Habeck und Scholz mit klarem Nein zur Atomkraft

Rückkehr zur Atomkraft? Lindner für offene Debatte

Atomkraft
Christian Lindner: „Die Menschen erwarten, dass wegen des Klimaschutzes, der Abhängigkeit von Putin und der Inflation alle Möglichkeiten erwogen werden“
deutsche presse agentur

Zurück zur Atomkraft? Deutschland muss nach Ansicht des FDP-Vorsitzenden Christian Lindner in der Energiedebatte auch offen über Rückkehr zur Kernkraft diskutieren. „Die Menschen erwarten, dass wegen des Klimaschutzes, der Abhängigkeit von Putin und der Inflation alle Möglichkeiten erwogen werden“, sagte der Bundesfinanzminister der „Bild“.

Wirtschaftlich sei er zwar noch nicht überzeugt, dass sich neue Investitionen in Kernkraft wirklich rechnen. „Aber Deutschland darf sich einer Debatte nicht verschließen, die überall auf der Welt geführt wird. Ich rate dazu, die Argumente vorurteilsfrei auf den Tisch zu legen.“

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Habeck: "Das ist kein Weg, den Deutschland weiter gehen wird“

03.06.2022, Berlin: Christian Lindner (FDP - l), Bundesfinanzminister, und Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Vizekanzler und Bundesminister fu·r Wirtschaft und Klimaschutz, unterhalten sich am Rande der Debatte im Deutschen Bundestag. Foto: Brit
Finanzminister Christian Lindner und Wirtschaftsminister Robert Habeck
pde fdt, dpa, Britta Pedersen

Sein Kabinettskollege und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sagte der Zeitung dazu: “Zur Atomenergie ist nicht mehr viel zu sagen. Ideologiefrei fachlich wurde das Thema Anfang der Legislatur nochmal durchgeprüft. Das ist aus den Fachministerien heraus entschieden - und politisch auch. Das ist kein Weg, den Deutschland weiter gehen wird.“

Am Netz sind in Deutschland nur noch die Atomkraftwerke Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2. Sie sollen bis Ende des Jahres ebenfalls abgeschaltet werden.

Eine Verlängerung der Laufzeiten wegen der neuen Lage nach der russischen Invasion in die Ukraine hatten das Wirtschafts- und das Umweltministerium bereits abgelehnt. Stattdessen soll die Energiewende hin zu erneuerbaren Stromquellen vorangetrieben werden. Auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte sich gegen einen Weiterbetrieb von Akw ausgesprochen.

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Akw-Betreiber irritiert über die Aussagen Lindners

Die Betreiber der drei letzten in Deutschland noch laufenden Atomkraftwerke haben irritiert und mit Unverständnis reagiert. Ein Sprecher der RWE AG, erklärte auf Anfrage der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ): "Unsere letzte Anlage im Leistungsbetrieb, das Kernkraftwerk Emsland in Lingen, ist auf den Auslaufbetrieb zum Ende des Jahres ausgerichtet. Ein Weiterbetrieb über den 31.12.2022 hinaus wäre mit hohen Hürden technischer als auch genehmigungsrechtlicher Natur verbunden."

Auch der EnBW-Konzern, Betreiber des Kraftwerks Neckarwestheim II, erinnerte daran, dass die Regierung wegen des Ukraine-Kriegs eine Verlängerung der Laufzeiten geprüft und Anfang März entschieden habe, derzeit keine Änderungen am gesetzlichen Rahmen vorzunehmen. Die EnBW, so zitiert die NOZ, "steht uneingeschränkt zum beschlossenen Ausstieg Deutschlands aus der Nutzung der Kernenergie für die Stromproduktion."

Eine Sprecherin des Versorgers PreussenElektra, der das Kernkraftwerk Isar 2 betreibt, betonte auf Anfrage der NOZ: "Wir haben über die vergangenen Wochen und Monate hinweg klargemacht, dass ein Weiterbetrieb von Isar 2 unter gewissen Voraussetzungen möglich wäre, aber einen gewissen zeitlichen Vorlauf benötigt." Die Bundespolitik habe sich bereits vor Längerem dazu geäußert und erklärt, dass sie auf diese Option nicht zurückgreifen wolle. "Eine neue Sachlage gibt es aus unserer Sicht also nicht."

Wäre ein Hochfahren der Akws überhaupt machbar?

Aber würde sich ein Atomkraftwerk einfach so wieder hochfahren lassen? Technisch sei das prinzipiell möglich, so Uwe Stoll, wissenschaftlich-technischer Geschäftsführer bei der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) im Interview mit dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. Aber es gibt ganz praktisch gesehen einige Hürden:

  • In den bereits abgeschalteten Kraftwerken fehlt es zum Beispiel an spaltbarem Material. Das gelte auch für die Atomkraftwerke, die bald vom Netz gehen sollen. Ein Brennelement hält circa fünf Jahre. „Um passende Brennelemente herzustellen, braucht man zwölf bis 15 Monate – das ist ein langwieriger Prozess“, so Stoll.
  • Auch müssten spezielle Teile wie zum Beispiel die Röhren für die Brennstäbe neu gefertigt werden.
  • Eine weitere Herausforderung wäre auch die Reinigung. „Haben sich die Betreiber darauf eingerichtet, die Anlage abzubauen, wird sie mit scharfen Chemikalien gereinigt – also dekontaminiert.“ Das aber greife unter Umständen das Material der Rohre und Messleitungen so stark an, dass sie aus Sicherheitsgründen nicht mehr eingesetzt werden könnten. (dpa/eku)

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