"Auf der Straße bist Du der Fussabtreter, hier wird Dir geholfen!"

Rettung auf vier Rädern: Ärzte behandeln ehrenamtlich Obdachlose im Zahnmobil

Ärzte behandeln ehrenamtlich im Zahnmobil
Ärzte behandeln ehrenamtlich im Zahnmobil
© RTL

13. Oktober 2021 - 14:16 Uhr

Jeder Obdachlose wird behandelt und das ehrenamtlich!

Ein Leben auf der Straße zehrt nicht nur am Körper, sondern auch an den Zähnen. Viele Ob-dachlose sind darüber hinaus nicht krankenversichert und können sich keinen Zahnarzt leisten. Genau deshalb gibt es in Hamburg die rollenden Zahnmobile von Caritas und DRK. Egal ob Schmerzbehandlung, Zahnfüllung oder -reinigung, die Ärztinnen und Ärzte im Zahnmobil behandeln hier jeden Obdachlosen und das rein ehrenamtlich.

Worauf kommt es bei der Arbeit an?

Ärzte helfen ehrenamtlich
Das Zahnmobil ist in ganz Hamburg unterwegs.
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Christin Gundlach ist eine von neun ehrenamtlichen Zahnärzten, die Obdachlose in Hamburg in der mobilen Praxis behandelt. Sie und ihr Team sind mehrmals pro Woche, immer zu festen Zeiten und an festen Orten, zur Stelle. Das ist wichtig, um Routine aufzubauen und auch aufwendigere Behandlungen mit mehreren Terminen durchzuführen: "Man ist schon überrascht, wie häufig Leute wiederkommen. Ich habe das jetzt schon häufiger erlebt, dass ich an einem Tag gesagt habe, heute machen wir dies und komm mal nächste Woche wieder und die Leute standen nächste Woche eben wieder da, obwohl man das wirklich nicht erwartet hätte."

Obdachlose können sich Zahnpflege kaum leisten

Seit fünf Jahren rollt das Zahnmobil des Deutschen Roten Kreuzes durch Hamburg und bietet kostenlose Behandlungen an. Denn gerade Obdachlose sind in der Regel nicht krankenversichert - regelmäßige Zahnpflege beim Arzt kann sich kaum einer von ihnen leisten, bestätigt Zahnarzt Kai Bremer: "Das Problem bei ganz vielen ist die Mundhygiene. Und wer auf der Straße lebt hat natürlich kaum eine Chance, seine Zähne ordentlich zu putzen und das dann auch noch mehrmals am Tag. Und wer dann anfällig ist für Entzündung des Zahnfleisches der hat dann einfach ein Problem."

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Neben den Zahnärzten, gibt es eine Assistentin und sieben Fahrer. Einer von Ihnen ist "Wurzel" - er kennt die Sorgen der Patienten: "Ich war selber mal obdachlos, ich finde die Einrichtung ziemlich geil. Da wo ich gelebt habe, da gab es noch kein Zahnmobil oder sonst was, da warst Du nur auf Dich gestellt. Du bist auf der Straße sowieso nur der Fußabtreter der Gesellschaft und dadurch kannst Du ihnen das nehmen und denen ein bisschen helfen." Und genau das schätzen Obdachlose wie Andreas, er braucht dringend eine Wurzelbehandlung: "Ich könnte zu jedem anderen Zahnarzt gehen, aber hier fühle ich mich wesentlich besser aufgehoben. Und das, obwohl es eigentlich eine fahrende Praxis ist." (kst)