38-Jähriger Fluchtwagenfahrer in Lüneburg vor Gericht

Prozessbeginn nach versuchtem Juwelierraub mit zwei Toten

Zwei Tote bei Raubüberfall in Celle
Zwei Tote bei Raubüberfall in Celle
© dpa, Moritz Frankenberg, mof fdt

04. Mai 2021 - 16:44 Uhr

Prozess gegen mutmaßlichen Fluchtwagenfahrer startet

Am Landgericht Lüneburg startet am Dienstag (04.05) ein Prozess wegen versuchten gemeinschaftlichen schweren Raubes. Der Angeklagte, sein Bruder und weitere Tatbeteiligte hatten im September versucht ein Juweliergeschäft auszurauben. Zwei Männer sterben, nachdem der Eigentümer sich und seine Frau mit einer Schusswaffe verteidigen will.

Angeklagter soll für Flucht zuständig gewesen sein

15.09.2020, Niedersachsen, Celle: Ein Mitarbeiter der Spurensicherung arbeitet vor einem Juweliergeschäft. Gestern haben zwei bewaffnete Männer versucht, einen Juwelier zu überfallen. Beide Täter wurden tödlich verletzt. Nach bisherigen Erkenntnissen
Zwei Tote bei Raubüberfall in Celle
© dpa, Moritz Frankenberg, mof fdt

Am Tag des Überfalls soll laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft der Bruder des Angeklagten einen weiteren Tatbeteiligten in einem Rollstuhl durch die Celler Innenstadt gefahren haben, um keinen Argwohn aufkommen zu lassen. Währenddessen habe der Angeklagte das Fahrzeug so abgestellt, dass es später als Fluchtfahrzeug hätte genutzt werden können. Der 38-Jährige soll dort gewartet haben, um die Flucht sicherzustellen. Dabei soll er mittels Telefon und Funkgerät mit seinem Bruder Kontakt gehalten haben. Der angeklagte Fahrer Alexej H. sei dann alleine geflüchtet, als die anderen beiden nicht zurückgekommen sind. Er konnte zwei Monate nach der Tat in Nordrhein-Westfalen aufgegriffen und festgenommen werden, teilte die Pressesprecherin des Landgerichts Lüneburg im RTL-Nord Interview mit.

Juwelier erschießt zwei Räuber

Der Bruder des Angeklagten und der weitere Tatbeteiligte sollen, so die Anklageschrift, mit Handschellen, einer geladenen Schusswaffe, einem Handbeil und einem Messer bewaffnet in den Juwelierladen in Celle gegangen sein. Dort sei der weitere Tatbeteiligte unvermittelt aus dem Rollstuhl über den Tresen gesprungen und habe sich auf die Ehefrau des Juweliers gestürzt, um diese zu würgen und mit den Handschellen zu fesseln. Anschließend sei auch Juwelier Bernd H. von dem Bruder des Angeklagten mit der Schusswaffe bedroht worden. Daraufhin habe der Juwelier mit einer Schusswaffe auf beide Täter geschossen. Der Bruder des Angeklagten verstarb noch am Tatort, der weitere Beteiligte erlag später seinen Verletzungen im Krankenhaus. Das Verfahren gegen den Ladeninhaber wegen Totschlags wurde eingestellt – die Staatsanwaltschaft Lüneburg ging davon aus, dass der Mann in Notwehr gehandelt hatte.

Beim Prozessauftakt kommen die Erinnerungen wieder hoch

Der Angeklagte Fluchtfahrer Alexej H. muss sich heute beim Prozessauftakt vor Gericht verantworten.
Der Angeklagte Fluchtfahrer Alexej H. muss sich heute beim Prozessauftakt vor Gericht verantworten.
© RTL Nord

Bernd H. und seine Frau Karin treten bei dem Prozessauftakt als Nebenkläger auf. Der Inhaber des Juwelengeschäfts erhofft sich Gerechtigkeit und betont, dass der Angeklagte bestraft werden müsse, schließlich sei es eine Gemeinschaftstat gewesen.

Die Frau des Ladeninhabers hat vor dem Prozessauftakt sichtlich mit den Tränen zu kämpfen und beim Anblick des Angeklagten kommen die Erinnerungen hoch: "Ich hab zur Sekunde gedacht, der springt jetzt auf, nachdem sie ihm die Handschellen abgemacht haben [...] und kommt zu mir und nimmt mich auch wieder in den Würgegeriff. Es war alles wieder da."

Bisher sind neun Verhandlungstage für den Prozess angesetzt. Ob es für den angeklagten Fluchtfahrer eine Strafmilderung geben könnte, ist bisher noch nicht abzusehen. Fest steht aber, dass Alexej H. eine wesentliche Rolle bei dem Tatvorgang gespielt habe, so die Sprecherin des Gerichts. Schließlich habe er die Mittäter zum Juweliergeschäft gefahren und auch eine mögliche Flucht gesichert.

KUM

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