Red-Skin-Syndrom: Wie die Juckflechte und Steroidsalbe eine Frau zum 'Monster' machte

18. November 2016 - 14:34 Uhr

Um die Ekzeme an den Rückseiten ihrer Knie und Ellbogen zu bekämpfen, trug Melanie Lynch seit frühsten Kindertagen Steroid-Creme auf ihre Haut auf. Anstatt sie von ihrer Juckflechte zu befreien, verschlimmerte die Salbe die Beschwerden der zweifachen Mutter aus Birmhingham nur noch. Nach drei Jahrzehnten voller Qualen entschied sie sich dann dazu, die Creme nicht mehr zu benutzen.

Die Salbe, die Melanie Lynch eigentlich heilen sollte, bewirkte das genaue Gegenteil: Die Ekzeme verschlimmerten sich und verbreiteten sich an ihrem gesamten Körper. Weil es über lange Zeit nicht half, erhöhte sie aus Verzweiflung die Dosierung: An ihrem Tiefpunkt verbrauchte Melanie eine 100 Gramm schwere Tube der kortisolhaltigen Salbe binnen einer Woche - und auch das ohne Erfolg.

Nach 30 Jahren entschied sie sich, die Cremes nicht mehr zu benutzen. Doch statt dem erhofften Ende der Schmerzen stand ihr eine noch größere Qual bevor: Plötzlich fielen Ihre Haare aus, das Gesicht schwoll an und ihr gesamter Körper rötete sich. Ihre Haut war übersät von nässenden Wunden, sodass sie gleich mehrfach am Tag ihre Bettwäsche und Klamotten wechseln musste. Unglaubliche Schmerzen und das Gefühl, wie ein Monster auszusehen, brachte sie dazu, Monate ihres Lebens zuhause zu verbringen.

Und dann die Überraschung: Nach 3 Jahren Kampf mit diesen Symptomen schien sich ihr Körper unerwartet zu erholen. Ihre Haare wuchsen wieder und zum ersten Mal in ihrem Leben bekam sie eine reine und normale Haut. Nachdem die 37-Jährige so lange mit diesen Plagen zu kämpfen hatte, konnte sie jetzt endlich wieder in ein normales Leben starten.

Melanie litt wohl jahrzehntelang unter dem sogenanten Red-Skin-Syndrom, von dem laut der Organisation ITSAN ('International Steroid Addiction Network') knapp über 5000 Menschen betroffen sind. Durch das jahrelange Auftragen von Steroiden entsteht eine Art Sucht. Nach dem Absetzen der Salbe leiden die Betroffenen stark an Entzugserscheinungen, so lange bis sich der Körper wieder entwöhnt hat.

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