8. Oktober 2018 - 21:18 Uhr

Rauchen verschlimmert eine Depression

Forscher haben einen Zusammenhang zwischen Nikotinabhängigkeit und Depressionen festgestellt. Vor allem Jugendliche sind von dieser Wechselwirkung betroffen. Auslöser ist, dass die Zigarette für viele Raucher gegen depressive Stimmungen helfen soll. Gleichzeitig fördert eine Depression das Verlangen nach Nikotin - ein Teufelskreis.

Von Lauren Ramoser

Ist ein Rauchentzug während einer Therapie zumutbar?

Raucher greifen zur Zigarette, um sich wie Nicht-Raucher zu fühlen. Diesen Satz sollten insbesondere Raucher verinnerlichen, wenn sich das Suchtgefühl meldet. Die Zigarette soll gegen Nervosität, Angst und depressive Stimmungen helfen - doch das tut sie nur ganz zu Beginn einer Raucherkarriere.

Denn der Körper gewöhnt sich an das Nervengift Nikotin und verlangt höhere Dosen, um das gleiche befriedigende Gefühl zu produzieren. Für viele Ärzte stellt sich die Frage: Soll man psychisch Kranken auch noch die Rauchentwöhnung antun? Laut einer Studie von Forschern der Universität von Birmingham lautet die Antwort: Ja!

"Depressive sollten dringend mit dem Rauchen aufhören!"

depressed woman sitting head in hands in the dark bedroom
Was war zuerst da? Rauchen oder Depression?
© Getty Images/iStockphoto, kitzcorner

Davon ist auch der Psychiater Dr. Tobias Rüther, Leiter der Tabakambulanz am Klinikum der Universität München, überzeugt. Uns erklärt er im Interview: "Wir legen jedem Patienten nahe, mit dem Rauchen aufzuhören. Bei ganz leichten depressiven Verstimmungen kann allein das Aufhören des Rauchens schon eine antidepressive Wirkung haben."

Die Studie der Universität Birmingham hat untersucht, ob sich eine Rauchentwöhnung auch positiv auf die psychische Erkrankung, in diesem Fall eine Depression, auswirken würde. Schwierig ist auch, dass der Konsum von Tabak einige Psychopharmaka stören kann. Mit dem Rauchen aufzuhören kann also nicht nur hilfreich, sondern sogar medizinisch notwendig sein.

330 Tote durch Zigaretten in Deutschland - jeden Tag

Aber auch für gesunde Menschen sei es äußerst wichtig, mit dem Rauchen aufzuhören, sagt Dr. Tobias Rüther. "Jedes Jahr sterben in Deutschland 120.000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Das ist als würde jeden Tag ein Jumbojet abstürzen", erklärt der Mediziner. "Am ersten Tag wären alle von der Nachricht schockiert. Wenn das am nächsten und übernächsten Tag nochmal passieren würde, wären Jumbojets verboten."

Trotz der fatalen Konsequenzen der Nikotinabhängigkeit, ziehen Raucher keine Schlüsse aus ihrem Verhalten. Besonders für Depressions-Patienten könnte allerdings allein das Aufhören die Symptome lindern.

"Teil der Krankheit ist, dass sich Depressive wenig zutrauen. Wenn sie es dann schaffen, mit dem Rauchen aufzuhören, ist das ein Erfolgserlebnis, das sie nochmal bestärkt und positive Erlebnisse fördert", erklärt Psychologe Dr. Rüther.

Depression oder Rauchen - was war zuerst?

Raucher entwickeln häufiger eine Depression als Nichtraucher und Depressive neigen eher zum Rauchen. Die Ergebnisse sind allerdings wie die Frage nach der Henne oder dem Ei: Noch lässt sich nicht sagen, was zuerst da war - das Rauchen oder die Depression.

Die Zahl der Raucher ist unter Depressionskranken deutlich höher als unter Menschen, die nicht von der psychischen Erkrankung betroffen sind. Hinzu kommt, dass depressive Menschen deutlich mehr Zigaretten am Tag rauchen. Laut Forschern könnte hier der Drang nach einer Linderung der akuten Stresssituation Auslöser für das gesteigerte Verlangen nach Nikotin sein.

Rauchen und Depression in Zahlen

43% der Depressionskranken sind Raucher: unter den Nicht-Depressiven sind es nur 22%

Aufhören tut gut: rund ein Drittel weniger Ängste, Depressionen und Stress

Teenager sind gefährdet: Zwischen dem 13. und dem 16. Lebensjahr ist die Gefahr einer durch Rauchen ausgelösten Depression am Größten

Depressive Raucher greifen häufiger zur Zigarette

Die gute Nachricht ist, dass die sofortige Rauch-Entwöhnung sehr viele Vorteile hat. Neben den bekannten positiven Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit, hilft der Entzug auch der Psyche.

Über den genauen Zeitpunkt, wann sich der Entzug positiv auswirkt, sind sich Forscher nicht ganz einig. Die Ergebnisse verschiedener Studien kommen auf einen Zeitraum von sechs Wochen bis drei Monaten. Nach dieser Zeit sei der Entzug geschafft - das Rauchverlangen lässt stark nach und die Linderung der depressiven Symptome setzt ein.