Reggio Calabria: Die Kirche steckt mit der Mafia unter einer Decke

19. März 2014 - 13:33 Uhr

Machenschaften in Italien

Im italienischen Reggio Calabria steckt in den Tönen der Kirchenglocken ein Missklang. Denn viele katholische Geistliche sollen dort eng mit der kalabrischen Mafia, der N´Drangheta, verstrickt sein. Diese allein setzt jedes Jahr rund 45 Milliarden Euro um - vor allem mit Kokain. Priestern sind die großzügigen Spenden der Mafiosi willkommen. Deswegen sagen sie teilweise sogar vor Gericht für sie aus.

Der Oberstaatsanwalt der Stadt Reggio Calabria in Kalabrien hat darüber nun ein Buch geschrieben. Darin erzählt er, welche Gefahr diese unheilige Allianz für den kleinen Geschäftsmann Tiberio Bentivoglio darstellt.

Falschaussagen vor Gericht

Bewaffnete Carabiniere in Zivil sind seine permanente Eskorte, denn seit 22 Jahren weigert er sich, Schutzgeld zu zahlen. Sein Geschäft wurde deshalb schon in die Luft gesprengt, und er entging nur mit viel Glück einem Mordanschlag. Hüftbeutel und Portemonnaie hielten die Kugel auf. "Von hinten angeschossen zu werden, das Brennen in den Beinen zu spüren und wie die Kugeln ins Fleisch eindringen, war ein traumatisches Erlebnis, das ich nicht mit Worten beschreiben kann", erzählt er.

Mafia-Boss Santo Crucitti sitzt seitdem in Haft, doch angeklagt ist auch der Pfarrer Don Nuccio Cannizaro, ein guter Bekannter des Paten. Ihm wird Falschaussage und Begünstigung vorgeworfen. Angezeigt hat ihn Bentivoglio. "Ich habe Angst vor dem Pfarrer, weil ich ihn und seine Reaktionen gut kenne und weiß, dass er sehr rachsüchtig ist. Davor fürchte ich mich", sagt der Geschäftsmann.

Don Nuccio Cannizarro ist nach wie vor im Amt und feiert regelmäßig mit dem Bischof die Messe. Er ist wahrscheinlich nicht selbst Mafioso, aber er pflegt gute Kontakte zu den Verbrechern. Für viele Priester sind auch die Mafioso gute Christen. Und die glauben mit der Kirche im Rücken bei ihren Taten im Recht zu sein.

Don Nuccio will vor der Kamera nicht viel sagen, weil sein Prozess noch läuft. Als Pfarrer müsse er sich schließlich auch um die Mafiosi kümmern, sagt er aber. Seine Aufgabe sei es, die Sünder zu bekehren.

Oberstaatsanwalt Nicola Gratteri hat die Mafiamörder von Duisburg hinter Gitter gebracht. In seinem neuen Buch bestätigt er nun die unheilige Allianz von Kirche und Mafia. "Es gibt Pfarrer und Bischöfe, die vor Gericht für Mafiaangeklagte aussagen, dass diese gute Menschen und gute Christen sind und dass die Angeklagten gegen die Mafia wären", erzählt er.

Und wenn eine Kirche renoviert werden muss, dann zeigt sich der Mafiaboss großzügig und spendet reichlich. Eine Beziehung, die offenbar beide Seiten nutzen. "Wir sehen diese intime Beziehung mit der Kirche während der Dorfprozessionen. Der Mafioso will sich gerne in der Nähe des Pfarrers oder des Bischofs zeigen. Das demonstriert seine Macht. Dass er mit dem Pfarrer gesehen wird, ist wichtig für den Mafioso", so Gratteri.

Den gleichen Beistand von der Kirche bekommt Signor Bentivoglio nicht. Man hat ihn sogar aus dem Gemeindeleben gedrängt. Er muss sich auf seine Überwachungskameras und die Leibwächter verlassen, Gebete helfen ihm da eher weniger.

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