Für 10.000 Euro

Rockerprozess in Hamburg: Schütze sollte Hells Angels-Boss zu „halbem Menschen“ machen

13. Februar 2020 - 8:50 Uhr

Schütze Angel I. packt aus

In dem neu aufgerollten Fall um die Schüsse auf Hells Angels-Boss Dariusch F. im Sommer 2018 hat der Schütze ausgesagt. Angel I gestand nicht nur die Tat, sondern belastete mit seiner Aussage auch den 73-jährigen Vater des ursprünglich angeklagten Arash R.: Er sei von Toryali R. beauftragt worden, auf den Rockerboss zu schießen. "Ich sollte (das Opfer) nicht töten, ich sollte ihn nur mit schweren körperlichen Behinderungen hinterlassen, als halben Menschen.", erklärt Angel I. in seiner Aussage.

Neuer Prozess wegen Verfahrensfehlern

Der Fall wird aktuell neu aufgerollt, weil die zuständigen Richter im November 2019 das schriftliche Urteil einen Tag zu spät beim Bundesgerichtshof eingereicht hatten. In der ersten Verhandlung im Juni 2019 war Arash R. zu lebenslänglicher Haft wegen Anstiftung eines versuchten Mordes verurteilt worden. Er soll die Tat als Racheakt wegen eines Anschlags auf ihn und seine Lebensgefährtin im Jahr 2016 geplant haben.

Mutmaßlicher Schütze gefasst

Zwischen dem ersten und dem jetzt laufenden neuen Prozess hat sich aber auch ein neuer Stand ergeben: Der mutmaßliche Schütze Angel I. ist gefasst worden. Mit seinen Aussagen belastet er den 73-jährigen Vater von Arash R. Er soll die Tat gemeinsam mit seinem Sohn und dessen Lebensgefährtin geplant haben.

Wollte Angel I. einen Rückzieher machen?

Der 73-jährige Toryali R. habe ihn über Mittelsmänner kontaktiert. Angel I. sagte: "Nachdem ich erfahren habe, um welchen Auftrag es sich handelt, wollte ich es eigentlich nicht tun, schon gar nicht für 10.000 Euro. Ich habe es aber nicht abgesagt, weil ich mir Sorgen machte, dass mir etwas passiert, weil ich Bescheid wusste."

Druck auf den mutmaßlichen Täter

Toryali R. sei dann auch bei ihm gewesen, als er einen Tag vor der Tat schon einmal vergeblich versucht hatte, den Auftrag durchzuführen. Am nächsten Tag sein dann Lisa S., die Lebensgefährtin von Arash R., bei ihm gewesen. Lisa S. fuhr am Tag der Tat auch das Auto, aus dem die Schüsse auf Dariusch F. abgefeuert wurden. Sie wurde 2019 bereits rechtskräftig zu zwölf Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt. Der Verteidiger von Toryali R. wies jetzt eine mögliche Tat- und Planungsbeteiligung seines Mandaten zurück. Ein Urteil in diesem neuen Prozess soll am 22. April fallen.