Prozess um getöteten Jörg (11) aus Neuss: Zehn Jahre Haft für den Onkel

Sven F. war wegen Mordes und schwerer Körperverletzung angeklagt.
Sven F. war wegen Mordes und schwerer Körperverletzung angeklagt.
© dpa, Federico Gambarini, fg jbu

11. September 2018 - 2:51 Uhr

Kind wurde mit heißem Wasser übergossen

Im Mordprozess um den Tod des elfjährigen Jörg aus Neuss ist der Angeklagte zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Die Richter des Landgerichts Düsseldorf verurteilten den 41-jährigen Onkel am Dienstag wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Der 41-Jährige soll das Kind geschlagen und abwechselnd mit heißem und kaltem Wasser übergossen haben. Er hatte die Tat zunächst gestanden, dann aber sein Geständnis vor Gericht widerrufen und seine Frau der Tat beschuldigt.

Der Onkel soll seinen Enkel aus Wut geschlagen haben

Der elfjährige Jörg lebte erst seit einigen Wochen im Haushalt seines Onkels. Am Vormittag des 5. Oktober 2017 soll Sven F. seinen Neffen aus Wut so geschlagen haben, dass das Kind in die Badewanne stürzte. Der Onkel soll darauf das Bad verlassen und erst nach einigen Minuten wiedergekommen sein. Da lag das Kind bewusstlos in der Wanne.

Dann, so die Anklage, drehte der Onkel die Brause auf und ließ dampfend heißes Wasser über den Kopf des Kindes laufen. Das führte zu schweren Verbrühungen. Erst als die Tante kam, habe er halbherzig mit einer Reanimation begonnen und die Rettungskräfte verständigt. Die konnten das Kind zwar wiederbeleben. Doch zwölf Tage später starb es in der Düsseldorfer Uniklinik.

Der 41-Jährige rechnete nicht mit einer Mordanklage

Der Onkel habe die Schuld zunächst auf sich nehmen wollen, um seinen eigenen Kindern nicht die Mutter zu nehmen, damals aber nicht mit einer Mordanklage gerechnet. Der Staatsanwalt hielt ihn dennoch für den Täter und hat lebenslange Haft beantragt. Zudem wird das zwischenzeitliche Nichtstun des 41-Jährigen als Verdeckungsmord gewertet. Er habe verhindern wollen, dass ein herbei gerufener Notarzt die Spuren der Misshandlungen entdecke. Die Verteidigerin forderte dagegen einen Freispruch.


Quelle: DPA / RTL.de