Maifestspielen in Wiesbaden. Aus Sicht der Stadt Wiesbaden und des Landes Hessen passt der Star nicht zum Thema der Internationalen Festspiele „Politische Gefangene“, da sie sich nicht klar vom russischen Präsidenten Putin distanziert habe.

Boris Rhein zieht Schirmherrschaft für Festspiele zurück

Hessens Ministerpräsident geht noch einen Schritt über das Missfallen des Auftritts hinaus: Boris Rhein (CDU) verkündete nun, dass er seine Schirmherrschaft für die Festspiele ruhen lasse. In einer gemeinsamen Mitteilung mit der Stadt machte er außerdem deutlich, dass die Festspiele denjenigen gewidmet sei, die aufgrund ihrer Meinung im Gefängnis säßen wie etwa der russische Aktivist Alexej Nawalny. Russland führe einen Angriffskrieg gegen die Ukraine, täglich würden dort Menschen sterben. Angesichts dessen sei es nicht zu vermitteln, weshalb Netrebko bei den Festspielen auftreten solle. Man habe den Intendanten gebeten, darauf zu verzichten.

Lese-Tipp: Sie wollte sich nicht vom russischen Despoten distanzieren: Anna Netrebko singt nicht mehr an New Yorker "Met"

Staatstheater: Brauchen Künstler im Kampf gegen Putin

Doch das Staatstheater hält an Netrebkos Auftritten fest: Der russische Opernstar werde am 5. und 7. Mai bei den Festspielen ihr Debüt als Abigaille in Giuseppe Verdis Oper Nabucco geben. „Wir in der westlichen Welt, die wir gerade erleben, wie unsere Freiheit in der Ukraine leider auch mit Waffen und Menschenleben verteidigt werden muss, dürfen nie Künstler und Menschen ausschließen, die zu uns gehören und die wir für den Kampf gegen Unrechtsregimes wie das von Wladimir Putin dringend auf unserer Seite brauchen“, hieß es in einer Mitteilung.

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Netrebko: Keine Verbindung zu irgendeinem Führer Russlands

Die international gefeierte Sopranistin war nach Beginn des Krieges in die Kritik geraten wegen ihrer angeblichen Nähe zu Präsident Wladimir Putin. Die Bayerische Staatsoper annullierte ihr daraufhin das Engagement in München. Im März 2022 hatte sie über ihren Anwalt mitgeteilt: „Ich bin weder Mitglied einer politischen Partei noch bin ich mit irgendeinem Führer Russlands verbunden.“ Weiter hieß es, sie bedauere, dass ihre Handlungen und Aussagen in der Vergangenheit zum Teil falsch interpretiert werden konnten. (dpa/gmö)