Prozessauftakt nach Mord an Anna-Lena (16): "Sie drückte mich noch und sagte: 'Ich hab' dich lieb'"

12. November 2018 - 21:03 Uhr

Der 24-jährige mutmaßliche Täter soll Anna-Lena zufällig begegnet sein

Ein schrecklicher Zufall hat Anna-Lena das Leben gekostet! Sie ist gerade auf dem Weg nach Hause, als sie ihrem Mörder begegnet. Jetzt steht der mutmaßliche Täter vor Gericht und gibt sich selbstsicher, fast schon arrogant. Ihre Patentante dagegen wird von Schuldgefühlen gequält.

16-Jährige starb durch "massive Gewalteinwirkung"

Melanie G. kann nicht glauben, was passiert ist. Wenige Stunden nach Anna-Lenas Tod hatte sie ihre Patentochter noch gesehen. Die Schülerin aus Barsinghausen in Niedersachsen war gut gelaunt. "Sie drückte mich noch und sagte: 'Ich hab' dich lieb'", erzählte sie RTL nach der schrecklichen Tat. Sie kann sich den Tod der 16-Jährigen nicht verzeihen. Denn Anna-Lena war übergangsweise bei ihr zu Besuch, als sie so brutal aus dem Leben gerissen wurde.

An diesem Montag sitzt Melanie G. im Saal des Landgerichts Hannover. Es ist der Prozessauftakt gegen den Mann, der Anna-Lena getötet haben soll. Der 24-jährige Ronald C. muss sich wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen verantworten. Der Angeklagte soll Anna-Lena Mitte Juni am Bahnhof in der Kleinstadt Barsinghausen getroffen und sie zunächst auf ihrem Heimweg begleitet haben. Die blutüberströmte Leiche des Mädchens wurde am nächsten Tag vor einer Grundschule in der Nähe ihrer Wohnung entdeckt. Laut Polizei erlitt die junge Frau massive Tritte gegen Hals und Kopf sowie Schläge mit einem 25 Kilo schweren Ast. Das tote Mädchen war mit heruntergezogener Hose und entblößtem Unterleib gefunden worden.

Vor Gericht schwieg der Mann zu den Vorwürfen. Möglicherweise habe der Angeklagte Anna-Lena getötet, weil der Versuch eines sexuellen Übergriffs gescheitert sei, sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch. Eindrücke aus dem Gerichtssaal sehen Sie im Video.

Anna-Lena besuchte nur eine Freundin

"Ich denke jeden Tag an sie", sagte eine Zeugin (17) über Anna-Lena. Sie verbrachte mit der Freundin und ihrem mutmaßlichen Mörder kurz vor der Tat etwa 15 Minuten am Bahnhof des Ortes. Der 24-Jährige habe angeboten, Anna-Lena nach Hause zu bringen, weil er in der Nähe wohne, sagte die Freundin. "Ihr Blick hat gezeigt, dass sie es eigentlich nicht so gern gewollt hat. Ich hätte mitgehen sollen." Es war kurz nach 1 Uhr am Sonntagmorgen. Der Angeklagte sei laut, angespannt und aufdringlich gewesen und habe vehement nach einem Joint verlangt, berichtet ein anderer Zeuge.

Kurz nach dem Verbrechen machten die beiden Freundinnen, die zuletzt mit Anna-Lena zusammen waren, den Tatverdächtigen ausfindig. Eine andere Freundin hatte ihn zufällig in der Nähe seiner Unterkunft gesehen und ein Handyfoto geschickt. Anders als vor der Tat trug er eine Schiene am Bein. Als ihn eines der Mädchen zur Rede stellte, habe er laut reagiert: "Ich war das nicht! Wie könnt ihr mir so was unterstellen? Das ist Rufmord!" Er habe sich dann aber von der alarmierten Polizei widerstandslos festnehmen lassen.

Der Mann wurde erst wenige Monate vor dem Mord aus dem Gefängnis entlassen

Der junge Mann war erst wenige Monate vor Anna-Lenas Tod aus dem Gefängnis entlassen worden und hatte in einem Flüchtlingsheim gewohnt. Laut eines Jugendfreundes soll der in der Dominikanischen Republik geborene 24-Jährige keinen Kontakt zu seiner Schwester haben, seine Mutter lebe in der Schweiz. Gegen den inhaftierten Freund, der als Zeuge vernommen wurde, wird selbst wegen Vergewaltigung einer Schülerin ermittelt, wie im Laufe der Verhandlung herauskam.

Genau zwei Monate vor Anna-Lenas Tod war nur wenige Straßen entfernt in Barsinghausen eine 55-Jährige durch massive Gewalt umgebracht worden. Die Staatsanwaltschaft Hannover prüft laut Sprecher Thomas Klinge weiterhin, ob der 24-Jährige auch für dieses Verbrechen verantwortlich sein könnte.