Debatte um Passivrauchen von Kindern und Schwangeren

Rauchverbot im Auto? Längst überfällig!

© Richard Clark, istock

20. September 2019 - 13:20 Uhr

Ein Kommentar von Linda Görgen

In Großbritannien, Italien, Griechenland und Frankreich ist es längst verboten: Das Rauchen im Auto, wenn Kinder oder Schwangere mitfahren. In Deutschland wird nun einmal mehr die Debatte um das gesundheitsschädliche Passivrauchen angestoßen. Nach dem Willen mehrerer Bundesländer soll damit nämlich bald Schluss sein. Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein haben im Bundesrat dafür eine Initiative vorgestellt und fordern ein Bußgeld, das bis zu 3.000 Euro hoch sein kann. Die Ärzte in Deutschland unterstützen den Vorstoß.

Auch RTL.de-Autorin Linda Görgen findet, dass das längst überfällig ist und man manche Menschen einfach zwingen muss, Verantwortung zu übernehmen.

In einer Zigarette stecken 4.800 Chemikalien und 250 Gifte

Fast jeden Tag stehe ich mit meinen zwei Kindern im Berufsverkehr auf der Kölner Zoobrücke. Und es vergeht kaum einer, an dem neben unserem Auto nicht mindestens eins steht, in dem der Autofahrer raucht. Es liegt wohl in der Natur einer Mutter, den Blick direkt auf die Rückbank wandern zu lassen, um zu schauen, ob dort Kinder sitzen. Das Problem: Es gibt einfach noch immer zu viele Eltern, die noch nicht verstanden haben, was sie ihren Kids antun, wenn sie in ihrer Gegenwart qualmen. Oder ist es ihnen egal?

Der Verdrängungsmechanismus scheint so groß zu sein, die Kleinen 4.800 Chemikalien und 250 Giften auszusetzen, nur um die eigene Sucht nach Nikotin zu stillen. Dass das in einer Vielzahl von deutschen Haushalten passiert, ist schlimm genug. Klar ist auch, dass man es dort nicht verbieten kann. Und es gibt auch noch immer Mütter, die mit den drei K unterwegs sind: Kinderwagen, Kind und Kippe. Erst neulich habe ich im Tierpark eine "Babykutsche" gesehen, an die die Eltern statt einer Kaffeebecherhalterung einen Aschenbecher angebracht hatten!

Schadstoffbelastung im Auto fünfmal so hoch wie in einer verqualmten Bar

Aber zurück zum Auto. Fakt ist: In einem solchen ist die Schadstoffbelastung laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum fünfmal so hoch wie in einer verqualmten Bar, wenn man darin raucht. Zudem gefährdet ein Autofahrer in dem Fall nicht nur die Mitfahrer, er gefährdet auch die anderen Verkehrsteilnehmer. Seit vielen Jahren ist es nicht erlaubt, ein Handy zu bedienen, wenn man hinter dem Lenkrad sitzt. Eine Zigarette zu rauchen hingegen schon. Nehmen wir mal an, beide Gegenstände fallen hin und kullern in den Fußraum. Was kann ich liegen lassen? Das Handy oder die glühende Zigarette?

Natürlich verstehe ich auch die Menschen, die genervt sind von all den Verboten, die gerade über uns hereinprasseln, und sich in ihrem persönlichen Handeln beschnitten fühlen. Doch ich finde, dass man manche Menschen einfach zwingen muss, verantwortungsvoll zu handeln.

Generell hat Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mehrfach betont, sich vernünftigen Vorschlägen zum Reduzieren des Tabakkonsums nicht zu verschließen. Doch ich bin mir sicher, dass es auch diesmal nicht zu dem Verbot kommen wird. Die Tabaklobby in Deutschland ist einfach zu mächtig. Warum sonst gibt es noch immer Zigarettenwerbung? Wichtig ist aber, dass über das Thema gesprochen wird. Denn wenn danach nur ein Kind weniger den giftigen Dämpfen ausgesetzt ist, dann hat sich die Debatte schon gelohnt.