Harte Auflagen für den Verurteilten

Leipzig: Stalker überwacht Ex mit GPS-Sender

09. September 2020 - 17:25 Uhr

Angeklagter brachte Peilsender im Kofferraum an

Das gemeinsame Liebesglück war für Ivonne G. längst zerbrochen. Doch der Mann, mit dem sie fünf Jahre lang gemeinsam Hunde großgezogen hatte, konnte das Beziehungs-Aus einfach nicht fassen. Sebastian G. klammerte sich weiter an seine Ex-Freundin – und stellte ihr nach. Zwischen Oktober 2017 und Mai 2018 soll er Ivonne G. immer wieder gestalkt haben. Das Opfer fühlt sich bis heute bedrängt. Weil der Leipziger KfZ-Mechatroniker sogar einen GPS-Sender im Kofferraum des Autos der Geschädigten installiert hatte, musste er sich nun vor Gericht verantworten. Das Urteil des Richters brachte harte Auflagen mit sich.

Wie der Gerichtsprozess ablief, sehen Sie im Video.

Sebastian G. bedrohte Geschädigte beim Gassi gehen

Ivonne G. fühlt sich bis heute bedrängt
Ivonne G. fühlt sich bis heute bedrängt
© RTL

Er lauerte ihr zuhause auf, wenn sie mit ihrem Vierbeiner Gassi ging, und schrieb immer wieder Briefe, um Ivonne zurückzugewinnen. Sebastian G. wohnt nur 500 Meter von seiner Ex entfernt – der Weg zum Haus seines Opfers ist nicht lang. Im November 2017 sah er, wie sie mit ihrem Hund unterwegs war. Aus Angst kehrte Ivonne um. Doch Sebastian folgte ihr, drückte sie an den Zaun und wollte reden. Der Täter zog an ihrem Schal und warf die Leine der Dogge auf sie.

In vielen Liebesbriefen, die er vor Ivonnes Tür legte und an ihrem Auto festmachte, drohte der Leipziger außerdem mit Selbstmord. Freunde des Mannes kamen laut Anklage regelmäßig bei Ivonne vorbei. Der Plan: Sie sollten Ivonne überreden, zu Sebastian zurückzukehren. Während alle krankhaften Versuche, die Geschädigte zurückzuerobern, scheiterten, wurde die Verfolgung von Ivonne immer extremer: Um sie stets orten zu können, befestigte er im Kofferraum ihres Autos heimlich einen GPS-Sender. Den bemerkte Ivonne erst im Mai 2018, als sie ihren Wagen in einer Leipziger Werkstatt durchsuchen ließ.

Peilsender befand sich unter der Batterie

Der 38-Jährige musste sich nun vor Gericht verantworten. Die Vorwürfe: Nachstellung, vorsätzliche Körperverletzung, Nötigung und versuchte Nötigung.

Vor dem Richter beteuerte der Angeklagte, dass der GPS-Sender am Audi A6 nie funktioniert habe. Den Tracker hätte er mit ihrem Wissen nur angebracht, weil es in Leipzig immer wieder zu Autodiebstählen käme. Und: "Ich habe nie Personen zu ihr geschickt. Ich habe sie nicht zuhause aufgesucht, ihr nur Briefe geschrieben. Ich habe sie nicht gewürgt und geschlagen."

Doch die Spielhallen-Mitarbeiterin widersprach der Darstellung des Angeklagten zum GPS-Sender vehement: "Ich wusste nichts davon. Er konnte ja gar nicht wissen, wo ich immer bin. In der Werkstatt habe ich das Auto dann auseinander bauen lassen. Unter der Batterie war der Peilsender." Ivonne ging zur Polizei.

"Er erkundigte sich nach meinem Dienstplan"

Das Stalking habe auch ihr Arbeitsleben beeinflusst: "Er rief bei mir auf der Arbeit an und erkundigte sich nach meinem Dienstplan."

Bis zum Prozess hatte das Opfer eineinhalb Monate Ruhe. Nun geht es schon wieder los, berichtet sie. Der Richter sprach den Angeklagten schuldig und verurteilte ihn zu zwei Jahren auf Bewährung. Sebastian G. darf außerdem keinen Kontakt mehr zu seiner Ex aufnehmen und muss ein ungewöhnlich hohes Näherungsverbot in einem Umkreis von 500 Metern einhalten. Das Gericht hielt die Zeugen für glaubwürdig. "Mit den Auflagen muss ich die Frau vor Ihnen schützen", so der Richter in seiner Urteilsbegründung.