Mutter wird freigeprochen

Quedlinburg: 72-Jährige vor Gericht, weil sie trotz Corona-Infektion Tochter im Krankenhaus besuchte

Prozess in Quedlinburg
Prozess in Quedlinburg
© dpa, Matthias Bein, mb

10. August 2021 - 17:09 Uhr

Vorwurf des Hausfriedensbruchs und der versuchten gefährlichen Körperverletzung

Im Oktober hatte eine mit Corona infizierte Frau ihre frisch operierte Tochter im Krankenhaus besucht. Das Harzklinikum in Quedlinburg verklagte die 72-Jährige daraufhin wegen Hausfriedensbruch und versuchter, gefährlicher Körperverletzung. Die Staatsanwaltschaft hatte für die Mutter eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung gefordert – heute ist das Urteil gefallen. Die Mutter wurde freigesprochen.

72-Jährige hatte angegeben, keine Symptome zu haben

Heute fiel das Urteil im Prozess gegen eine Frau wegen Hausfriedensbruch und versuchter, gefährlicher Körperverletzung.
Prozess in Quedlinburg
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Die 72-jährige Angeklagte hatte am 6. Oktober 2020 ihre erwachsene, gerade operierte Tochter im Harzklinikum besucht. Trotz des Verdachts auf eine Corona-Infektion. Nur eine Stunde vorher hatte sie sich in einer Fieberambulanz auf das Coronavirus testen lassen.

Obwohl sie bis zum Vorliegen des Testergebnisses hätte zuhause bleiben müssen, ging die Rentnerin ihre Tochter im Krankenhaus besuchen. Auf der Erklärung, die alle Patienten und Besucher des Klinikums ausfüllen müssen, hatte die Frau angegeben, keine Symptome zu haben. Einen Tag nach dem Krankenbesuch wurde das Klinikum vom Gesundheitsamt über ein positives Testergebnis informiert. Das Harzklinikum Quedlinburg erstattete daraufhin Anzeige wegen Hausfriedensbruch und versuchter, gefährlicher Körperverletzung.

Die Mutter habe sich Sorgen um ihre Tochter gemacht

Heute fiel in Sachsen-Anhalt, Quedlinburg das Urteil gegen die 72-Jährige.
72-Jährige in Quedlinburg vor Gericht
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Verteidiger Ulrich Hasselmann erklärte vor Gericht, dass die 72-Jährige zu dem Zeitpunkt des Besuchs keine Symptome mehr gehabt habe und außerdem davon ausgegangen sei, dass diese eine Reaktion auf eine zuvor gemachte Grippeschutzimpfung waren. Die Frau sei einzig und allein in großer Sorge um die Tochter gewesen und wollte sie sehen. Dieser Einschätzung folgte das Amtsgericht Quedlinburg. Die 72-Jährige wurde von den Vorwürfen freigesprochen. (dpa/mca)